Einfach Schwamm drüber? Und dann?

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Aufarbeitung – jetzt!

Berlin, 22. April 2024

Liebe Nora,

Danke für diese großartige Idee! Tatsächlich habe ich Ende 2020 angefangen meine Gedanken über das, was damals und bis heute  mit mir, mit uns, der Gesellschaft, unserem Weltbild, der Demokratie geschieht, niederzuschreiben. Es ging und geht nicht anders, es muss raus! Und es ist mein verdammter Job als Journalistin. Ich musste und muss noch immer reden, auch wenn ich weiß, dass es vielen nicht gefallen wird…

Zu der Zeit, in der du die Erfahrung mit deinem Hannes und dieser Testerei niedergeschrieben hast, ich sehe gerade, es ist heute auf den Tag genau drei Jahre her, schrieb ich folgenden Text:

 

Aus gesellschaftlicher Perspektive stelle ich mir seit Monaten folgende Frage: wie wird es nach Beendigung der „Epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ mit unserer Gesellschaft weitergehen? Werden wir nahtlos da weitermachen, wo es im Februar 2020 begann?

Wie wird der Polizist, der qua seines Amtes und der Verfügung durch die Regierung Privatwohnungen kontrolliert, Gastronomen und Unternehmer, die ihrer Arbeit nachkommen wollten, mit horrenden Geldstrafen belegt hat, Masken-Verweigerer verfolgt und abgeführt hat, Grill-Nachmittage mit Waffengewalt aufgelöst hat in den Spiegel schauen? Der Nachbar, der die Zahl der Menschen im Nebenhaus minutiös gezählt, für strafbar erachtet und angezeigt hat? Der Politiker, der es in Kauf genommen hat, dass Millionen Kinder massive psychologische Schäden durch den endlosen Lockdown erlitten haben?  Journalisten, die Masken-Kritiker als potentielle Mörder bezeichnet, sich dafür ausgesprochen haben Impf-Kritiker zu ächten?

Werden wir alle als Gesellschaft sagen: Nun ist alles wieder gut, Schwamm drüber, lass uns zusammenkommen, das Leben feiern? Werden die Millionen Demonstranten, die auf der Straße ihr Grundrecht ausgeübt haben und gegen die Corona-Maßnahmen demonstrierten, dafür aber als rechtsradikal und verantwortungslos diffamiert wurden und in der Folge unter anderem ihren Job verloren sagen: Lass es gut sein, es war eben die Corona-Zeit. Werden die Ärzte, die vermeintlich falsche Atteste ausstellten und dafür von der Staatsanwaltschaft aufgesucht wurden wieder Vertrauen in ihre Mitmenschen, in uns als Gesellschaft haben? Die Epidemiologen, Virologen, Ethiker, die für ihre kritische Haltung in einer Demokratie ihres Amtes enthoben, strafversetzt oder gekündigt wurden? Lehrer und Schüler, die der Schule verwiesen wurden, weil sie keinen Sinn in einem prophylaktischen Test zweimal die Woche sahen? Journalisten, die staatlich überwacht wurden, weil sie eine kritische Meinung vertraten?

Wird alles einfach so weitergehen wie vorher?

Werden die Volksvertreter sagen: Tut mir leid, dass wir aktuell (Stand: April 2021) hunderte Milliarden Staatsschulden, Millionen Arbeitslose, Tausende insolvente Klein- und Mittelunternehmer, eine zerstörte Generation Kleinkinder und Jugendliche haben. Tut mir leid, dass wir die Epidemische Lage von nationaler Tragweite aktuell ohne Evidenz aufrechterhalten haben, aber es war nicht anders möglich, und ich stelle mich jetzt erneut zur Wahl?

Wie haben wir das nach dem Zweiten Weltkrieg gemacht?
Weggeschaut.
Jahrzehntelang.
Niemand will diesen Vergleich hören, denn niemand darf etwas mit dieser Zeit vergleichen.
Aber wir haben damals weggeschaut, sehr lange.
Dann wurde aufgearbeitet und daraus gelernt.
Das meinen wir heute.

Delegationen aus Ländern wie Kolumbien kamen zu uns, um sich anzuschauen, wie großartig die Deutschen ihre Geschichte aufgearbeitet haben, um es eventuell ähnlich zu tun.

Wie werden wir es „nach Corona“ – eine Zeit, von der niemand weiß wann es sein wird, wie sie gestaltet werden kann – machen? Werden wir so tun, als ob es „nur“ ein nicht enden wollender Lockdown war, „nur“ Künstler, die ihrer Lebensgrundlage beraubt wurden, „nur“ alarmierend zunehmende intrafamiliäre Gewalt, „nur“ ein drastischer Anstieg von Suiziden bei Erwachsenen und Kindern, „nur“ eine Generation von Kindern, die mit der Sendung mit der Maus und in der Schule gelernt haben, dass Querdenker und Menschen ohne Maske ihr Leben gefährden, „nur“ Jugendliche, die ihre beste Zeit nicht erleben konnten, nur eine wissentlich ruinierte Wirtschaft, „nur“ Politiker, die unsere demokratischen Werte mit Füßen getreten haben?

Wir müssen jetzt anfangen.
Wir müssen in der Politik, in den Medien, in der Nachbarschaft, in den Schulen, in den Kitas, in der Straßenbahn das friedliche Miteinander wieder üben, jeden Tag. Ein Leben ohne Moral-Keule, Denunziation, Schuldzuweisung. Ein Leben mit Toleranz, Integration, Wertschätzung, Akzeptanz unterschiedlicher Meinungen, ein Leben in Demokratie, mit mündigen Bürgern und Eigenverantwortung.

 

Danke Nora, dass du unsere Gedanken gebündelt zu Papier bringst!
Herzlich, Camilla
Erschienen am 22.04.2021 in dem Magazin 1bis19, Camilla Hildebrandt war Mitgründern des Magazins.
https://1bis19.de/gesellschaft/ueberlegungen-zum-danach/

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Eine Rückblende

Pinnow, 21. April 2024
Liebe Emma,

meine Antwort kommt. Nur nicht heute.
Heute bin ich erschöpft und hänge irgendwie zwischen den Zeiten. Zwischen den Welten. Vor drei Tagen noch habe ich in Italien im Fluß gebadet. Umgeben von einer Natur, die ich so noch nie gesehen hatte. Ich habe in einem Örtchen gewohnt, hoch oben auf dem Berg, in einem pittoresken Haus zwischen etlichen anderen pittoresken Häusern, die durch Gänge und Tunnel miteinander verbunden waren. So etwas kannte ich bisher nur aus Filmen. Nun habe ich erlebt, was ich natürlich wusste, dass es so etwas wirklich gibt. Mit richtig echten Menschen.
Ich finde es verrückt; da wird man irgendwo hineingeboren und lebt sein Leben und dann kommt man woanders hin und es ist so anders, so fremd, aber Alltag für diejenigen, die dort wohnen. Clara hat es ganz genauso empfunden. Am liebsten, das sagte sie mir, hätte sie in die Köpfe der Menschen geschaut, um zu sehen, ob sie ähnliche Gedanken denken wie wir oder ganz anders ticken, womöglich nur NPCs (den Begriff kannte ich bis dahin nicht) sind. Spannend.

Seit vorgestern sind wir zurück im kalten Deutschland und gleich in Hannes Geburtstag gefallen. Da war nichts mit ankommen, ich musste (und wollte) gleich da sein, für meinen Jüngsten. Jetzt ist er auch schon vierzehn. Wie die Zeit vergeht.

Beim Suchen nach einer Antwort für dich, habe ich einen Text, den ich ziemlich genau vor drei Jahren, am 16. April 2021 für den Verein 1-19 geschrieben hatte, gefunden. Ich schicke ihn dir, als Vorgeschmack auf meine Antwort, die erst noch reifen will.
Heute ist Ausruhen angesagt. Morgen holt mich der Alltag. Ein bisschen freue ich mich darauf. Abtragen. Ich bin so erfüllt, da wird es leicht, all das Liegengebliebene aufzuarbeiten. Wenn ich mich heute ausruhe 🙂

Dir liebe Grüße,
ich melde mich,

Nora.

 

Mutter, Kind und unsere neue Realität
Von Nora Mittelstädt

„Mama, warum willst du nicht, dass ich mich testen lassen?“. Es ist Dienstag nach den Osterferien. Gerade noch rechtzeitig habe ich es geschafft, meine Kinder pünktlich aus der Schule abzuholen. Ich komme direkt aus Berlin. Spontan war ich am Morgen zum Reichstag gefahren, um Frau Merkel und Co. davon abzuhalten, das neu modifizierte Infektionsschutzgesetz durch den Bundestag zu jagen. „Irgendwer muss sie ja aufhalten!“, hatte ich meinem Mann meinen kurzfristigen Entschluss erklärt. Mein Mann kennt mich und weiß, dass mich hin und wieder kleine Anflüge von Größenwahn überkommen. In meinen Gedanken habe ich schon manches Mal die Weltgeschichte gedreht.

So auch heute. Während der siebzig Minuten Fahrt nach Berlin hatte ich mir ausgemalt, wie verwegen es doch wäre, wenn ich einfach in den Bundestag marschieren würde (in dem Film „Kundschafter des Friedens“ hatte ich gesehen, dass so etwas durchaus klappen kann), ans Rednerpult treten und allen Anwesenden klipp und klar erklären könnte, was für ein perfides Spiel mit uns gespielt wird. Die Vorstellung war fantastisch. Vielleicht schreibe ich einmal ein Buch darüber, wie es hätte werden können, wenn …

… ich nicht ganz brav die zweite Wiese hinter dem Reichstag angesteuert hätte, die uns Demonstranten als Versammlungsort genehmigt worden war. Ich bezweifle, dass im Bundestag überhaupt einer unserer Volksvertreter mitbekommen hat, wie ich gemeinsam mit einer sehr übersichtlichen Zahl Gleichgesinnter mit bescheidenen Mitteln (Stimme, Trommel, Spruchbänder) versucht habe aufzuhalten, was momentan offenbar (noch) nicht aufzuhalten ist. Es war ernüchternd.

Dennoch bin ich ganz beseelt, als ich die Autobahn zurück in Richtung Uckermark düse. Wie schon auf unzähligen anderen Veranstaltungen habe ich auch dieses Mal wieder großartige (couragierte) Menschen kennengelernt. Nachhaltig beeindruckt hat mich ein Polizist, der bereits in mehreren Instanzen remonstriert hat. In Ausübung seines Amtes hatte er die Personalien meiner Freunde aufnehmen müssen, die nun ein Bußgeld erwartet, weil sie beim Protest gegen das Ermächtigungsgesetz (darf man nicht sagen) zu dicht beieinander gestanden hatten. Als Polizist im DemoEinsatz erfüllte er damit seinen Job. Als Mensch jedoch erzählte er uns, wie sehr er damit hadere. Mehr noch, er bedankte sich, dass wir gekommen waren und bat uns unbedingt weiterzumachen, damit der ganze Irrsinn ein baldiges Ende habe.

Als ich auf den Schulhof einbiege, läuft mir Achim, der Mentor meiner Tochter Clara über den Weg. Wir sind befreundet und im Austausch. Achim betrachtet die Ereignisse dieser Zeit ähnlich wie ich. Dennoch ist er geneigt sich den Regeln zu beugen. Heute allerdings hat er die Schnauze voll. Obwohl auf dem Schulhof Maskenpflicht besteht, nimmt er seine FFP-Maske ab und schmettert mir seinen Unmut über die neuesten Bestimmungen zur Testpflicht an Schulen nicht nur lautstark, sondern mit voller Mimikuntermalung entgegen.

„Die klauen uns unsere Zeit mit diesem Blödsinn“, wettert er und erzählt, dass er sich die letzte Stunde durch die Bestimmungen zur Testpflicht gelesen hätte, um danach genauso schlau zu sein wie vorher. „Die widersprechen sich in ihren eigenen Anweisungen“, echauffiert er sich. Was soll ich dazu sagen? Ich komme gerade vom Reichstag, ich hätte mit Frau Merkel auch gerne darüber geredet, dass ich meine Kinder auf gar keinen Fall testen (lassen) werde. Jedenfalls nicht ohne Grund.

Vergangene Woche hatte ich der Schulleitung geschrieben, dass meine Kinder mit Beginn der Testpflicht nicht mehr zur Schule kommen werden. Nun rät mir Achim: „Hol dir den Test und unterschreibe, dass er negativ gewesen ist?“ In meinem Kopf überschlägt es sich. Ich sehe meine Kinder, wie sie ihren Negativbescheid abgegeben. Argwöhnisch beäugt von Lehrern, die sich bereits haben impfen lassen, von Kindern, die mit ihren Masken am liebsten schlafen gehen würden und die ihnen nun auf den Zahn fühlen und fragen: „Habt ihr den Test auch wirklich gemacht?“

„Und ihr wollt immer, dass wir nicht lügen!“, empört pufft mich Hannes, mein Jüngster, in die Hüfte. Sie muss sich angeschlichen haben. „Nein“, sage ich, „ich will nicht, dass lügst. Und ich will auch nicht, dass hier überhaupt einer lügt oder lügen muss“. Und dann kommt die Fragen, die mich so trifft: „Warum willst nicht, dass ich mich testen lasse?“

Die Frage kommt nicht aus heiterem Himmel. Eine Lehrerin hat Hannes heute zuschauen lassen als sie sich getestet hat. „Das war überhaupt nicht schlimm“, sagt mein Sohn.

Am Abend bespreche ich mein Dilemma mit meinem Mann. Er findet diese Tests nicht unbedingt gut, aber auch nicht dramatisch. Ich bin froh, dass er mich entscheiden lässt. Aber wie soll ich entscheiden?

Angeregt von einer Freundin hatte ich vor einigen Tagen versucht mir vorzustellen, wie es wäre, wenn ich all meinen Widerstand aufgeben und einfach annehmen würde, ich läge mit meiner Einschätzung der Situation falsch. Meine Freundin hatte dieses Gedankenexperiment bereits gemacht und für sich erschrocken festgestellt, wie stur und starr sie an ihrer Sicht festhalten wollte und tatsächlich nicht in der Lage war, ihren Standpunkt aufzugeben. Was wäre, fragte sie mich, wenn genau meine (unsere) Sturheit und Starre uns davon abhielte, in die Lösungsphase der Coronakrise zu kommen?

Ich musste an Lew Tolstoi denken. Schon er hatte gesagt, dass nur wenige Menschen, die wollten, dass sich die Welt verändere, bereit wären, sich selbst zu verändern? Wie sah es nun mit mir aus?

Natürlich bin ich stur und steif. Manchmal aber auch wackelig. Seit einem Jahr wird Angst und Panik geschürt. Das torpediert nicht nur unsere Psyche, sondern schwächt auch das Immunsystem.

Seit einem Jahr studiere ich täglich Informationen zur Corona-Krise. Nicht nur die aus Funk, Fernsehen und Zeitungen, sondern vor allem auch die aus dem Netz. Ich höre KenFM, lese den Rubikon, verfolge Boris Reitschuster und Gunnar Kayser, ich informiere mich bei Sucharit Bhakdi und Wolfgang Wodarg, ich habe das Strategiepapier des BMI zur Kenntnis genommen, ich habe verfolgt, wie Hans Georg Maaßen erklärt hat, wie es funktioniert, wenn Angela Merkel beschließt, dass die Erde wieder eine Scheibe zu sein hat und und und. Jeden Tag kommen neue Informationen. Und jeden Tag komme ich zu dem Schluss, dass hier gehörig was nicht stimmt.

Ich kann den anderen Standpunkt nicht einnehmen. Weil es ein totalitärer Standpunkt ist, der meines Erachtens auf Täuschung und Lügen basiert. Bei dem es um Unterdrückung und Unterwerfung geht. Das widerspricht meinen Werten. Für die ich einstehe.

Wie lange? Um welchen Preis?

Mein Mann, der mir im Grundsatz zustimmt, kommt regelmäßig ins Schwanken. Er kann sich nicht vorstellen, dass seine Helden wie zum Beispiel Jan Böhmermann und Felix Lobrecht falsch liegen, wenn sie die ergriffenen Maßnahmen für richtig erachten.

Noch steht mein Mann hinter mir. Noch akzeptiert er, dass ich eine Revoluzzerin bin, Demos organisiere, nachts mit Kreide Sprüche auf die Straßen schreibe und auch schon eine Ermittlungsanzeige kassiert habe. Aber wie wird er reagieren, sollte der Gegenwind schärfer werden? Das ganz normale Leben schon kostet ihn viel Kraft. Er ist erschöpft und möchte gerne auch mal nur genießen.

Aus diesem Grund würde er die Kinder testen lassen.

Doch ich sage, diese Pandemie ist keine Pandemie. Diese Pandemie ist politisch gewollt. Warum, übersteigt nicht nur meinen Horizont. Wenn ich in Ansätzen erklären will, was ich glaube, verstanden zu haben, werde ich schnell als Verschwörungstheoretikerin eingeordnet.

Warum erkennen so wenige die Verschwörungspraktiker?

Wie soll man seinen Kindern erklären, was einen bewegt, wenn es schon für viele Erwachsene nicht nachvollziehbar ist. Ich versuche es trotzdem. Ich schildere meiner Tochter, dass 99,7 Prozent der Weltbevölkerung gesund sind, dass einige Menschen zwar stark erkranken, dass ich allerdings denke, dass man sie anders schützen müsste, als nun zweimal wöchentlich alle Schulkinder zu testen zu lassen. Mein Sohn rollt mit den Augen. „Ich hab mich schon entschieden“, sagt er. „Ich lass mich nicht ständig testen! Und lügen tue ich auch nicht, das macht Angela Merkel schon oft genug!“

Ich bin baff. Zu Tränen gerührt.

Und dennoch unsicher. Mein Sohn ist zehn Jahre alt. Er kann nicht ermessen, was hier gespielt wird. Er kooperiert. Aber ist es die richtige Entscheidung für ihn?

Zwei Tage später fragt er: „Kann ich das Testen nicht wenigstens mal versuchen?

Was soll ich tun? Ich stecke in der Zwickmühle.

Meine Kinder brauchen andere Kinder!

Aber wenn wir alle mitmachen, wie soll Angela Merkel dann merken, dass es so nicht geht?
Mir ist wichtig, meinen Kindern Werte zu vermitteln. Wie den, für meine Wahrheit einzustehen.

 

Emmas letzter Brief vom 3. April 2024

 

 

 

Ratlos und sprachlos

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Die Welt ist total verrückt

Deutschland, 15. April 2024

Liebe Nora,

Anfang April 2020 habe ich begonnen in einem privaten Blog all das zu beschreiben, was mir widerfahren ist, was ich wahrgenommen habe und welche Gedanken mir dazu durch den Kopf gegangen sind. Als ich von Ihrer Idee, Zeitzeugnisse zu sammeln, las, habe ich meinen Blog wieder “hervorgekramt”. Es war spannend, ihn nun im Abstand zu lesen. Ich stelle ihn Ihnen gerne zur Verfügung.

Liebe Grüße, Milan.

 

Anfang 2020. Wie es begann…

Es ist Ende März Anfang April 2020. Nach einem schönen Abend bei Freunden auf deren Terrasse, im kühlen Wind, stehe ich am nächsten Morgen auf und bekomme keine Luft. Meine Lungen sind wie verengt ich versuche tief einzuatmen, doch es geht nicht mehr. Ich bekomme Panik. Da ich im Home Office arbeite (dies schon seit 25 Jahren), meine Frau im Büro ist (noch), habe ich niemanden mit dem ich meine Beschwerden teilen kann. Über den ganzen Tag hinweg wird das Atmen immer schwieriger. Ich beuge mich nach vorne, stütze meine Arme auf die Knie. Es geht etwas besser. Ich bekomme Schmerzen am ganzen Oberkörper. Was soll ich tun? Meine Vermutung ist eine Unterkühlung, da ich leicht bekleidet am Abend zuvor auf der Terrasse im Wind gesessen habe.

Vielleicht hilft ja etwas Sport. Normalerweise jogge ich dreimal die Woche ca. 7 km eine Runde durch die Natur. Ich laufe, das Atmen ist unglaublich schwer. Was ist das? Habe ich mich jetzt mit dem Coronavirus angesteckt? Nach dem Laufen setzte ich mich hin und bleibe sitzen. Bewege mich nicht viel. Ab und zu stehe ich auf, um tiefer einatmen zu können. An meinem rechten Fuß und an der rechten Hand habe ich großflächige Hautirritationen. Sie ist bröselig, fällt ab. Was ist das?

Abends erzähle ich meiner Frau von meinen Beschwerden. Was soll ich tun. Gehe ich zum Arzt? Ich gehe schlafen. Die Nacht lässt mich unruhig herumwälzen. Ich nehme ein paar Tropfen Heilpflanzenöl um besser durchatmen zu können. Es hilft ein wenig.

Am nächsten Morgen wieder die gleichen Atembeschwerden. Die Schmerzen im Oberkörper werden mehr. Das Atmen wird schwieriger. Ich bin mir sicher, es ist Corona. Oder doch nicht? Wieder die Frage, zum Arzt oder nicht. Ich entscheide mich wieder laufen zu gehen. Gegen die Schmerzen reibe ich mich mit einem Öl aus Thailand ein, dass meine Frau von dort mitgebracht hatte. Es soll helfen. Es hilft. Ein wenig. Aber die Atemnot bleibt. Eine Bekannte gibt mir eine Salbe (auch aus Thailand). Es soll gegen alles helfen. Trinke viel Ingwertee. Zwischendurch denke ich alles aufzuschreiben. Alle Passwörter, alles was benötigt wird. Habe richtig Angst zu sterben.

Das geht dann noch Tage so. Die Atmung wird besser. Ich lasse es trotzdem, zum Arzt zu gehen, anscheinend sind die Praxen und Krankenhäuser überfüllt mit Coronapatienten. Da will ich nicht hin. In den folgenden drei Wochen schwitze ich nachts drei bis vier T-Shirts durch. So was hatte ich noch nicht. Ob das von dieser Salbe kommt? Oder heilt der Körper? Ich weiß es nicht. Habe weiterhin Angst, dass dies nicht gut ausgeht. Die Haut hat sich nun beruhigt. Wie nach einem Sonnenbrand, kann man die oberen Hautschichten abtragen. Darunter ist die Haut gerötet, aber wieder normal.

Es gibt keine Impfung gegen das Coronavirus. Habe ich es tatsächlich? Nach sechs Wochen gehe ich endlich zum Arzt. Lasse mich untersuchen. Erkläre ihm meine Beschwerden. Blut wird abgenommen. Überweisung zum Kardiologen und zum Pneumologen. MRT soll gemacht werden. Der Hausarzt fragt mich, nachdem ihm eine Arzthelferin einen Plastikstreifen zeigt (für was der ist, weiß ich nicht, später weiß ich, dass es ein Teststreifen war), ob ich in letzter Zeit eine Infektion hatte. Weiß ich doch nicht, sage ich. Dafür bin ich eigentlich hier. Eine Antwort bekomme ich nicht. In der Praxis ist eine gewisse Hektik. Das Virus ist anscheinend ein großes Thema.

Die Untersuchung beim Kardiologen und auch beim MRT der Lunge ergeben: Alles in Ordnung. Die Beschwerden aber sind immer noch da. Allerdings nicht mehr so schlimm. Anscheinend haben das Laufen und die Salbe geholfen oder der Körper hat das Virus oder was auch immer es war, besiegt.

Wenn die Impfung kommt, bin ich der erste der sich impfen lässt.

Die Coronahysterie nimmt ihren Lauf. China meldet Ende 2019 einen Ausbruch. Riegelt alles ab. Januar, Februar, der Rest der Welt hat andere Probleme. Ab März 2020 ist die Panik auf einmal groß. Weltweit. Die Medien überschlagen sich mit Meldungen über die Pandemie, die durch die WHO ausgerufen wurde. Die vorher erstellte Agenda wird abgespult. Grenzen werden weltweit geschlossen. Keine Reisen mehr. Deutsche Urlauber werden auf Kosten des Staates aus allen Ländern in das Heimatland zurückgeflogen. Dies machen auch alle anderen Staaten. Ausgangssperren werden verhängt. Die Welt scheint in Endzeitstimmung. Wir werden alle sterben.

Mitte März 2020. Die erste Abriegelung findet statt. Das öffentliche Leben wird abgeschaltet. Nur noch Lebensmittelgeschäfte und Notwendiges zum Überleben haben offen. Es wird vom Tragen von Gesichtsmasken abgeraten. Nutzt nichts. Später rät man zum Tragen von Gesichtsmasken. Erst kann man auch selbst gemachte Masken tragen, dann nur noch industriell produzierte. Hauptsache die Aerosole schwirren nicht einfach frei herum. Die Hysterie steigert sich in einen kompletten Wahn.

Spätsommer 2020. Meine Beschwerden werden ganz langsam besser. Auch die Atmung. Das nächtliche Durchschwitzen lässt nach. Ich laufe nach wie vor fast jeden Tag, um die Atmung in Gang zu halten.

Die Medien (weltweit mit unterschiedlichen Modalitäten) lassen täglich die Zahlen von Infizierten und Toten über alle Kanäle verbreiten. Die Hysterie steigt immer weiter, es wird suggeriert, dass es noch schlimmer wird. Viel schlimmer. Es entstehen neue Begriffe: Verachtende. Beleidigende. Unmenschliche. Ausgrenzende. Erniedrigende.

Es ist November 2020. Die Coronainfektionen sind enorm hoch. Die Dashboards von John Hopkins und RKI sind tiefrot. Noch mehr Hysterie in den Medien. Es gibt eine weitere Schließung von Geschäften und Restaurants. Das Nachtleben und sämtliche Kulturveranstaltungen werden abgesagt. Das Arbeiten geht aber weiter, jetzt jeder im HomeOffice, für alle die ihre Arbeit dort verrichten können. Maßnahmen werden beschlossen, wiederrufen, neue Maßnahmen, neue Einschränkungen. Es scheint eine gewollte Einigkeit in der Uneinigkeit zu herrschen.

Ein Impfstoff ist in Sicht. Soll eigentlich gegen Krebs entwickelt worden sein. Jetzt soll er gegen das Virus helfen. Auch noch Made in Germany. Aber andere Impfstoffe sind auch schon da. Russisch, Chinesisch, Amerikanisch, Englisch, Indisch. Wer lässt seinen zuerst zu. Eine Impfstoff-Olympiade.

Mir geht es wieder einigermaßen gut. Bis auf die weiterhin etwas erschwerte Atmung. Jedoch weit weg von den Beschwerden der ersten Wochen. Ich bin erleichtert. Hatte ich das Coronavirus?

Ja. Nein. Ich weiß es nicht.

In der Zwischenzeit ist es um Weihnachten herum. Ich bekomme Montagmorgen einen Anruf meines Freundes mit dem ich in einer Freundesgruppe, verbotenerweise, im Garten um ein Lagerfeuer gestanden hatte. Er ist in der Firma positiv getestet worden. Er ist sechzig. Ein wenig mulmig wird mir. Uns allen. Er und seine Freundin sind in Quarantäne. Weitere Freunde werden positiv getestet.

Es vergehen drei Wochen. Alle wieder wohlauf. Welch ein Glück.

Am 16. Dezember 2020 wird dann ein “Lockdown” verhängt. Erst heißt er Shutdown. Dann merken die Medien, dass es der falsche Anglizismus ist. Staatliche Hilfen werden ausgeschüttet. Für die Berechtigten, wie gewohnt, bürokratisch schwierig zu erhalten.

In der Zwischenzeit gibt es auf allen Kanälen Mahner, Einpeitscher, Claqueure. Die Hysterie erreicht eine nie dagewesene Qualität. Es werden immer neue Begriffe für einzelne Menschen und Menschengruppen erfunden. Ich möchte diese hier nicht aufführen, denn meine Einstellung für den Sprachgebrauch verbietet es mir, mit einem Wörterbuch der Repression, der Unterdrückung und der Verachtung anderer Menschen, zu hantieren.

Die Impfung kommt. Es werden Impfzentren errichtet. In Messehallen, Lagergebäuden. Eine Massenveranstaltung. Innerhalb kürzester Zeit werden Milliarden Dosen Impfstoff, Impfflaschen, Spritzen, Kanülen hergestellt. Eine neue Industrie entsteht.

Alle sollen geimpft werden. Es soll schnell gehen. Aber erst kommen die ganz Alten, dann die Alten, die Vulnerablen, dann die mit den systemrelevanten Berufen und erst dann alle anderen.

Und wieder werden neue Komposita erfunden. Die deutsche Sprache ist eine Wundertüte für unterdrückende, spaltende, denunzierende, menschenverachtende Wortbildungen. Und sie werden durch die Multiplikatoren mit geifernder Wolllust verbreitet.

Soll ich mich impfen lassen? Alle rennen wie verrückt, um die Vakzine zu bekommen. Jedenfalls suggerieren dies die Medien. Neue Beleidigungen, Erniedrigung, Einteilungen. Die Lautsprecher der Regierungen und die Verstärker der Medien verstehen sich als Einpeitscher im Menschenzoo.

Anfang 2021. Es wird langsam Frühling, der Sommer kommt. Die Infektionen werden, laut Medien und Dashboards, weniger. Die Grenzen sind zum Teil wieder offen. Man kann reisen. Ich bin von Ende Juli bis Mitte September im Ausland. Weit weg vom Coronageschehen und doch mittendrin. Meine Verwandten sind komplett geimpft. Nur meine siebenundachtzigjährige Tante nicht. Sie ist bettlägerig.

Der Sommer verläuft ohne Probleme. Meine Atmung ist wieder komplett in Ordnung. Habe in den Wochen des Reisens auch endlich wieder abgenommen. Gibt immer was zu tun dort. Alles weit weg. Nur Natur und viel Platz. Kein Maskenzwang, keine Einschränkungen. Freunde kommen aus Deutschland, der Sohn vom Meer, fahren wieder fort. Sommer wie immer, schön, ausgelassen, frei von Zwang.

Es wird September 2021. Langsam steigen die Zahlen in den Medien und den Dashboards. Mal dieses Land, mal jenes Land, mal eine Region, mal die andere. China nicht. USA, Südamerika schlimm, Russland auch. Afrika zu arm für Dashboards. Es gibt neue Mutationen, Varianten. Alpha als Urvirus, Beta hier, Gamma dort. Am Ende ist es die Deltavariante, die in Europa um sich greift.

Die Mahner, Einpeitscher und Claqueure heizen wieder ein. Lasst euch impfen! Impfen, Impfen, Impfen! Meine Frau ist in der Zwischenzeit geimpft. Fast der ganze Freundeskreis, und die gesamte Umgebung. Auch meine Mutter. Meine Kinder wollen nicht, wie sehr viele junge Menschen. Covid ist eine Krankheit der Alten und Kranken. Einige meiner Freunde möchten sich ebenfalls nicht impfen lassen. Bei vielen haben sich die Gründe aus unterschiedlichsten Thematiken zusammengesetzt.

Soll ich mich impfen lassen? Ich habe mich bis hierhin weder geweigert, noch habe ich mich dafür entschlossen.  Als ich mich erholt hatte und wollte, war zwar Impfstoff vorhanden, aber nicht für mich. Im Ausland wollte ich mich nicht impfen lassen. Zwei der Impfstoffe werden in Deutschland nicht anerkannt. WTF? Über den Menschen, über der Pandemie, über der Gesundheit, stehen immer noch Wirtschaftsinteressen?!

Ich werde zornig.

Beschränkungen für Menschen, die sich nicht impfen lassen, Verbote. Medialer und politischer Druck wird erzeugt. Mit allen Mitteln. Die Einpeitscher überschlagen sich mit neuen Mahnungen, Beleidigungen, Drohungen, Menschenverachtung. Überall werden Grenzen gezogen. Man grenzt sich aus und wird ausgegrenzt.

Gegendruck entsteht.

Eigentlich hätte ich mich schon längst impfen lassen. Hatte ja erlebt, wie es ist, eine Infektion zu haben und keine Luft mehr zu bekommen. Ich weiß bis heute nicht, ob es Corona war oder etwas anderes. Ein Antikörpertest im Juni 2021 hat keine Antikörper feststellen können. Ich denke nach, was mich davon abhält – was ist das in mir, das eine Aversion gegen die Vorgehensweise der staatlichen und medialen Akteure hervorruft?

Es ist die Selbstermächtigung, Empowerment. Eine gute, eine wichtige Eigenschaft. Nur eben nicht im Zusammenhang mit Corona. Die Suchmaschine spuckt verwunderliches aus, wenn man nur Selbstermächtigung eingibt oder wenn man Selbstermächtigung Corona  eingibt.

Ende Oktober 2021. Mein Sohn hat eine Erkältung. Aufregung. Test. Schnelltest negativ. Ein paar Tage später habe ich auch eine. Schnelltest negativ. Anruf aus dem Ausland. Meine Cousine, vollständig geimpft, ist positiv getestet, ihr geht es gut. Meine Tante (87 Jahre), nicht geimpft, ist infiziert und liegt im Krankenhaus, es sieht nicht gut aus.

Im medialen Hintergrund rauschen die Krisen. Gendern, MeeToo, BLM, alte Weiße Männer, Faschismus, Rechts, Links, Radikalismus, Rassismus, Korruption, Inflation, Deflation, Klimawandel, Flüchtlings-Krisen, Krisen, Krisen, über all dem schwebt der Untergang durch Corona. Es ist eine Art Krieg der Hysterie gegen den Verstand. Worthülsen, Satzpatronen, Begriffspanzer über alle Kanäle durch algorithmische Waffen verschossen, in Stellung gebracht. Täglich wird das Leben der Menschen durch diese Waffen immer mehr zerstört bis alles in tausend Stücken am Boden liegt.

Ich warte noch bis zum 20. März 2022. Vielleicht ist dann die Hysterie abgeflaut und man kann sich mit klarem Kopf und ohne Druck gegen irgendein Virus entspannt impfen lassen.

Vielleicht ist dann aber schon die nächste Hysteriestufe erreicht.

 

Update. Es ist Ende November 2021.

Ungeimpfte in Österreich sind eingesperrt, nur lebensnotwendiges dürfen sie verrichten und zur Arbeit gehen. Lockdown für zwanzig Tage beschlossen. Ab Februar Impfpflicht.

Nun wird einem ganz anders.

Auch in Deutschland ziehen die Maßnahmen wieder an. Nur Geimpfte dürfen am öffentlichen Leben teilnehmen. Es steht die dritte Impfung an, für die über Sechzigjährigen, kurze Zeit später heißt es, sollen alle ab achtzehn zum dritten Mal geimpft werden. Kinder ab fünf und ab elf Jahren werden in Israel geimpft. Es wird immer lauter, dass die Impfung auch ein Verfallsdatum bekommt. Sechs Monate, dann wieder impfen.

Ich habe Glück, dass ich beruflich in kein Büro muss. Ins Büro kann man nur noch geimpft und mit Schnelltest, den man daheim macht und ihn dann am Empfang vorzeigt. Oder einen vor Ort, je nach Unternehmen. Wieso machen die das eigentlich alles so bedenkenlos und glatt mit? Zwangsarbeit hat noch nie ein gutes Ende gehabt.

Menschen die angesteckt waren und nun genesen und wahrscheinlich auch immun gegen das Virus sind, will ich hier nicht Genesene nennen. Es gibt sie nicht. Nach sechs Monaten gilt die amtlich festgestellte Infektion und Rekonvaleszenz nicht mehr. Warum gilt die Immunität dann nicht mehr? So wie ich es gelernt habe, ist der Körper immun gegen eine schon durchgemachte Infektion mit einem Virus. Bei der Influenza, die ständig mutiert, wird das Immunsystem auch immer wieder auf die Probe gestellt. Und es gewinnt in den meisten Fällen. Kranke und Alte sind da eher anfällig für schwere Verläufe. Wie bei Corona.

Ich habe seit meinem siebenten Lebensjahr das Herpesvirus. Ein Quälgeist seinesgleichen. Ich merke in der Zwischenzeit genau, wann er sich ankündigt. Mit erhöhter Temperatur und dem Kribbeln auf den Lippen. Auch ein mutierendes Virus. Es gibt keine Impfung gegen das Herpes simplex Virus. Jahrzehntelang konnte man kein wirksames Mittel entwickeln.

Ok, Covid ist in manchen Fällen tödlich. Vielleicht ist deswegen alles so schnell gegangen. Ein mutierendes Virus. Wie Herpes Simplex. Ich frage mich: wird nun auch jemand einen Impfstoff gegen dieses Virus entwickeln. Oder ist es profitabler nutzlose Lippenbalsame und andere wirkungslose Mittel herzustellen?

Für Corona war das Mittel fünf Monate nach Ausbruch in China weltweit verfügbar. In milliardenfachen Dosen. Und zwar ein gänzlich neu entwickeltes, genetisch manipuliertes RNA-Vakzin. Was auch immer das ist, die zwei Unternehmen, die es entwickelt haben, BioNtech und Moderna, wussten schon sehr früh, was zu tun ist. Man muss sich nur ihre Jahresabschlussberichte anschauen. BionNTech Form 20F für das Jahr 2019 (Bericht eingereicht Ende März), Moderna Form 424B5 eingereicht 22.2.2020, an die SEC.
Ich finde es sehr bemerkenswert, dass dort bereits der Begriff Covid-19 (bei Moderna 2019-nCoV) benutzt wird, obwohl Covid 19 erst im Februar 2020 offiziell auftaucht.
Zudem wurden beide von der Bill und Belinda Gates Stiftung mit erheblichen Summen bedacht. Zwar für andere Forschungen, aber eine gute Nase hat der alte Bill. Außerdem sind  beide Unternehmen zeitnah 2020 an die amerikanische Börse gegangen. Das heißt: zwischen der Bekanntmachung des neuen Erregers durch die Chinesischen Behörden im Dezember 2019 und der präklinischen Testphase für ein Covid 19 Medikament sind wie viele Monate vergangen? Keiner? Oder haben BionTech und Moderna ganz schnell noch das Medikament in die Berichte hineingepfuscht, um beim großen Reibach mitzumachen? Die Russen und Chinesen haben klassische Vektorimpfstoffe gegen Corona eingesetzt. Vielleicht werden diese in der EU und den USA deshalb nicht zugelassen?

Um uns herum sind immer mehr Menschen positiv-  meist junge Menschen, schallt  es aus den Lautsprechern. Geimpft, doppelt. Trotzdem infizieren sie sich, sind nach einem Schnelltest positiv, dann mit einem PCR Test negativ, oder auch positiv. Verläufe meist glimpflich. Ältere kommen in Krankenhäuser, ungeimpfte, geimpfte, doppelgeimpfte. Ist dieses Vakzine überhaupt gegen Corona wirksam, oder ist das schnelle Zustandekommen des Impfstoffs einfach ein Betrug?
Auf einmal heißt es, die Wirkung lässt nach sechs Monaten nach, obwohl es am Anfang der Verabreichung hieß, zwei Mal impfen, und man ist vor schweren Verläufen geschützt und auch nicht ansteckend, selbst wenn man sich das Virus doch irgendwie einfängt. Jetzt soll man eine dritte Impfung bekommen. Und Pfizer erklärt schon das es jährliche Impfungen geben soll, oder halbjährliche. Da muss ich mir doch noch mal die Geschäftsberichte, von den handelnden Unternehmen Biontech, Pfizer, Moderna, Johnson Johnsen, Astra Zeneca usw. genauer anschauen,  und herausfinden, wer da sein Geld drin hat.

Die etablierten Medien, die vom Staat gespeist werden, die öffentlich-rechtlichen sozusagen objektiven, unabhängigen, faktenbasierten (komischerweise gibt es diese Art von Informationsvermittlung in jedem Staat, ob demokratisch oder diktatorisch), und das Spiegelbild, die sogenannten alternativen Medien, die dagegen halten, sind zwei Seiten einer Medaille. Das meiste ist gequirlte Scheiße von plappernden Pappfiguren, indoktriniert, von der einen wie von der anderen Seite. Mir das anzueignen geht mir gegen den Verstand.

Wozu der Druck durch den Staat? Es ist wahrscheinlich der Griff zur allumfassenden Macht durch einige über das Prekariat. Und die Mitläufer, die sich in Sicherheit wiegen und im Glauben sind, noch zur sogenannten Mittelschicht zu gehören, werden eines Morgens aufwachen und merken, dass sie auch nur inflationäres Lumpenproletariat sind.

Mal macht eine Nomenklatura einen Schritt vor (wie Frankreich, jetzt Österreich), dann eine andere, (Deutschland, Niederlande) und dann wieder eine neue Maßnahme und das Karussell des Zwangs dreht sich weiter, immer schneller.

Der Gegendruck in mir nimmt zu, anstatt, abzunehmen.

Die allgemeine Impfpflicht soll kommen!

Ich schreibe einen Kommentar an Sahra Wagenknecht:
Was gegen eine allgemeine, auch sektorale Impfpflicht spricht: Das Coronavirus mutiert und die jetzige Vakzine schützen bei dieser Mutation anscheinend nicht oder nur noch wenig. Im April, Mai, soll ein angepasster Stoff kommen.
Bei einer Impfpflicht sind dann alle verpflichtet, sich diese oder die vorherigen Vakzine spritzen zu lassen.

Angenommen, später im Jahr entwickelt sich eine weitere Mutation, die wiederum nicht mehr von dem angepassten Vakzin abgedeckt wird, was sehr wahrscheinlich ist, müssen wir uns also wieder anpassen, erneut alle durchimpfen. Verpflichtend. Gehen wir dann ins Jahr 23 oder 24. Durch die mehrfach vollkommen durchgeimpfte Bevölkerung, gibt es:

– keine Coronaviren und wir sind alle wieder frei von Symptomen, dann haben alle alles richtig gemacht.

– eine, oder mehrerer angepasste Vakzinen für die mutierenden Viren, die jedoch eine immer kürzere Schutzzeit bieten. Impfungen erfolgen in Quartals-, Monats- oder Wochenfrist.

– eine Coronavirusmutation, die resistent gegen jeglichen Impfstoff ist und ein neues Vakzin ist nicht in Sicht.

Was ist dann z. Bsp. mit Menschen, die von außerhalb des Impflichtgebietes kommen? Fallen die gleich tot um? Oder dürfen die gar nicht mehr rein, ohne den gleichen Impfverlauf zu haben, wie die Bevölkerung des Impfpflichtgebietes? Oder ist dann sogar der Binnenverkehr eingeschränkt weil ein Gebiet einen anderen Mutationsverlauf hat, als ein anderes.

Und was ist mit denen, die aus dem Impfpflichtgebiet berufsbedingt  oder in den Urlaub außerhalb des Impfpflichtgebietes reisen wollen? Werden die dorthin dürfen, wenn sie Virenmutationen in sich tragen, die die dortige Bevölkerung infizieren könnte, weil diese nicht so umfangreich geimpft ist?

Und was ist z. Bsp. mit Schwangeren? Bekommen die Föten im Mutterleib schon einen Impfcocktail, um bei der Geburt nicht gleich zu kollabieren?

Auch diejenigen, die jetzt geimpft sind, auch schon zum dritten Mal, sollten die Impfpflicht nicht vorschnell befürworten. Denn auch sie werden ja immer wieder geimpft werden müssen, mit immer angepassteren Vakzinen in immer kürzeren Abständen.

Wo soll das hinführen?

Ist ein natürlicher Verlauf der Infizierung nicht doch der bessere Weg? Mit den allseits bekannten Maßnahmen, der Hygiene und des Abstandes? Die, die sich impfen lassen wollen, lassen sich impfen, die dies nicht möchten, eben nicht. Beide halten sich an die Regeln, ohne gemaßregelt zu werden.  Das Virus hat wahrscheinlich keinen Drang so zu mutieren, dass es gefährlicher wird. Und das menschliche Abwehrsystem wird das Virus mit der Zeit an seinen Körper assimilieren und unschädlich für schwere Verläufe machen. Es ist nicht möglich einen 100prozentigen Schutz für 100 Prozent der Bevölkerung aufrechtzuerhalten, geschweige denn mit einer verpflichtenden Impfung zu garantieren.

 

Update Janur 2022

  1. Dezember 2021, meinen Ersttermin zur Impfung habe ich verschoben. Ich kann nicht, alles in mir sträubt sich gegen diese Impfung.

Am 12. Januar versuche ich es mit dem nächsten Termin. Am 11.Januar früh morgens sage ich ab.

Omikron ist nun die Variante, die die Welt bewegt. Jedenfalls die Medien. Viele, sehr viele Ansteckungen. Novak Djokovic ist ungeimpft zu den Australien Open eingereist, mit Attest, das ihm bescheinigt, dass er im Dezember infiziert war. Er wird in Quarantäne gesteckt, geht vor Gericht, gewinnt. Man weiß noch nicht ob er teilnehmen darf oder aus Australien (das die schärfsten Maßnahmen fährt  ausreisen muss. Die Medien sind unverhohlen serbophob, die Kommmentare der lechzenden Horde, möchte ich gar nicht kommentieren.

Die Infektionszahlen werden in noch nie dagewesenen Höhen hochgerechnet. Die Einweisungen spiegeln dies nicht wieder, die schweren Fälle auf Intensivstationen auch nicht. Trotzdem wird die Panikschraube weiter gedreht.

Anscheinend regt sich Wiederstand. Montagsspaziergänge bekommen immer mehr Zulauf. Samstage auch. In Wien sind anscheinend hundertausende samstags im Protest. Dort soll die Impfpflicht im Februar für alle gelten.

In Deutschland wird im März entschieden. Stand Januar 2022

Update April 2024

Das ConornaVirus ist kein Thema mehr. Obwohl immer noch Tests zu kaufen sind und hier und da mal eine Meldung der alternativen Medien, die fordern, dass Corona aufgearbeitet werden soll. RKI-Files bestätigen, dass viele zu Recht skeptisch waren. Zu wenige wohl. Die Verursacher der Hysterie und der dadurch ausgelösten Ungerechtigkeit, um nicht zu sagen der Zerstörung und Atomisierung der gesamten Gesellschaft, sollen sich verantworten. Werden sie wohl nicht, zu viele. Wird so weltweit sein, nicht nur in Deutschland.

Aber das alles ist unaufgearbeitete Geschichte.

Weiter geht es nun mit alten Unterdrückungsmitteln: Krieg, Angst, Geldentwertung, Vermögensverschiebung von unten nach oben.

In der Zwischenzeit ist die Welt total verrückt geworden. Krieg: Russland gegen Ukraine, Slaven gegen Slaven! Krieg: Israel gegen Palästina, was auch immer die einen gegen die anderen haben. Weitere Krisenherde ziehen am Horizont herauf. Mal sehen, ob nochmal ein Update von hier kommt oder alles mal wieder in Schutt und Asche liegt. Die Zeit ist gekommen, um sich von hier zu verabschieden. Meine Schwester zieht im Mai weg. Wir warten noch. Unser Fluchtort ist vorhanden, voll ausgestattet und fern jeglicher möglicher Kriegshandlungen. Auch wenn der Krisenherd Kosovo keine fünfzig Kilometer weit entfernt ist. Nicht mal im 2.Weltkrieg ist dort jemand feindliches vorbeigekommen.

Man ist ratlos, sprachlos.

 

 

 

 

Flucht vor Gefühlen

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Was war los damals?

Löcknitz, 3. April 2024

Liebe Nora,

eine interessante Frage stellst du da. Hätte ich die Hochzeitseinladung ganz unbeschwert annehmen können, wenn der Bräutigam nicht „gewarnt“ hätte, dass ich dort auf diesen Ausgrenzer treffen würde? Ich glaube, wenn er mich nicht darauf aufmerksam gemacht hätte, was ich eigentlich ganz blickig finde, dann hätte ich das noch ein bisschen im Grauen lassen können.

Weißt du, ich denke, am meisten erschrocken hat mich gar nicht, dass er mich „gewarnt hat, sondern die Feststellung, dass ich ja ein (das) Problem habe. Dss war mit einem Mal so auf dem Tablett. Also: Ich habe das Problem. Ich! Keine Rede davon, dass wir alle ein Problem haben. Das erschreckt mich total. Das geht unheimlich tief rein. Ich glaube, dahinter steckt das Thema, nicht gesehen zu werden – oder – falsch gesehen zu werden.
Ich empfinde es als eine Wahnsinnslast, dass ich diejenige bin, die dieses Corona-Spaltungs-Ding auf dem Tisch hat, es für die anderen auch noch mittrage. Denn die haben kein Thema (mehr) damit.

Ich merke, dass dieses Thema, wenn ich es mir nicht ansehe und für mich kläre, nach wie vor da ist und bleiben wird. Das verschwindet nicht einfach. Für die anderen offenbar schon.

Aber um auf deine Frage zurückzukommen: wenn mein Bekannter, der Bräutigam nichts gesagt hätte, hätte ich sehr wohl darüber nachgedacht, auf wen ich dort wohl treffen werde und wäre vermutlich zum gleichen Schluss gekommen: nämlich, dass ich nicht dorthin fahren möchte, wo ein Haufen von den bösen Ausgrenzern rumhüpft.

Tja Nora, das ist ein Thema, das mich ratlos macht.

Aber wenn ich ganz ehrlich bin, Nora, habe ich absolut keinen Bock zu Festen zu gehen und meine Lebensfreude mit Menschen zu teilen, mit denen ich nicht teilen will, mit Menschen, die ausgegrenzt haben – nicht nur mich, sondern alle anderen auch. Weil die zugelassen haben und ich nicht weiß, was die noch zugelassen hätten.
Es ist verrückt, aber ich bin gerade dabei, Menschen zu enthronen, die ich in meinen Herzen getragen und mit irgendwelchen Ausreden in mir selbst geschützt habe. Haben die sich schützend vor mich gestellt? NEIN!
Scheiß Thema!

In spüre eine Ohnmacht … Vielleicht sollte ich direkt auf den einen oder anderen zugehen, fragen: Was war los damals? Ich begreife das nicht. Wir müssen ja nicht unbedingt wieder Freunde werden, aber ich will verstehen … Jetzt, da ich das schreibe, meldet sich in mir Lebendigkeit, da komme ich aus diesem Fluchtmodus raus. Denn eigentlich flüchte ich ja. Vor meinen eigenen Gefühlen.

Wie ist das bei dir, liebe Nora?

Danke nochmal für deine Frage. Und den Kontakt zu dieser Therapeutin. Wir haben telefoniert, ich habe einen Termin und bin sehr gespannt.

Emma.

 

 

Gefährlich geschichtsblind

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Wer ist hier eigentlich naiv?

Berlin, 01. April 2024

Liebe Nora,

es bleibt dabei, ich versuche über Facebook weiterhin Menschen zum Nachdenken zu bewegen. Ich weiß nicht, ob das etwas bringt. Aber gibt es eine andere Möglichkeit?
Außer natürlich noch zu demonstrieren …

Ich schicke dir mal meinen heutigen Post:

Durch Spitzenpolitiker und Medien wurden die Teilnehmer an den Ostermärschen als naiv abgestempelt. Ich war Teilnehmer des Berliner Ostermarsches. Das war und ist eine bewusste Entscheidung für aktive Friedensdiplomatie.
Naiv heißt kindlich und einfältig.
Hinter meiner wohlbedachten Entscheidung liegen Lebenserfahrungen, die besagen, dass Hochrüstung die Welt nicht friedlicher gemacht, sondern immer näher an den atomaren Abgrund gebracht hat. Trotz oder besser wegen Hochrüstung und ungehemmter Waffenexporte gibt es weltweit unkalkulierbare Kriege. Auf den Ostermärschen wurde unter anderem die Forderung bekräftigt, keine Taurus Marschflugkörper an die Ukraine zu liefern. Laut ARD-Deutschlandtrend sind 61 Prozent der Bundesbürger gegen die Lieferung von Taurus Marschflugkörpern an die Ukraine. Sind diese 61 Prozent, frage ich nun, naiv? Laut MDR-Meinungsumfrage gehen 77 Prozent der Befragten die diplomatischen Friedensbemühungen nicht weit genug. Sind diese 77 Prozent naiv?
Wer entscheidet wer naiv ist?
Diejenigen, die Kriegshysterie schüren sind nicht naiv, sondern gefährlich geschichtsblind.

LG, dein Jo-Papa.

Wo ist die Jugend? Wo sind die Studenten?

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Die starke Hand der VerFührung

Schwedt, 1. April 2024

Liebe Nora,

beim Berliner Ostermarsch am Samstag kam ich mit einem Studenten ins Gespräch. Er hatte seine kleine Tochter auf den Schultern, und ich habe mit ihr geschäkert. Der Student erzählte etwas verzweifelt und traurig über das große Desinteresse, die große Abwesenheit seiner Kommilitonen bei solchen Demos für den Frieden. Als einer der Redner von der großen Menschenmenge sprach, die hier und heute für den Frieden zusammengekommen sei, lachte er ganz bitter auf. Zu Recht. Wir waren zweieinhalb- , maximal dreitausend Leute. Die meisten jenseits der fünfzig, eher noch der sechzig.

Wo ist die Jugend? Wo sind die Studenten?
Wie war das früher?
Ich dachte immer Universitäten seien Schmelztiegel für Veränderung.

Wie war das zu deiner Zeit, Nora? Du hast doch auch studiert. Seid ihr auf die Straße gegangen? Wofür? Wogegen?

Unlängst habe ich mal wieder „Die Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann gesehen. Ich fand es immer einen ganz großartigen Film. Jetzt allerdings habe ich mal geschaut, wann der gedreht worden ist. 1944, mitten im zweiten Weltkrieg. Über junge Menschen, Primaner, den Schalk im Nacken, aber dennoch irgendwie angepasst. Im wirklichen Leben gab es solche Primaner schon lange nicht mehr, sie wurden alle an der Front verheizt.
Abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen, die dem Drill der Hitlerjugend entwachsen und müde, zunächst unpolitisch über moderne amerikanische Musik als „Edelweißpiraten“ aufbegehrten, nach mehrfach gewalttätigen Razzien des Staates allerdings zunehmend politisch bewusster und engagierter wurden. Aber was konnten sie groß tun?! Du kennst die Geschichte, sogar das Verteilen von Flugblättern wurde mit dem Tode bestraft. Studentenrevolte war  kaum möglich, aber partiell sehr wohl vorhanden.

In den 1968 er Jahren, also vierundzwanzig Jahre, sprich, nur eine Generation später, schienen die studentische Herzen zu brennen, sie entflammten  Autos, besetzten genau jene Häuser, die zwanzig Jahre zuvor von britischen Bomben verschont geblieben waren. Sie schliefen auf schmuddeligen Matratzen auf den Böden der Zimmerecken – viele nackte Körper miteinander verschlungen, wie ein gordischer Knoten. Vernebelt und mit viel Woodstock im Kopf wolltenn sie alles ganz anders machen als die Generation ihrer Eltern. Gespaltene Studentengruppen schwankten zwischen echter politischer Rebellion, echter altnazivertreibender Radikalität, philosophischer Findung und freier Liebe für alle. Gegen die Väter und gegen den Staat –  das „Wie“, war einfach egal, Hauptsache anders. Antiautoritär war der grenzenlose, radikale, missglückte Versuch, es ohne Doktrin besser machen zu wollen.
Immens war das Aufbegehren gegen Kriege wie zum Bespiel in Vietnam. Das (studentische) Denken hatte sich durch den Betrug an ihrer Jugend und durch die Gewalttätigkeit eines Krieges verändert.

Studenten heute im Jahre 2024 sind irgendwie anders, sind kuschelweich, aufgewachsen mit einer Nintendo, einer X-Box oder Playstation als Babysitter. Politische Auseinandersetzungen finden, so meine Wahrnehmung, nicht mehr statt. Oder nur noch bunt geschmückt  in den eigenen vier Wänden. Oder wenn sie es dann doch auf die Straße schaffen, mit Transparenten und Parolen, die der Staat an Häuserwänden bereitgestellt hat, also mit „modernem Sponsoring“.

Inzwischen lässt man sich als Student vom Staat nicht nur vollfinanzieren, sondern auch gerne von der Regierung zur richtigen Einstellung bekehren, statt selbige in Frage zu stellen und ggf. gegen sie aufzubegehren. In einen gesunden verbalen Austausch mit anderen, nicht studierenden Menschen, mit Bauern, Arbeitern oder Großeltern zu treten, ist wenig zeitgemäß – Schwurbelei eben.
Studenten heute sind unverkäuflich käuflich und  stehen selbstüberbewusst Hand in Hand mit Vater Staat, anstatt seinen unfassbaren Mief zu vertreiben. Muttersprache und Biologie wird sinnfrei veräußert, liegt am Boden der Tauschbörse, wird billig verramscht. Was erlaubt, verboten, als gut oder falsch gilt oder künftig gelten darf, bestimmen Schreihälse, die verlernt haben, zuzuhören. Oder Experten.
Studenten heute bauen mit an einem Überwachungsstaat, der das „Böse“ um sie herum überwachen, zensieren und verbieten soll. Dazu gehören allerdings nicht die pädagogisch wertvollen Masturbationsräume für 1-6jährige Babys und Kleinkinder in Kindertagesstätten, sehr wohl aber deren Eltern, wenn sie das für psychisch krank halten. Wer heute behauptet, dass es in Flora und Fauna das Männliche und das Weibliche gibt, wird angeschrien, wer eine Friedensfahne für den Frieden in der Welt schwenkt oder sich gegen Waffenlieferungen stellt, bekommt die geballte Wut junger Menschen zu spüren, die ganz genau wissen, was richtig und was falsch ist.
Studenten-Revolte in den Universitäten von heute hat den Charakter von Charakterlosigkeit, ist nicht vorhanden und sehnt sich wieder nach einer starken Hand der VerFührung, ohne zu bemerken, dass  diese längst gereicht wurde.

Damals, wie heute, Ausnahmen bestätigen glücklicherweise wie immer im Leben die Regel, wollen Studenten solche Zusammenhänge allgemein nicht erkennen, viel zu beschäftigt leben sie im Kult. Auch hier Gruppenzwang. Das Beurteilen Andersdenkender nimmt viel Zeit und Raum in Anspruch. Studenten-Revolte heute bringt keine Veränderung. Sie steckt im Hohlraum eines trojanischen Pferdes fest, dessen Ausgang von irgendjemandem von außen, wie von innen zugenagelt worden ist.

Nora, ich musste mir Luft machen. Und du sammelst ja … Vielleicht ist mein Exkurs in der Rückschau mal wichtig.

Grüß mir den Jo-Papa!

Paul.

 

Das ist Wahnsinn!

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Entrüstet euch!

Berlin, 30. März 2024

Liebe Nora,
wie sich in diesen Zeiten engagieren? Ich bin gerade erst wieder zur Tür rein und habe mich sofort an den PC gesetzt und folgenden kleinen Text auf Facebook gepostet.
Ich weiß nicht, ob es was bringt, aber wir sollten nichts unversucht lassen.
In der Hoffnung auf eine friedliche Zukunft,
Dein Jo-Papa.

 

Ich bin eben zurück vom Berliner Ostermarsch. Mein persönliches Motto lautet: ENTRÜSTET euch, bevor es zu spät ist.
Ein Thema der Redner war der Zusammenhang zwischen Rüstung und Sozialabbau. Aufgegriffen wurden darin u.a. die Gedanken von Boris Pistorius, der kürzlich laut über den Rüstungsetat gemessen am Bruttoinlandsprodukt nachdachte und verlautbarte: “Über drei Prozent sind denkbar”.  Darüber hinaus sagte er, die zwei Prozent, die beschlossen worden sind, seien lediglich die Untergrenze gewesen. Inzwischen wären “sich alle bewusst, dass das nur der Ausgangspunkt sein kann, weil wir mehr brauchen”.

Wie bitte? – Zwei Prozent “können nur der Anfang sein”. Vielleicht würden in Zukunft “drei oder dreieinhalb Prozent” benötigen.
Drei bis  dreieinhalb Prozent  – das wären jährlich 104 bis 121 Mrd. Euro Rüstungsausgaben. Gegenüber heute würde das eine zusätzliche Erhöhung der Investition in die Rüstung um jährlich 28 bis 48 Mrd Euro bedeuten.
Wenn Pistorius sagt, dass sich alle (!) bewusst sind, dass zwei Prozent nicht ausreichen, ignoriert er diejenigen, die das völlig anders sehen. Abgesehen davon, dass das Wahnsinn ist, wird verschwiegen, dass das alles nur durch drastische Kürzungen der Sozialausgaben (Gesundheit, Bildung, Renten, …) realisiert werden kann.
Rüstung birgt also nicht nur unkalkulierbare äußere Eskalationsgefahren sondern ebenso unkalkulierbare Gefahren für den inneren Frieden.
ICH WILL FRIEDENSDIPLOMATIE unter Einbeziehung aller Beteiligten – also auch Russlands!  JETZT!
Friedensdiplomatie heißt: Berücksichtigung der (Sicherheits-) Interessen aller Beteiligten, heißt also Bereitschaft zu Kompromissen aller Beteiligten, namentlich der Ukrainer UND der Russen.

 

Lest, was Jo-Papa zuletzt schrieb.

 

Frieden wird es erst geben…

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… wenn wir die Kriege in uns selbst beenden

Bernau, 25. März 2024

Liebe Nora,

ich verfolge deinen Briefwechsel sehr intensiv und finde ihn wirklich gut. Deshalb springe ich jetzt auch mitten hinein und schreibe dir, was mir dazu durch den Kopf geht.
Als erstes kommt mir die Frage: Warum lassen wir uns überhaupt spalten? Gilt es nicht, viel eher zu schauen: Was uns verbindet? Was wir gemeinsam haben? Warum agieren wir gegeneinander?
Das ist doch genau so gewollt.
Überall herrscht Krieg, überall heißt es: Du bist doof und ich weiß Bescheid.
Da ertappe ich mich immer wieder selbst – wir alle müssen darauf achtgeben, nicht der Versuchung zu erliegen, es besser wissen zu wollen als die anderen, sondern uns ehrlich begegnen, einander zuhören, sich in den anderen einfühlen – wie heißt es schön: „einfach“ mal die Perspektive wechseln. Wenn es so einfach wäre. Aber eigentlich ist es das. Und spannend darüber hinaus auch noch. Horizont erweiternd.

Wenn wir wirklich wollen, dass die Kriege im Außen aufhören, müssen wir erst einmal die Kriege in uns besänftigen, beenden – müssen uns in uns selbst begegnen, ganz ehrlich, als Mutter, als Frau, als Partnerin, als Kollegin, als Tochter, als Schwester, als Mann, als Vater, als Sohn, als Lehrer, als – alles, was uns einfällt?

Frieden wird es nur und erst dann geben, wenn wir in Liebe sind.
Daran arbeite ich gerade.
Machst du mit?

Liebe Grüße,
Maxie.

Die Spaltung ist immer noch da!

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Wie damit umgehen?

Leipzig, 23. März 2024

Liebe Emma,

man o man, einen Therapeuten, dafür, dass wir ausgegrenzt worden sind. Was für ein Schwanz. Und der Wahnsinn geht ja weiter. Auf so vielen verschiedenen Ebenen.
Aber das Fass will ich heute gar nicht aufmachen. Ich bin gerade zur Buchmesse und genieße meinen kleinen Kasten, an dem es (fast) nur um Bücher geht.
Es ist total schön, nach 2019 endlich wieder hier und dabei zu sein, ich bin sehr erfüllt, heute an Tag drei aber auch sehr erschöpft und müde, deshalb antworte ich nur kurz:
Was mir durch den Kopf ging, als ich deine Nachricht las, war die Frage, wie du wohl reagiert hättest, wenn dein Bekannter, dich einfach nur eingeladen hätte  – ohne den ergänzenden Kommentar. Hättest du im Kopf gehabt, dass bei dieser Hochzeit Leute sein könnten, die geschwiegen und ausgegrenzt haben? Und wäre das für dich ein Problem gewesen? Oder ist es für dich erst durch die Bemerkung, dass auch Menschen eingeladen sind, mit denen du – wegen Corona – ein Problem hättest, zum Problem geworden? Für mich fühlt es sich so an, als sei dadurch erst die Spaltung wieder aufgemacht worden.
Hier und auch bei vielen anderen Veranstaltungen treffe ich immer wieder auf Menschen, die während Corona anders tickten als du und ich. Wenn es in Richtung dieses Themas geht, versuche ich ins Gespräch zu kommen. Ich finde es spannend, die anderen Ansichten zu hören, mache aber auch meine klar. Bisher bin ich damit gut gefahren.
Aber meistens bzw. für die meisten scheint Corona weit weg zu sein, kein Thema mehr. Da ertappe ich mich, für mich ist es ein Thema und ich glaube, ein feines Gespür dafür zu haben, wer damals mit uns war und wer die Schweiger waren oder noch mehr…
Wie damit umgehen? Reden! Ich versuche es – auch über diesen Blog.
Schreib´ mir gerne weiter.
Und eine gute Therapeutin weiß ich wirklich – ich schicke dir ihren Kontakt übers Handy.
Sei ganz herzlich umarmt,
Nora.

 

Noras Antwort auf Emmas Brief vom 20. März 2024

Frieden durch Demokratie

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Versprechen Demokratien automatisch Frieden?

Berlin, 23. März 2024

Meine beste Nora,

anbei sende ich dir eine Mail, die ich an Sophie gesandt habe. Sicher interessiert dich das auch.
Liebste Grüße von Jo-Papa.

______________________________________

Guten Morgen meine liebe Sophie,

dein lieber Opa kann nicht anders und will dich wieder teilhaben lassen an dem, was ihn unverändert bewegt – die aktuellen politischen Fragen. Du kennst mich gut genug, um zu wissen, dass ich dabei nicht nur an der Oberfläche bleibe, sondern dass ich versuche, die Ursachen dafür zu ergründen, warum etwas so läuft wie es läuft. Aktuell habe ich mich etwas mit Fragen der Demokratie beschäftigt.
Der “liberale Westen” versteht die Demokratien westlicher Ausprägung ja als Heilsbringer dieser Welt. Westliche Demokratien machen ihr Demokratieverständnis an formalen Kriterien wie freien Wahlen, Meinungsfreiheit, Gewaltenteilung, … fest. Das sind sicher “hohe Güter”, aber sie haben nicht dazu geführt, dass diese Welt friedlicher und friedfertiger geworden ist.
Innerhalb der westlichen Demokratien sind die Gesellschaften tief gespalten und zwischen Völkern gibt es weltweit Kriege. Das wirft die Frage auf, warum formale Demokratie nicht automatisch inneren und äußeren Frieden bedingen. Mit dieser Frage hat sich u.a. Frau Prof. Ulrike Guérot in einem Vortrag befasst, der mich sehr bewegt hat.
Anbei sende ich dir diesen Vortrag (der gut 45 Minuten lang ist, ggf. hörst du ihn dir erst ab Minute 16 an). Ulrike Guérot kommt zu dem Schluss, dass es nicht ausreicht, Demokratie ausschließlich nach den o.g. formalen Kriterien zu beurteilen, sondern dass das Funktionieren von Demokratien (und damit auch die Stabilität von Gesellschaften) ebenso von sozialen und ökonomischen Kriterien abhängt. Ich stimme mit ihr überein:

  1. a) Demokratien scheitern nicht an formalen Kriterien (freie Wahlen, Meinungsfreiheit, Gewaltenteilung ect.), sondern an sozialen und ökonomischen Ungleichheiten
  2. b) Demokratien schaffen nicht automatisch inneren und äußeren Frieden.

Vielleicht hast du ja Lust und Muße dir diesen Vortrag von Frau Guérot (die ich sehr schätze) anzuhören: Frieden durch Demokratie – Ulrike Guérot – YouTube.

Ich drücke dich,
dein Opapa.

 

Lest, was Jo-Papa zuletzt schrieb.

 

“Blinddarm der Gesellschaft”

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Coronas langer Schwanz

Löcknitz, 20.März 2024

Liebe Nora,

wir haben lange nichts voneinander gehört. Oder zumindest DU nichts von mir. Seit November schon liegt dein neuer Fragebogen auf meinem Schreibtisch. Das heißt, inzwischen ist er in die Schublade gewandert. Erst war ich richtig euphorisch, wollte mich unbedingt beteiligen, aber dann konnte ich nicht. Dieser ganze Corona-Wahnsinn wiegt so schwer, ist immer noch präsent. Jedenfalls in mir. Manchmal taucht er ein wenig ab, aber dann ploppt er wieder nach oben und drückt und schmerzt. Diese Corona-Sache hat einfach einen noch viel längeren Schwanz als ich jemals vermutet habe.
Vorgestern wurde ich zur Hochzeit eines Freundes eingeladen, den ich sehr lange kenne und mag. Dieser Freund kam extra vorbei, um mich persönlich einzuladen, aber auch, um mir mitzuteilen, dass ein gemeinsamer Bekannter kommen wird, von dem, so sagte mein Freund, er ja wüsste, dass ich mit diesem ein Problem habe. – Natürlich wegen Corona. –
Nora, mir ruckte das Herz und schüttelte sich. „Nein“, sagte ich, „ ich habe kein Problem mit ihm, ich habe ein Problem damit, wie er sich verhält.“
Das war vor zwei Tagen. Seitdem bin ich total unruhig und merke, wie tiefgreifend diese Coronaausgrenzung für mich war und wie ich immer noch aufräume. Gerade sind die Schweiger dran, die alles haben geschehen lassen. Verrückt.
Ich glaube, ich kann nicht zu dieser Hochzeit gehen. Ich kann nicht mit Menschen feiern, die so ausgrenzend waren. Nicht nur mir gegenüber. Die das zugelassen haben – „Blinddarm der Gesellschaft“ und all diese Scheiße, die wir uns anhören mussten und “Bitte kauft nicht bei …” – du weißt schon.
Ich glaube, ich brauche da richtig Hilfe. Kennst du jemanden, einen Coach, einen Therapeuten, mit dem ich über dieses Thema sprechen kann? Es ist so tiefgreifend.

Ich danke dir,
liebe Grüße,
Emma.

Gespräche über´n Gartenzaun

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Doppelmoralität

Pinnow, 17. März 2024

Liebe Suse,

das (Ver)Urteilen geht weiter.
Gestern Abend schnappte ich über den Gartenzaun, ich saß gemütlich am Feuer, ein Gespräch zweier Nachbarn auf. Der eine, der Vorsitzende unseres „Alten Gemeindehaus“-Vereins erzählte, dass er sich mit der, für unsere Kirche zuständigen, Pastorin getroffen habe und die habe ihm von einem Pfarrer erzählte, Pfarrer Thomas Dietz, der ein Riesenärgernis für die Kirche in der Uckermark sei.
Suse, Pfarrer Dietz ist „mein“ Pfarrer, mein Held und inzwischen ein guter Freund. Er hat mir und so vielen Menschen hier im Umkreis mit seinem Rückgrat Halt gegeben, um halbwegs ungebrochen durch die CoronaZeit zu kommen und gibt ihn noch immer – Corona scheint vorbei, tatsächlich haben sich die Spielfelder ja bloß verlagert, erweitert, erweitern sich täglich weiter…
Seit dem 15. Januar 2021 – ich weiß den Tag noch genau, es war Katharinas Geburtstag – holt Pfarrer Dietz Referenten in seine Kirche, die meist kritisch auf all das, was um uns herum und mit uns geschieht, schauen. Eugen Drewermann war da, Hans-Joachim Maaz, Peter Hahne, René Schlott, Stefan Homburg, Michael Meyen, Thomas-Michael Seibert, Dirk Oschmann, Alexander Christ, zu Neujahr spielte Andrej Hermlin – sie alle geben mir Futter für Geist und Seele.
Und dann höre ich über den Gartenzaun – ja, was höre ich, ist das nur Tratsch? Oder üble Nachrede? Gar Hetze?
Meine Ohren wurden lang und länger, aber das Feuer war zu laut. Mit einer Harke in der Hand (zur Tarnung) pirschte ich näher. Das bekamen die beiden, sie waren so im Gespräch, gar nicht mit. Zweimal noch hörte ich Thomas´ Namen, doch dann ging das Gespräch in eine andere Richtung.
Wahrscheinlich war es gut so. Ich hätte mich nur aufgeregt.
Ich rege mich auf! Umso mehr, als eben jener Vorsitzende zwei Stunden später den Verteiler des Alten Gemeindehauses – wie inzwischen mehrfach für seine eigene politische Meinung/Mission – missbrauchte, um zu einer Demo gegen Rassismus und für Demokratie aufzurufen. Beim letzten Mal, schrieb er noch dazu, habe er zwölf oder dreizehn Personen aus Pinnow gesehen. Es wird also registriert, wer dabei war.
Schade, dass diese Demo dieses Mal nicht unter dem Slogan „gegen Hass und Hetze“ firmiert. Das hätte irgendwie noch besser in mein Bild dieser woken Doppelmoralität gepasst.
Du merkst, ich rege mich immer noch auf.
Mir kommt die Idee, mal hier direkt in Pinnow eine „Demo für den Frieden“ zu organisieren – ich bin mir sicher, die beiden wären nicht dabei. Oder doch? Am Rande, als Gegenprotestanten mit der Forderung nach Waffenlieferungen in die Ukraine?
Verzeih mir meine Ironie, Satire, Häme – ich bin es so satt.
Hast du inzwischen mit Kristina gesprochen?

Liebe Grüße, Nora.

PS: Vergangene Woche lief beim Kontrafunk ein, mir wieder Kraft gebendes, Interview mit Pfarrer Dietz. Ich schicke dir mal den Link zum Reinhorchen. https://kontrafunk.radio/de/sendung-nachhoeren/lebenswelten/gesellschaft-3-0/gesellschaft-3-0-mit-pfarrer-thomas-dietz

Stimmabgabe an der Wahl-Urne

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Morgen ist auch noch ein Tag

 

Schwedt, 15. März 2024

Liebe Nora,

ich kann nicht schlafen. Muss schreibend verdauen, was ich heute erlebt habe. Vielleicht bewegt es dich ähnlich wie mich.

 

Morgen ist auch noch ein Tag

Blumen, violette Krokusse in einem kleinen Ensemble, ich habe sie selbst ausgegraben und in ein altes Weinglas gestellt. Mitsamt der Erde, in der sie eben noch am Ufer wuchsen, stehen sie nun auf dem Tisch in der Küche am Fenster. Die Sonne strahlt – endlich einen ganzen Tag lang.                                                                      Anna kommt nach Hause, in der Hand hält sie eine gelbe Rose, ich kürze die Rose und stelle sie in eine winzige Flasche und neben das Weinglas. Anna lächelt, es ist Frauentag.

Am Abend gehen wir ins Kino, beschwingt. Zum Empfang gibt es ein Glas Sekt. Mit uns beiden sind es vier Frauen und zwei Männer die sich diesen Film anschauen wollen. Es ist Frauentag!

Der Film beginnt mit einer gutaussehenden italienischen Frau mittleren Alters, die an einem sonnigen Morgen neben ihrem italienischen Mann in Schwarz-Weiß erwacht. Sie begrüßt ihn liebevoll im Bett und er begrüßt sie liebevoll mit einem derben Schlag ins Gesicht.
Sie ist Mutter von zwei Söhnen und einer großen Tochter, kümmert sich um alle und alles und bezieht nebenbei, Prügel von ihrem Mann.
Es ist Frauentag, allerdings nicht im Film.
In einer späteren Szene trifft ein Bekannter aus Kindertagen eben diese Frau. Er liebt sie, hat sie schon immer geliebt und legt ihr in dieser anmutigen Szene sein Herz zu Füßen. Er möchte mit ihr durchbrennen. Sie mag ihn sehr.
In letzter Minute, nach langem Zögern, ringt sie sich durch, flieht aus dem Haus, eilt zum Bahnhof ihn zu treffen, will mit ihm durchbrennen und gemeinsam mit ihm ein neues Leben beginnen.
Zusammen mit hunderten anderen Menschen drängelt sie sich – untermalt von dramatischer Musik – in das Bahnhofsgebäude. Doch anstatt vor dem Geliebten und dem Zug nach Nirgendwo in ein neues Leben, in ein neues Glück, steht sie plötzlich vor einer Urne.
Einer Urne?
Einer WAHL- Urne.
Genau an jenem Tag, an dem die Frau aus ihrem alten Leben fliehen will, dürfen in Italien Frauen zum ersten Mal wählen.
Der Brief,  den die Hauptdarstellerin in einer vorherigen Szene erhielt und der sie zum Bahnhof trieb,  war nicht von ihrem Geliebten, nein es war die Wahlbenachrichtigung! Die Frau rannte und drängelte, um endlich und zum ersten Mal in ihrem Leben zu wählen.
Ich weiß nicht, welche Partei sie wählte, aber sie wählte! Und genau und nur darum ging es. Nicht um den Geliebten.                                                                                                                                                              Alle Frauen um sie herum sind fröhlich, ausgelassen und  – sie wählen. Zum ersten Mal werden Sie nach ihrer Stimme gefragt. Welch neue Freiheit.
Sie geben ihre Stimme. Und WERFEN SIE IN EINE URNE. Beerdigen sie.
Doch das merken sie nicht. Bis heute merken sie, merken wir es nicht!
Der Geliebte ist fort. Und die Frau wird nach Hause kehren und weiter täglich Schmerz und Selbstverachtung ertragen.
Sie hatte nur eine Wahl, sie hat sie genutzt. Aber wie? Viva!

Der Vorhang fällt. Ich löse mich nur langsam aus meiner Schockstarre. Im Kino bleibt es dunkel, niemand schaltet das Licht ein – nicht nur ich bin erstarrt. Halbblind wanken wir sechs Zuschauer zum Ausgang, treten fassungslos nach draußen in die Nacht. Ich bin komplett desorientiert, habe keine Ahnung, wo es nun hingehen soll. Ich schaue Anna an, sie greift meine Hand. Gegenüber die Uhr zeigt, es sind noch zwei Stunden bis Mitternacht, noch zwei Stunden, dann ist dieser Tag vorbei, dieser Abend, dieser Frauentag. Am Küchenfenster zu Hause, steht noch immer die gelbe Rose neben den Krokussen in einem Glas für Wein.
Ich könnte weinen.
Welcher Tag ist morgen noch gleich?

 

Es grüßt dich, noch immer tief bewegt
Paul.

PS: Ich habe gehadert, ob ich dir meine Schilderung wirklich schicken oder lieber für mich behalten soll. Aber du sagst ja, du willst Gedanken vom Heute sammeln für morgen. Das sind meine Gedanken – metaphorisch verpackt. Anders geht’s gerade nicht.

 

 

Gegen das Vergessen

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Wißt ihr noch, was am 15. März 2022 los war?

 

Ihr lieben Alle,

wißt ihr noch, was heute vor zwei Jahren los war?
Ich wüsste es nicht, wenn ich damals nicht Tagebuch geführt hätte. Sechs Monate lang von Oktober 2021 bis März 2022 – Tagebuch
einer  VER-RÜCKTEN Zeit. Im März gingen mir schon die Kräfte aus. Da gab es nur noch vier Einträge. Der vorletzte ist vom 15. März 2022.

……………………………………….

15. März 2022

Heute ist der lange Zeit gefürchtete Tag. Der 15. März. Ab heute soll die Impfpflicht für alle im Gesundheitswesen Beschäftigten gelten. Ich bin so froh, dass uns, also Jens, dieses Thema dank seines / unseres Genesenenstatus´ vorerst nicht mehr unmittelbar bedroht.
Voreerst. Denn ab morgen wird im Bundestag über die allgemeine Impfpflicht ab Oktober verhandelt.
Bekommt das überhaupt jemand mit (außer uns Impfunwilligen)?
In den Medien ist Corona in den „Untergrund“ gerückt. Die Inzidenz steigt weiter. In Brandenburg steht die KlinikAmpel angeblich auf Rot. Deshalb wird Brandenburg weiter an allen Regeln festhalten.
Es ist alles so durchschaubar. Wie schon wieder alles aufgebaut. Heimlich, hinter den Kriegsschlagzeilen.

In einem Telefonat versorgte mich Hartmut mit den neuesten Neuigkeiten aus der Corona-Klatschszene:
Heute Morgen Anruf von der ehemaligen Chefbuchhalterin eines Staatsgutes: „Hartmut, du musst mir helfen! Ich sitze in Karlshagen auf Usedom fest. Ich bin in der Reha  und positiv getestet Ich muss hier raus, aber mein Mann lässt mich positiv getestet nicht ins Haus. Ich weiß nicht, wo ich hin soll… Nun zieht sie morgen in unser Wanderhaus ein und kann dort erst einmal für eine Woche bleiben.
  Kaum aufgelegt, klingelt es wieder. Professor M., 86 Jahre, wohnhaft in einem Schloss in Polen, ist wegen Herzschwäche in Pasewalk im Krankenhaus, wird entlassen, ist aber während der Behandlung positiv getestet worden. Jetzt fährt ihn kein Taxiunternehmen nach Hause, weil das Krankenhaus das Taxiunternehmen informiert hat, dass er positiv getestet war. Er war ratlos, wie sollte er nach Hause kommen? Unser Seniorenbesuchsdienst hat ihn erst einmal nach Penkun gebracht und von dort hat ihn ein Pole abgeholt und nach Hause gefahren.
  Ein paar Minuten später klingelt die Hausmutter unseres Alterswohnhauses. Dort wohnt eine ältere Dame, die mich – Corona-Aufmüpfigen – angezeigt hat, weil ich verhindert habe, dass im Haus die Maskenpflicht durchgesetzt wird. Inzwischen, das erzählte mir die Hausmutter, hat sie so viele Impfnebenwirkungen, dass der Arzt nicht anders konnte, als ihr zu bestätigen, dass all ihre Symptome Folgen der Impfung sind.

Impfnebenwirkungen – auch meine neue Zahnärztin erzählt mir von den vielen Impfnebenwirkungen, die sie in ihrer Praxis sieht. Am meisten erschreckte sie eine 19-jährige Abiturientin, die beim letzten Besuch im vergangenen Jahr vor Tatendrang strotzte und nach dem Abi erst einmal die Welt bereisen wollte. Kurz vor Weihnachten ließ sie sich impfen. Ein paar Tage später erlitt sie eine Lungenembolie. Nun ist sie nicht mehr dieselbe. Alle zwei Wochen muss sie in ärztliche Behandlung und immer wird mit neuen Medikamenten experimentiert. Bislang ohne Erfolg.
Bei drei Patienten hat die Sehkraft enorm nachgelassen.
Hemiparese, Muskelzittern, Herzstechen…
Notfallsanitäter von der benachbarten Feuerwache bestätigen ihr, dass sie seit Beginn der Impfungen wesentlich öfter im Einsatz sind.

Ich habe einen Apfelbaum gepflanzt. Einen Hasenkopf.
Außerdem sprießt es auf meinen Permakulturbeeten. Am Samstag bauen wir ein Gewächshaus auf.
Ich sehe schon unsere Bienenwiese.

…………………………………..

Wenn wir denken, Corona sei vor bei, liegen wir, m.E. gründlich falsch, Corona war nur der Anfang. Und wir haben schon wieder so viel vergessen.
Ich will festhalten, notieren, damit wir eines Tages aufarbeiten können.
Ihr seid nach wie vor eingeladen, euch zu beteiligen.

Liebe Grüße,
Nora.

 

Wind of Change

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Oder sind es einfach nur die Wechseljahre?

Berlin, 10. März 2024

Liebe Nori,

seit gestern plagt mich (d)ein Ohrwurm. Die Scorpions sind echt nicht meine Mugge, aber sie sitzen fest – Wind of change.
Unser Gespräch ist mir noch lange nachgegangen, immer mehr Menschen erzählen mir, dass auch sie das Gefühl haben, dass sich die Welt seit Corona anders dreht, dass sie irgendwie windiger geworden ist. Dass du das so siehst, ist klar, aber mich um herum, werden es immer mehr Leute, die das auch so wahrnehmen.
Beim Einschlafen kam mir dann plötzlich die Idee, dass es vielleicht gar nicht an der Welt liegt, sondern an unserem Alter, in dem  ja auch die meisten meiner Freunde und Bekannten sind und damit in genauso einer persönlichen Wandlungsphase, nennen wir das Kind beim Namen – den Wechseljahren – wie du und ich.
Daher finde ich es echt schwer einzuordnen, was ins Innen und was ins Außen gehört, was nur mit mir und was tatsächlich mit der Welt um mich herum zu tun hat, von wo der Faden kommt…
Allerdings merke ich sehr, dass die Menschen irgendwie verändert sind und Dinge anders kommunizieren. Ich kann das gar nicht genauer benennen, nehme es aber in allen Sphären wahr. Die Menschen sind so ganz anders als noch vor vier, fünf Jahren.
Merkst du das auch ? Liegt es an uns, an unserem Alter, an den Wechseljahren – ist die Wandlung nur unsere ganz persönliche? Oder wird tatsächlich die Welt immer windiger? Und unangenehmer?
Was meinst du?

Fragt dein kleines Schwesterlein.
Ich hab dich lieb,
Kathi.

 

 

Das Leben ist schön

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Orkan of Change

Pinnow, 9. März 2024

Liebe Hella,

wie geht es mir?
Mein Grundtenor ist: Das Leben ist schön.
Bei all den Sturmböen, die uns  regelmäßig drohen, umzuschmeißen.
Heute scheint die Sonne, aber in mir ist es schwer. Solche Tage gibt es. Zum Glück überwiegen meist die anderen. Aber auch heute bin ich gewillt, noch das Beste aus dem Tag zu holen. Mein Rücken reißt, als wenn alle Muskeln zu kurz wären – nun liege ich und schreibe aus dem Bett, das beruhigt mein Gedankenkarussell und der Rücken wird sich entspannen.
Seit Tagen ohrwurmen die Scorpions mit ihrem „Wind of Change“ in meinem Kopf. Es ist nicht nur ein Wind, es ist ein Sturm, wenn nicht gar ein Orkan. Du schreibst es:
Plötzlich ist rechts links und oben ist unten und innen ist außen. Eine Frau ist ein Mann, ein Mädchen ein Junge, ein Mann eine Frau und ein Junge ein Mädchen.
Lügen sind Wahrheit und das Schöne ist Hässlichkeit. Und Krieg?, sollte der jetzt der neue Frieden sein?
Ich frage mich genau wie du, was passiert hier? Und dann noch auf allen Ebenen. Von überall höre ich, dass es kracht es, in den Familien, in den Schulen, in den Firmen, in der Kirche – Umbruch, Wandel, Transformation. Wohin? Ins Gute oder ins Schlechte? Ins Licht oder ins Dunkel?
Das Kriegsgeheul wird immer lauter. Irgendwann habe ich Jens einmal gefragt, was er tun würde, wenn hier ein Krieg ausbräche? Weißt du, was er gesagt hat? Er würde sein Vaterland verteidigen. Wer zum Teufel ist dieses Vaterland?

Kürzlich habe ich ein Interview mit einem ukrainischen oder russischen, ich weiß es nicht mehr, Soldaten gelesen, der als Drohnenpilot Bomben abwirft. Dieser Soldat sagte über seinen mörderischen Job: „Es ist, als würde man ein Computerspiel spielen“. Hella, da töten Söhne von Müttern, Söhne anderer Mütter und über die Bomben auch gleich noch die Mütter und Großmütter  und Kinder …
Ich sehe es wie du, dem können wir nur mit Liebe im Herzen begegnen. Aber so viele Herzen sind vergiftet. Oder ummauert, vereist… Nicht im Frieden mit sich selbst. Ich glaube, das ist das Hauptproblem, nicht im Frieden mit sich selbst zu sein, nicht zu wissen, wer man eigentlich ist, was man will …
Ich will Frieden. Meinen kleinen und den ganz großen.
Liebe Hella, ich mache mit in deinem Kreis!
Und schreibe weiter für diesen Frieden.

Ich danke dir und umarme dich,
Nora.

 

Wieder wollen die Rechten den Krieg. Ich will Frieden!

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Frieden gibt es nur mit Liebe im Herzen

Berlin, 6. März 2024

Liebe Nora,

anbindend an Hannelores Idee, sich nur noch mit den schönen Dingen des Lebens zu befassen, frage ich dich:  Wie geht es dir? Was sind die schönen Dinge in deinem Leben?

Corona ist Geschichte, da sollte das Leben doch nur noch schön sein.
Doch meins ist es nicht. Denn alles, was in den Coronajahren als Fake bezeichnet wurde, entpuppt sich heute als Realität und die uns vorgegaukelte Realität als Fake.
Plötzlich ist rechts links und oben ist unten und innen ist außen. Eine Frau ist ein Mann, ein Mädchen ein Junge, ein Mann eine Frau und ein Junge ein Mädchen.
Lügen sind Wahrheit und das Schöne ist Hässlichkeit. Und Krieg?, sollte der jetzt der neue Frieden sein?
Nora, alles ist schlimmer als es vorher war, viel mehr Menschen sterben. Warum? Was geschieht mit uns?

Ich hatte keine Angst vor Corona, obwohl ich wusste, dass es gefährlich ist und wir noch keinen Schutz dagegen hatten. Ich wusste auch, dass die Impfung ein Experiment ist und uns nicht schützt. All das fand ich heftig, ich war wütend, aber ich ahnte nicht, was die wirkliche Bedrohung sein würde.

Jetzt erscheint es düster am Himmel, durch die vielen Opfer des Krieges, sowohl in der Ukraine als auch in Russland. Hinzu kommt der Völkermord an den Palästinensern. Es fällt mir wie Schuppen von den Augen – haben wir die Masken für den Notfall getragen, für den Fall, das jetzt tatsächlich nukleare Waffen eingesetzt werden? Mussten wir in unseren Häusern sitzen, um Gehorsamkeit zu üben?

Wer tut das mit uns?

Liebe Nora, das sind die Fragen, die mich umtreiben. Ich könnte weinen über die Boshaftigkeit gegenüber der Menschheit. In Deutschland haben wir nur noch rechte Parteien. Und eine linke: Das Bündnis Sahra Wagenknecht – mit nur fünf Prozent Wählern.

Wieder wollen die Rechten den Krieg.

Ich will Frieden!

Und den gibt es nur ohne Waffen. Den gibt es nur mit Liebe im Herzen. Mein Herz aber weint, weil wir so armselig sind und hilflos gegenüber der Skrupellosigkeit all derer, die das vergessen haben.

Wir, die wir leben und lieben lernen wollen, sind viele. Warum lassen wir zu, dass die anderen uns bestimmen? Das habe ich schon als Kind nicht verstanden. Schon mit sieben Jahre wusste ich: Ich mache da nicht mit!
Ich werde nicht skrupellos grausam und verachtend werden und sein. Ich werde wachsam sein und mich in den Tugenden der Integrität üben. Die größte dieser Tugenden ist die Liebe.
Heute mit 71 Jahren weiß und kann ich das besser als mit sieben Jahren.
Darum hoffe ich, dass am Ende alles gut wird. Und so lange es noch nicht gut ist, kann und darf es noch nicht das Ende sein.

Lasst uns alle, die das lesen (Nora, ich gehe davon aus, dass du diesen Brief veröffentlichen wirst) für Frieden sein! Lasst uns vorstellen, dass wir als Menschheitsfamilie einen großen Kreis bilden und uns an den Händen fassen und uns gegenseitig die Kraft geben, zu lieben – uns selbst und unseren nächsten. Das wäre ein schönes Experiment, eines, das uns vor dem Bösen schützt.

Liebe Nora, das alles bewegt derzeit mein Herz und mein Hirn. Und in diesem Sinne übe ich mich weiter in der Liebe und beschäftige mich dadurch mit den schönen Dingen des Lebens. Mach doch einfach mit!!!

Ich drücke dich ganz herzlich,
deine Hella.

“Wir werden einander viel verzeihen müssen” – Jens Spahn, 22. Oktober 2022

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Es braucht eine Aufarbeitung und viel Toleranz

Pinnow, 4. März 2024

Liebe Suse,

mein Schreibtisch ist rappeldicke voll, deshalb konnte ich dir bisher auch nur kurz per sms mitteilen, dass ich deine Frage absolut berechtigt finde. Nun will ich dir noch etwas ausführlicher darauf antworten.
Ich habe, wie ich dir schon schrieb, Kristinas Bemerkungen oder richtiger wäre es wohl, es Einteilungen zu nennen, mitbekommen. Im Nachhinein habe ich mich auch gefragt, ob ich nicht hätte intervenieren sollen und habe mich geärgert, dass ich es nicht getan habe. Jedenfalls nicht in dem Moment. Denn bei anderen Gelegenheiten habe ich sie bereits darauf angesprochen, allerdings immer erst im Nachhinein.
Kristina ist auch nicht die einzige, in meinem Freundeskreis, die so lauthals unterscheidet zwischen Menschen, die in Sachen Corona so denken, wie sie und ich und eben den anderen. Heute Morgen schickte mir meine Freundin Miriam eine Sprachnachricht – heute Abend gehen wir zusammen mit zwei von Miriams Bekannten zu einer Lesung ins Café. In ihrer Nachricht bereitete mich Miriam darauf vor, dass einer der beiden zwar geimpft, aber dennoch ein ganz toller sei.
Deine Mail im Hinterkopf dachte ich darüber nach, warum sie das tut, wofür das wichtig ist und mir fiel eine Situation ein, da war es wirklich wichtig. Es ging um ein Praktikum für Clara, diesen Platz musste sie unbedingt bekommen, du weißt, sie ging eine Zeit lang (u.a. wegen ihrer depressiven Coronaverstimmung,) nicht zur Schule. Um das zu legitimieren brauchten wir dieses Langzeitpraktikum. Der Praktikumsverantwortliche testete uns zum Auftakt mit einer (un)verfänglichen Plauderei, erfragte durch die Hintertür unseren Blick auf den Osten und auch auf Corona – da war es gut, bereits im Vorfeld zu wissen, wie er tickte, dass er auf beides anders schaute als wir (wobei Clara zu Ost-West gar kein Verhältnis hat) und ich diese heiklen Themen geschickt umschiffen konnte. In diesem Moment wollte ich einfach keine Konfrontation und keine Diskussion bei der es um richtig und falsch ging.

Ansonsten bin ich grundsätzlich frei raus mit meinem Denken. Und bisher meistens ganz gut damit gefahren. Ich glaube, nur so kann der Austausch gelingen, indem wir offen sind. Deshalb überlege ich auch, ob es nicht das Beste gewesen wäre, wenn du Kristina auf dein Unbehagen angesprochen hättest. Ich glaube, genau das braucht es.

Wenn ich weiter in mich reinhorche, merke ich, dass ich Kristinas und Miriams Verhalten aber auch nachvollziehen kann. Ganz in mir drin, erwische ich mich selbst dabei, dass ich mich frage, wie schaut der, wie schaut die gerade in die Welt? Und in dieses Gerade spielt Corona immer noch enorm hinein.
Wie zum Beispiel, das male ich mir manchmal aus, wird es sein, wenn ich einen Mann kennenlerne, der mir auf den ersten Eindruck hin gefällt? Für mich ist es absolut wichtig, zu wissen und zwar schnell, wie der auf all das, was in Zusammenhang mit Corona geschehen ist, schaut. Und auch, ob er geimpft ist. Meines Erachtens ist Corona noch lange nicht vorbei – da ist ein ähnlicher Blick, eine ähnliche Haltung für mich immens vordergründig.
Hinzu kommen die Ausgrenzung und der Schmerz, die Kristina, Miriam und ich während der CoronaZeit erfahren haben. Vermutlich kannst du das gar nicht nachvollziehen? Und ganz ehrlich frage ich mich, ob du das Ausmaß dessen eigentlich mitbekommen hast? Ich erinnere mich noch an ein Telefonat, in dem du mir stolz erzähltest, dass du mit deinem Impfpass wedelnd in die Alle-Arkaden spaziert bist. Schon in dem Moment fragte ich mich, ob dir eigentlich bewusst ist, dass ich dort nicht reinspazieren darf. Wie auch in keinen anderen Laden (von Supermärkten abgesehen), in kein Theater, in kein Restaurant und kein Café.

Ja liebe Suse, es braucht unbedingt eine Aufarbeitung und enorm viel Toleranz. Wir müssen darüber reden. Deshalb finde ich deine Frage wichtig. Trau dich, sprich Kristina an. Wolltest du dir nicht eh die Haare von ihr schneiden lassen? J

Fühl dich umarmt,
Nora.

 

 

 

Der Austausch wächst

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DAS will doch kein Mensch mehr hören

Schwedt, 28. Februar 2024

Liebe Nora, das will doch kein Mensch mehr hören – ich kann ihn förmlich sehen, den stillen Ausruf in den Köpfen der meisten Menschen, wenn das Thema Corona auftaucht. Sie haben recht damit, aber warum? Für mich liegt das auf der Hand. Corona hat uns alle überfordert.

Vor vier Jahren fragtest du Hannelore: “…jetzt über Corona schreiben, hältst du das für eine gute Idee? Wofür? Was willst du damit? Ich bin ein bisschen vorsichtig geworden. Es ist nicht mehr ganz einfach, offen seine Meinung zu sagen.”

Vor vier Jahren war diese Äußerung hoch brisant und heute ist sie es immer noch, sogar um einiges brisanter.
Wir kennen das vom Wachstum. Ein Kind, ein junger Baum, beide können nicht immer nur in die Höhe wachsen. Irgendwann ist Schluss damit. Genauso ist es in der Wirtschaft, auch wenn den Menschen seit dem “Wirtschaftswunder” im Westen und den Ostdeutschen nach der Wende immer etwas anderes eingeredet, eingebläut worden ist – immer weiter, immer höher, immer schneller. Nein! Aber ich will beim Thema bleiben. Fest steht, nichts wächst ewig in die Höhe, alles findet irgendwann seine natürliche Grenze.
So ist es auch mit der Wut und der Hilflosigkeit, die sich seit Corona breit gemacht haben. Selbst für die Gleichgültigkeit trifft das zu. Irgendwann ist eine Grenze erreicht – entweder in Form einer Implosion (die ist vielfach zu erleben – um wieviel ist die Depressionsrate gestiegen?) oder einer Explosion und die ist gefährlich, denn sie könnte sich vielleicht nicht kontrollierbar selbstständig machen.
Auf die Stunde Null, so nenne ich sie jetzt mal, die Stunde, die mit Corona begann, folgten aus “heiterem Himmel” immer neue Ereignisse. Mehr noch, eins löste das nächste ab, überholte das letzte und vorletzte und alle überrollten uns und überrollen immer weiter. Corona, die Ukraine, Nordstream, Palästina, der Jemen. Was kommt als Nächstes? Ganz abgesehen von unserer Innenpolitik.
Als Beobachter könnte man ein System dahinter vermuten. Vermuten klingt besser als Theorie und System besser als Verschwörung. Vielleicht wird man sich später einmal sagen: “Sieh an, einige wollten, andere konnten den Plan dahinter nicht erkennen. Viele wurden von Wenigen darauf hingewiesen aber die sahen weg und glaubten nur, was in ihrer Zeitung stand”.

Will man Corona aufarbeiten, muss man all das im Zusammenhang sehen. Die Zeiten in denen man sich zweimal überlegt, was oder wie man es sagt, sind seit Corona nicht vorbei, sondern sind gefährlich gewachsen. Meinungsfreiheit läuft Gefahr ein verbotenes Wort zu werden, ebenso wie das Wort Wahrheit. Und dass der Mensch all dessen überdrüssig wird, ist normal.
Damit die Menschen ins Sehen, ins Verstehen und schließlich ins Handeln kommen, denke ich, müssten sich die Verschnaufpausen-Intervalle weiter dramatisch verkürzen, müsste noch schneller überrollt und die Maße des Erträglichen überschritten werden.
Aber die Aufklärung ist so unglaublich zähflüssig, dass sich Kant oder Lessing, würden sie heute leben, vor Ungeduld vermutlich schon die Fingernägel bis zum Handgelenk abgebissen hätten.
Nora, meines Erachtens steht sehr viel, wenn nicht sogar alles auf dem Spiel. Corona-Überforderung, Medienüberflutung hin oder her, man muss sich beschäftigen und das System hinter allem erkennen. Wir müssen das große Ganze betrachten und uns nicht in Details verlieren. Die Erkenntnisse müssen unermüdlich kommuniziert und diskutiert werden. Mit diesem offenen Brief für deinen Blog fange ich damit mal an.
Beste Grüße, Paul.

 

Jo-Papa ist müde

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Vom Kampf gegen Windmühlen

Berlin, 26.2.2024

Liebe Nora,

Eigentlich bin ich müde gegen die Windmühlen dieser kaputten Welt anzugehen. Ja ich war vorgestern (24.2.24) auf der Friedensdemo vor dem Bundeskanzleramt, so wie ich seit  Jahren auf nahezu allen Friedensdemos in Berlin war. Krieg oder Frieden – das ist für mich die existentielle Frage der Menschheit. Wir stehen nur ein paar Schritte vor dem Abgrund und mit der, durch die Regierungspolitik und durch große Teile der Medien entfachten, Kriegshysterie nähern wir uns diesem Abgrund bedenklich. Da du diesen Briefwechsel auch als Zeitdokument ansiehst, möchte ich in Erinnerung rufen:

  • Die Außenministerin Annalena Baerbock sagte Anfang  2023 vor der Parlamentarischen Versammlung des Europarats in Straßburg: „Ja … wir kämpfen einen Krieg gegen Russland“

 

  • Der Verteidigungsminister fordert „Wir müssen kriegstüchtig werden“

 

  • Die FDP Politikerin und Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages Agnes Strack-Zimmermann rief kürzlich auf „Zusammen bis zum Sieg“

 

  • Der CDU-Politiker und Mitglied des Deutschen Bundestages Roderich Kiesewetter forderte vor ein paar Tagen „Der Krieg muss nach Russland getragen werden“.

 

Wo sind in Deutschland die Politiker geblieben, die sich nicht für den Krieg, sondern für den Frieden verantwortlich fühlen?
Wo sind die Politiker geblieben, die wie seinerzeit Helmut Schmidt nach dem Maxime handeln  „Lieber 100 Stunden umsonst verhandeln als eine Minute schießen“?
Wo sind die Politiker geblieben, die sich wie Altbundeskanzler Gerhard Schröder  während des völkerrechtswidrigen Irakkrieges der USA 2003, dem Drängen der USA widersetzen und sich nicht an Kriegen beteiligen?
Ich rufe übrigens in Erinnerung, dass die USA diesen Krieg mit einer Lüge über angeblich existierende Massenvernichtungswaffen, die es nie gab,  begründeten. Meine Skepsis gegenüber der USA-Politik resultiert u. a. aus dieser Lüge, denn wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Ich jedenfalls glaube den USA nicht.

Statt Kriegshysterie wünsche ich mir Friedensdiplomatie. Friedensdiplomatie setzt allerdings voraus, dass man diese elendige Schwarzweißmalerei, mit der sowohl die Politiker als auch die Mainstreammedien agieren (und manipulieren),  überwindet und hinterfragt, ob man selbst tatsächlich dem Reich des Guten angehört  und man die Russen zurecht im Reich des Bösen ansiedelt.

Wie nur soll dieser gordische Knoten des „Gut und Böse Denkens“ überwunden werden?

Die Russen sehen sich nicht als das Reich des Bösen, wohl aber sieht der Westen das so.
Der Westen sieht sich als das Reich des Guten. Die Russen sehen das ganz anders.
Was hilft?
Helfen tut da wohl nur ein Blickwechsel, wenigstens der Versuch, sich in die Sichtweise des jeweils anderen zu versetzen.

Ich übe es permanent.
Momentan lese ich ein Buch von Valentin Falin. Falin war in den 1970-er Jahren sowjetischer Botschafter in Bonn. Mit Blick auf den 2. Weltkrieg und mit Blick auf seine Familiengeschichte schreibt er: „Zählt man die Angehörigen meiner Frau hinzu, ergibt sich, dass von den 27 Millionen sowjetischer Bürger, die der Hitler-Invasion zum Opfer fielen, 27 Menschen mit mir verwandt oder verschwägert waren.“
27 tote Familienangehörige infolge des barbarischen Angriffskrieges Hitlerdeutschlands auf Russland – welch ein Trauma. Aus diesen Erfahrungen heraus und aus vielen Nachkriegsereignissen erwuchs das russische Sicherheitsbedürfnis.
Die NATO hat mit ihrer Osterweiterung dieses historisch bedingte Sicherheitsbedürfnis der Russen sträflich ignoriert. Die Russen haben mit ihrer Geschichte einen anderen Blick auf den Westen als dieser auf sich selbst. Das zu ignorieren ist ahistorisch, unverantwortlich und dumm.

Umgekehrt haben insbesondere Polen und die Baltischen Staaten ihren historischen Blick auf die UdSSR und auf die Russen. Ich nenne hier als Beispiel das verbrecherische Massaker der Russen im April 1940 bei dem 4400 polnische Kriegsgefangene erschossen wurden – ein Trauma für die Polen. Aus diesen historischen Erfahrungen resultiert das polnische Sicherheitsbedürfnis gegenüber den Russen.

Solche wechselseitigen Sicherheitsbedürfnisse zu ignorieren und umzuinterpretieren ist gefährlich und zeugt von einer gewollten oder ungewollten Arroganz der Politiker. Ich spreche bewusst davon, dass das Sicherheitsbedürfnis der Russen vorsätzlich in Aggressivität uminterpretiert wird. Pausenlos wird uns erzählt, dass die Russen erst die Ukraine, dann die Baltischen Staaten und dann den Westen angreifen wollen. Für wie blöd und selbstmörderisch hält man die Russen eigentlich.

Leider machen die Russen es einem nicht einfach zwischen Sicherheitsbedürfnis und Aggressivität zu unterscheiden. Ich selbst hätte nie erwartet, dass Russland die Ukraine militärisch angreifen würde. Dieser Krieg Russlands gegen die Ukraine ist ein verbrecherischer Krieg, der durch nichts zu rechtfertigen ist. Er ist aber ein Krieg, für den auch der Westen und die NATO eine Mitverantwortung tragen, weil der Westen und die NATO das historisch bedingte  Sicherheitsbedürfnis Russlands ignorierte.

Ich bin für Friedensverhandlungen statt für Kriegshysterie.

Friedensverhandlungen setzen allerdings die Bereitschaft voraus sich in die Denkweise des jeweils anderen zu versetzen und nach Kompromissen zu suchen. Ohne Kompromisse wird es nicht gehen.

Fehlt diese Bereitschaft zu Kompromissen steuert die Menschheit auf einen 3. atomaren Weltkrieg zu und wird untergehen. Untergehen werden dann auch all diejenigen, die Taurus-Marschflugkörper und Dark Eagle-Hyperschallraketen für die Ukraine fordern. Wer Krieg nach Russland tragen will (Roderich Kiesewetter) wird den Krieg nach Deutschland tragen.

Vielleicht noch folgenden Gedanken, den ich nur anreißen möchte. Deutsche Politiker (u.a. Finanzminister Lindner von der FDP) fordern Deutschland mit immer mehr Rüstungsausgaben kriegstüchtig zu machen. Lindner fordert dazu eine dauerhafte Erhöhung des Rüstungshaushalts und ein mehrjähriges Moratorium bei Sozialausgaben und Subventionen. Kurz er fordert ein Einfrieren der Sozialausgaben, was nichts anderes ist als die Forderung nach Kürzung der Sozialleistungen. Das gefährdet den sozialen Frieden und ist eine – ich formuliere es drastisch- soziale Kriegserklärung.

Beste Grüße an dich

dein Jo-Papa.

Lest, was Jo-Papa zuletzt schrieb.

Geht´s noch Frau Strack-Zimmermann?

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Unser deutsches Leben

Pinnow, 25. Februar 2024

Lieber Jo-Papa,

was ist das denn für ein skurriles Foto, dass du auf Facebook geteilt. Ich bin fassungslos. Unverfrorener kann man ja wohl nicht zum Ausdruck bringen, wohin die Reise gehen soll. „Taurus für die Ukraine – Zusammen bis zum Sieg!“ Geht’s noch Frau Strack-Zimmermann? Papa, wohin geraten wir? Wohin sind wir schon geraten? Mich überläuft ein kalter Schauer.

Gestern sah ich im Schlossparktheater das Stück „Ein deutsches Leben“ – da schallte Göbbels „Wollt ihr den totalen Krieg?“ durch den Saal. Und dann die tausendfache Antwort. Sind wir wieder soweit?
Ich nicht. Ich habe gerade gegoogelt – Frau Strack-Zimmermann hat zwei Söhne – wie kann man als Mutter den Krieg unterstützen? Und – liege ich falsch, wenn ich vermute – sogar wollen?

Unlängst sprach ich mit meiner Freundin Barbara über dieses bevorstehende – oder hat es schon begonnen? – Nato-Manöver „Quadriga“. Barbara hatte noch nichts davon gehört. Ich  sagte ihr, wie schrecklich ich das finde, das größte Manöver seit der Wende und bis direkt an die Grenzen Russlands. Barbara schaut, für mich nicht nachvollziehbar, ganz gelassen darauf, findet es sogar richtig, direkt „an der Grenze des russischen Bären seine Muskeln spielen zu lassen“.

Während  ich hier schreibe, schüttele ich die ganze Zeit den Kopf. Wie blauäugig kann man eigentlich sein? Barbara hat auch einen Sohn. Anders als die Söhne von Straack-Zimmermann würde der im Falle eines Krieges, definitiv kämpfen müssen. Das ist doch so was von verblendet. Warum bekommen die Leute nicht mit, was hier gespielt wird? Wie sie benutzt und manipuliert werden. Die Wehrpflicht steht im Raum. Und danach? Die Mobilmachung. Ohne mich. Aber was können wir tun?
Warst du gestern bei der FriedensDemo in Berlin? Bitte sage mir, dass ganz viele Menschen dort waren, mindestens so viele wie auf den Demos gegen rechts!!! Das wäre ein Hoffnungsschimmer.

Ich hoffe, dass sich auch viele „Ein deutsches Leben“ anschauen. Gestern war das Theater fast ausverkauft. Im Anschluss hätte ich die Zuschauer gerne gefragt, was sie mitgenommen haben – für heute? Das Stück ist so vielschichtig. Es erzählt das Leben von Brunhilde Pomsel, Jahrgang 1911 bzw. Brunhilde Pomsel erzählt selbst, im Alter von 102 Jahren wie sie erst für einen jüdischen Rechtsanwalt und dann als Sekretärin für Joseph Goebbels gearbeitet hat.
Philip Tiedemann, der das Stück inszenierte, sagt u.a.: „Hitler mag tot sein, aber Goebbels lebt! Seine Reinkarnation sehen wir in den USA oder Brasilien, in England und Ungarn, in Russland, in der Türkei… – und in Deutschland?“ Dieter Hallervorden, der Intendant des Theaters spricht ganz deutlich von einer Parallele zur AfD. Meine große Hoffnung ist, dass die Menschen auch die Parallelen zu all dem anderen sehen, das in Deutschland und der ganzen Welt gerade komplett schief läuft – dieses Kriegsgeheul, die Manipulation durch die Medien, die Spracheinengung und was da noch alles läuft. Es ist so viel.

Papa, ich genieße jetzt den Sonntag. Die Sonne scheint. Ich nehme das als gutes Omen.
Wir kämpfen weiter!
Liebe Grüße, deine Nora.

PS: Wer ist eigentlich dieser Urs Dürrkopf, der sich an jedem deiner Facebookeinträge so abarbeitet?

 

 

 

Quelle für das Beitragsfoto: Die ukrainische Abgeordnete Yevheniia Kravchuk postete am 17. Fenruar 2024 auf X (vormals Twitter) ein Foto, auf dem sie neben Strack-Zimmermann zu sehen ist.

 

 

Barbara macht sich ein Bild

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Fragen stellen unerwünscht

Berlin, 21. Februar 2024

Halleluja liebe Nora,
da habe ich ja was losgetreten. So eine harmlose Frage… Ich danke dir für deine Gedanken dazu. Um mir ein umfassendes Bild zu machen und mir dann meine Meinung zu bilden, habe ich dieselbe Frage gestern am Kollegen-Stammtisch aufgeworfen. Da wir sonst meist im Homeoffice arbeiten, hatten wir uns noch nicht dazu ausgetauscht.
Du glaubst es nicht, alle, aber wirklich alle, waren total entrüstet, wie ich es wagen kann, solch eine Frage stellen. Dann habe ich auch noch erzählt, was du mir geantwortet hast. Auweia Nora, du kannst dir nicht vorstellen, was da abging. Keine Sorge, deinen Namen habe ich nicht erwähnt, aber ich habe jetzt echt ein Gefühl dafür, was mit Kontaktschuld gemeint ist. Wenn ich daran denke, kriege ich gleich wieder Schweißausbrüche – die habe ich ja permanent, dieser hier  allerdings hat definitiv nichts mit den Wechseljahren zu tun.
Um irgendwie aus der Sache rauszukommen, habe ich mich aufs Fragen verlegt, ich wollte einfach nachhaken, ich habe ja tatsächlich keine Ahnung. All das, was hier und auf der ganzen Welt gerade abgeht, ist mir echt zu viel, da steigt doch kein Mensch mehr durch.
Aber Fragen sind auch falsch, mir wurde vorgeworfen, die benutze ich doch nur als  Deckmantel, um antidemokratische und menschenverachtende Denkweisen salonfähig zu machen. Wenn ich das jetzt aufschreibe, bleibt mir glatt nochmal die Spucke weg. Ich als Linkswählerin. Irgendwann habe ich die Reißleine gezogen und verkündet, unbedingt selbst auf die nächste Demo zu gehen, schließlich bin ich ganz klar und definitiv gegen Nazis. Aber das eigentlich war ja meine Frage: Geht es wirklich nur gegen Nazis?
Gut, ich werde mir das anschauen. Dann weiß ich mehr. Hast du eine Ahnung, wann und wo die nächste Demo ist?
Wie sich die Situationen wiederholen – weißt du noch, als wir zu Corona und zur Impfung unterschiedliche Meinungen hatten? Damals hattest du mir empfohlen, mir diese Querdenker-Demos anzuschauen, danach war ich wirklich schlauer. Es bleibt spannend.
Liebe Grüße aus der Mittagspause,
Barbara.

 

 

 

Demos gegen rechts – Noras Antwort

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Rechts

Pinnow, 16. Februar 2024

Oh ja liebe Barbara,
ich habe eine Meinung dazu.
Plötzlich rennen sie alle auf die Straße, alle meine „woken“ Nachbarn, die ganze „woke“ Gesellschaft. Meine Sofie war auch mit dabei, meine Schwester, unser halbes Dorf, all unsere Berliner meinen plötzlich hier in der Uckermark Flagge zeigen zu müssen. Aber wo waren sie als die Bauern auf die Straße gegangen sind?
Und gegen wen demonstrieren sie da jetzt eigentlich. Gegen rechts. Wer oder was ist rechts? Werde ich nicht auch als rechts eingestuft? Weil ich der gesellschaftspolitischen Entwicklung seit bald vier Jahren sehr kritisch gegenüberstehe? –  erst als „Coronaleugner“, als „Querdenker“, „Impfverweigerer“, „Covidiot“, „Putinversteher“ – das alles zusammen ergibt doch mindestens rechts.
Wer initiiert diese Demos, die ja wirklich wie Pilze aus dem Boden sprießen? Gegen rechts, gegen Rassismus, gegen die AfD, gegen Hass und Hetze…
Während Corona habe ich u.a. gelernt lieber für etwas als gegen etwas zu sein. Und wenn ich dann auch noch sehe, dass da in vorderster Front Banner getragen werden mit der Aufforderung:  „Tötet Nazis!“, dann graust es mir. Ist das nicht Hetze, ist das nicht Hass? Was passiert da? Warum verschließen so viele Menschen ihre Augen davor?
Und denken dabei, sie wären so wach. Plötzlich wissen sie alle, wie sie sich 1933 verhalten hätten. Aber wissen sie es wirklich?
Wer ist gut? Wer ist böse? Wer entscheidet das?
Wofür stehen diese Demos? Sind sie (vielleicht nicht auch) ein Ablenkungsmanöver? Zum Beispiel von den Bauernprotesten?
Vor zwei Wochen fand in Prenzlau eine Demo gegen rechts statt, morgen die nächste in Angermünde, in Templin gab es eine, in Schwedt.  Über den Verteiler unseres „Alten Gemeindehauses“ werden wir darüber informiert und durch die Blume aufgefordert teilzunehmen „Es wäre schön“, schreibt der Vereinsvorsitzende“, wenn wir uns morgen in Angermünde sehen“. Komisch – zu den Bauernprotesten wollte er mich nicht sehen. Auch nicht als ich für unser Grundgesetz und (in dem Fall) GEGEN die Impfpflicht auf die Straße gegangen bin. Wohl aber als es plötzlich überzählige Impfdosen gab, für die Abnehmer gesucht wurden.

Die Demo morgen in Angermünde richtet sich gegen Hass und Hetze und wirbt für Vielfalt, Toleranz und Miteinander. Immerhin, das finde ich gut, ist sie nicht nur gegen, sondern auch für etwas. Und zwar alles Dinge, für die ich auch stehe. Die ich aber gerade auf diesen Demos vielfach nicht erlebe.

Was mich explizit stört ist dieser Tenor gegen die AfD. Roland Rottenfußer fragt in einem Artikel, der bei Manova erschienen ist und meines Erachtens den Nagel auf den Kopf trifft: „Wird, da nichts mehr für diese Führungsriege spricht, der Hass auf die Opposition und die Angst vor ihr als letzte Karte gezogen, um als Koalition des geringeren Übels mehr schlecht als recht weiterzuwurschteln?“
Warum, so müsste sich die Führungsriege doch fragen, hat die AfD – übrigens eine demokratisch gewählte Partei – so viel Zulauf?
Wen soll man wählen, wenn keine Partei wählbar ist? Wenn uns von allen mehr oder weniger offen ins Gesicht gelogen wird? Für mich gibt es keine Partei, die ich guten Gewissens wählen könnte.

Das liebe Barbara (und noch viel mehr) geht mir dazu durch den Kopf. Was sagst du dazu?

Liebe Grüße,
Nora.

 

 

 

 

PS: Diese beiden Artikel findeich sehr lesenswert: https://www.nachdenkseiten.de/?p=110440
https://www.manova.news/artikel/alles-was-rechts-ist-3.pdf

Denkt die wie wir?

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Corona steht noch immer zwischen uns

Berlin, 14. Februar 2024

Liebe Nora,

ich habe ein wenig Schiss, anzusprechen, was ich dir schreiben möchte, finde es aber wichtig und vertraue darauf, dass du das, was du sagst auch meinst und lebst.
Nach wie vor fand ich unseren freitäglichen Abend mir Rios Irrlichtern im „Peter Edel“ grandios, allerdings gab es für mich auch einen kleinen (großen?) Wermutstropfen. Deine Freundin Kristina, die ich eigentlich total sympathisch finde, ließ mehrfach Bemerkungen fallen, die mir echt sauer aufgestoßen sind. Du kannst dir womöglich denken, was ich meine, obwohl, vielleicht hörst du es gar nicht, weil du dich nicht betroffen fühlst, wenn Kristina fragt (was wie gesagt mehrfach geschehen ist): „Gehört der zu uns?“ oder „Denkt die wie wir?“.
Ich finde das total krass. Mir hat sich sofort alles zusammengezogen. Ich war zwar mit euch unterwegs, hatte eben noch mit euch rumgealbert und fühlte mich im nächsten Moment komplett ausgeschlossen. Zwar war ich nicht gemeint, also ich als Kristina, dennoch fühlte ich mich im Kern getroffen. Diese paar Worte haben eine Front aufgezogen. Das war eine imaginäre Konfrontation. Corona steht noch immer zwischen uns.
Nun frage ich dich: Wie stehst du dazu? Hast du es überhaupt bemerkt?
In banger Erwartung deiner Antwort, grüße ich dich – gewohnt herzlich, Suse.

Demos gegen Rechts

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Hast du eine Meinung dazu?

Berlin, 12. Februar 2024

Hej Nora,

kannst du mir auf die Sprünge helfen? Ich bin total überfordert.  Von überall höre ich, dass Freunde und Bekannte an Demos gegen die AfD teilnehmen. Diese Veranstaltungen scheinen ja wie Pilze aus dem Boden zu sprießen. Hast du eine Meinung dazu? Ich weiß gar nicht, was ich davon halten soll.
Ich danke dir, Barbara.

Es tut zu weh

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Absage

Grieth, 11. Februar 2024

Liebe Nora,

ich habe gerade versucht dich anzurufen. Da ich dich nicht erreiche, schreibe ich dir, was ich dir gerne persönlich mitgeteilt hätte.
Nach wie vor bin ich begeistert von deinen Projekten und finde sie wichtig. Dennoch werde ich mich nicht beteiligen. Ich bin inzwischen siebenundsiebzig und habe beschlossen, mich nur noch mit den schönen Dingen des Lebens zu beschäftigen. Zurückzuschauen wäre zu schmerzhaft, die Wende und unser Ankommen hier waren schwere Zeiten, dorthin zurückzukehren, auch wenn es nur in Gedanken ist, will ich mir nicht antun, das würde zu sehr wehtun.
Ich denke, das wirst du verstehen.
Komm du gut durch diese – auch wieder ver-rückten Zeiten,

liebe Grüße, Hannelore.

Was ist dran an der Überheblichkeit des Westens über den Osten

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Wird es mit einem neuen Thema weitergehen?

Pinnow, 4. Februar 2024

Liebe Hannelore,

jetzt ist es schon wieder Februar. Ich wollte dir doch längst geschrieben haben. Aber mein Leben hält mich auf Trab. Du kennst das. Wird das irgendwann einmal anders? Wenn ich von dir und deinem vielen Tun lese, habe ich nicht den Eindruck. Vielleicht ist das auch gut so.

Erinnerst du dich noch an das Theater am Rand, von dem ich zu Beginn der CoronaZeit geschrieben hatte? Die beiden Intendanten hatten damals einen tollen Weg gefunden, um sich dieser ver-rückten Zeit und ihren unterschiedlichen Auffassungen anzunähern – über die Kunst. Mit einem Stück wollten sie sich und dem Publikum begegnen. „Südliche Autobahn“ von Julio Cortázar . Geschrieben 1966, über einen Stau vor Paris, der Monate dauert. Ich habe es mir geschaut und mich gefragt: Was wollten die Künstler uns damit sagen? Oder vielmehr der Künstler. Es stand nur Thomas Rühmann auf der Bühne. Tobias Morgenstern, der Rühmann und dessen Lesungen sonst immer musikalisch begleitete (oder vielmehr interpretierte) fehlte. Die Musik kam aus der Dose. Das fand ich merkwürdig. Später sickerte durch, dass Corona die beiden  getrennt hatte – die Kunst verband nicht mehr.
Vor zwei Wochen nun las ich das Tobias Morgenstern, dessen Meinungen zum Zeitgeschehen ich teile, das Theater verlassen hat. Das bedauere ich sehr. Denn zuletzt war ich überwiegend zu seinen Veranstaltungen im Theater. Er hatte dort eine tolle Reihe ins Leben gerufen: Freies Wort – Freie Musik.  Philine Conrad, die einige dieser Veranstaltungen moderierte, schrieb einen Abschiedsbrief an Tobias Morgenstern, der in der Berliner Zeitung veröffentlicht wurde.
Philine Conrad ist gebürtige Kölnerin. Im Theater am Rand entdeckte sie einen Teil Deutschlands, der ihr so nicht bekannt war. Und damit bin ich bei meinem Thema und meiner eigentlichen Frage. Aber lies erst mal, was P.C. schreibt:

Zwei Jahre lang habe ich eine sehr wertvolle Reihe moderiert: „Freies Wort – Freie Musik“ im Theater am Rand in Oderaue, Brandenburg. Nicht nur, dass mich der Ort und die Gegend fasziniert haben (die wunderschön ist, mit Kranichen, Störchen und Graureihern – auch habe ich das damalige Fischsterben in der Oder live mitbekommen und die ausbleibende Unterstützung von Behörden und Regierung sowie die Wut der Anwohner über das Alleingelassenwerden; übrigens dieselbe Stimmung wie im Ahrtal damals.)

Es haben mich vor allem die Gespräche und Kamingespräche im Künstlerhaus in einer tiefen, intensiven Form bereichert, erfüllt und geistig erweitern und wachsen lassen. Die Überheblichkeit des Westens über den Osten beziehungsweise der Wessis gegenüber den Ossis war und ist nach wie vor zu spüren, und ich bin jedes Mal sehr bewegt nach Köln zurückgefahren. Denn so bin auch ich aufgewachsen in einem Umfeld: „Die DDR, die schlimme Diktatur, die ungebildeten und etwas dummen Ossis, die nichts von der Welt mitbekommen und daher nur einen begrenzten Horizont haben.“ Ich habe dieses ehemalige, einst andere Land ganz anders kennengelernt. Vor allem die Menschen, das Miteinander und die Reflexion über politische Entwicklungen. Es ist irre, wie kluge, durchdachte, verknüpfende und über den Tellerrand hinausblickende Prognosen und Analysen ich hören durfte. Es hat mich sehr bewegt, geprägt und bereichert.

Was sie schreibt, bewegt nun wieder mich. Rührt mich.
Ich hatte dir von der Lesung erzählt, die ich mit Papa besucht hatte – der Literaturprofessor Dirk Oschmann las aus seinem Buch: Der Osten eine westdeutsche Erfindung. Hast du es inzwischen gelesen? Oder darüber? – Oschmann und sein Buch bekamen in der Presse viel Aufmerksamkeit.
Ich würde mich so gerne mit dir darüber austauschen. Deine Geschichte, dein Zurückschauen, wie war es nach der Wende als Professorin aus dem Osten in den Westen zu gehen? Hast du die „Wiedervereinigung“ als Wiedervereinigung erlebt? Oder als Vereinnahmung? Oder … was gibt es noch? Und wie erlebst du heute nach dreißig Jahren im Ruhrgebiet das Zusammensein?
Liebe Hannelore, das ist so ein wichtiger Teil unserer Geschichte – es wäre toll, wenn du mir davon erzählen würdest, gerne auch in kleinen Happen, immer mal so zwischendurch – falls dich aus Versehen die Langeweile packt oder als Ablenkung in deinem Tun.

Ich tue jetzt aber auch erst mal weiter.
Ganz liebe Grüße,
Nora.

Tiefe Spaltung und ein Hoffnungsschimmer

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Anja Biosch, Logopädin – Januar 2024

Januar 2024

Liebe Frau Mittelstädt,

13. Januar
gerade habe ich die ersten Seiten aus dem” Briefwechsel ” gelesen. Ich werde, so mein erster Eindruck, beim Lesen sehr tapfer sein müssen. Für mich war die CoronaZeit sehr traumatisierend und ist es noch immer. Unsere Familie ist gespalten.
In der ersten Zeit habe ich selbst versucht Tagebuch zu führen, doch schon bald fehlte mir die nötige Kraft und Ausdauer. Nun versuche ich seit ungefähr einem halben Jahr meine Erlebnisse und Gedanken rückblickend niederzuschreiben. Nach ein paar Seiten und den geweckten Erinnerungen jedoch bin ich emotional jedes Mal so angegriffen, dass ich nächtelang kaum richtig schlafen kann. Der Schmerz ist einfach zu groß. Noch habe ich nicht herausgefunden, wie ich einen besseren Umgang mit den Traumata der vergangenen Zeit finden kann.

15. Januar
Auch dieser Brief an Sie will mir nicht in einem Ritt gelingen. Ich merke, wie verwundet ich bin.
Heute nun sitze ich hier und während ich schreibe, höre ich im Hintergrund immer wieder die hupenden Schlepper und Brummis, die zuhauf in die Stadt fahren, um mit ihrem Protest gegen die Zerstörung unserer Landwirtschaft fortzufahren. Als dieser Protest vor einer Woche begann, habe ich meine Praxis geschlossen und bin gemeinsam mit meinen Mitarbeitern zur Demo gegangen. Bei klirrender Kälte haben wir selbstgebackene Pfannkuchen und Kaffe verteilt. Es war ein sehr schöner Tag, friedlich und hoffnungsvoll. Es erinnerte mich tatsächlich ein bisschen an die letzte Zeit in der DDR, obwohl die Lage insgesamt doch viel komplexer ist als damals und auch deutlich gefährlicher, wie ich finde. Dessen ungeachtet möchte ich mich jetzt erst einmal an dem großen Widerstand, der sich in der Bevölkerung zeigt, erfreuen und für die Hoffnung, die er schenkt, dankbar sein.

16. Januar
Inzwischen habe ich mich nun auch ausführlich mit Ihrem Blog beschäftigt. Einige Texte habe ich mehrfach gelesen. Ich musste mich erst einmal daran gewöhnen, die Texte in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Am meisten berührt hat mich Ihre Beschreibung von der Demo am 28. August. Ihre Reflexion über Mitmachen oder Widerstand hat mich selbst auch wieder einmal zur eigenen Reflexion darüber angeregt. Es betrifft die Zeit in der früheren DDR – Widerstand oder Mitmachen – außerdem überlegte ich, wie ich mich in der CoronaZeit verhalten hätte, wenn ich noch kleine/ Schulkinder gehabt hätte. Wie hätte ich mich im Angestelltenverhältnis verhalten usw ….

23. Januar
Inzwischen ist schon wieder so viel passiert.
Die inszenierten Massenaufmärsche, infolge des ominösen Treffens in Potsdam, beunruhigen mich zutiefst. Die Spaltung der Gesellschaft, so scheint es mir, bekommt nun eine neue Qualität. Ich bin darüber ganz niedergeschlagen. Wie geschickt das Ganze eingefädelt ist, um von den eigentlichen Problemen abzulenken.
Dieser sprichwörtliche Kampf gegen Windmühlen, wie er doch ermüdet und erschöpft. Ja und dann ist dieser Kampf ja auch nicht nur sprichwörtlich…
Aber natürlich freue ich mich auch weiterhin über die Proteste der Bauern und Mittelständler. Es ist ein Hoffnungsschimmer der sich hoffentlich nicht wieder verdunkelt.
Über eine Whats App Gruppe war ich gestern mit den Akteuren der Autobahn- und Grenzsperrung in Pomellen verbunden. Mein Bruder lud mich dazu ein. Der Zusammenhalt und die Kreativität aller dort Beteiligten war beindruckend und herzerwärmend.

Liebe Frau Mittelstädt, ich habe mir fest vorgenommen, Ihren Fragebogen zu beantworten. Aber es braucht noch ein wenig Zeit. Zunächst war es mir ein Bedürfnis, aus dem Hier und Jetzt auf Ihren tollen Blog zu reagieren.
Ich grüße Sie herzlich,
Anja Biosch.

Jo, 17. Januar 2024

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Denk ich an Deutschland

Meine beste Nora,

wie weiter mit dem Briefwechsel zwischen dir und mir? Dein Nachfragen, wenn wir uns sehen oder sprechen, macht mich schlaflos und ich denke an Heinrich Heine: “Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht”.
Ich weiß keine Antworten auf die vielen Fragen, die diese kaputte Welt stellt. Oder anders gesagt: meine Antworten und Lösungsansätze finde ich in der Regierungspolitik nicht ansatzweise wieder. Die deutsche Politik ist für mich desaströs. Um dir meine Stimmungslage deutlich zu machen, gebe ich dir einige Synonyme für desaströs: desolat, fatal, katastrophal, beschissen. … Diese Attribute widerspiegeln mein emotionales Stimmungsbild.
Ich will das an drei Politikfeldern verdeutlichen.

a) Ich bin fundamental gegen die aktuelle deutsche Außen- und Verteidigungspolitik.
Ich will keinen mit militärischen Drohungen untersetzten interventionistischen Export deutscher Wertevorstellungen von Freiheit und Demokratie in andere Länder. Deutschland (und der „Westen“) ist nicht der Nabel der Welt. Genausowenig wie 2003 Deutschland am Hindukusch verteidigt wurde, wird Deutschland heute in der Ukraine verteidigt.
Ich will keine militärische Eskalation in der Ukraine. Militärisch ist der Ukrainekonflikt nicht zu lösen. Ansätze für eine friedliche Lösung des kriegerischen Konflikts hat Deutschland, hat die westliche „Wertepolitik“ viel früher verspielt. Symptomatisch dafür ist das Eingeständnis der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel, die in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ zugab, dass das Abkommen von Minsk (2014) dazu diente, die Ukraine aufzurüsten.
Ich will Abrüstung statt Aufrüstung.
Ich will Friedenspolitik statt Konfrontationspolitik.
Ich will keine militärischen Interventionen.
Ich will keine 100 Milliarden Sondervermögen für die Bundeswehr.
Ich will 100 Mrd. Sondervermögen für die Lösung von Zukunftsaufgaben in Deutschland (z.B. für Bildung)

b) Ich bin für ein sozial und wirtschaftlich starkes Deutschland. Ich bin bei Oxfam Deutschland. (Oxfam ist die weltweit größte Nothilfe- und Entwicklungsorganisation). Oxfam stellte in seinem aktuellen Bericht zur sozialen Ungleichheit 2024 folgendes fest: „Die fünf reichsten Männer der Welt haben ihr Vermögen seit 2020 verdoppelt, fast fünf Milliarden Menschen sind ärmer geworden. Unser Bericht macht deutlich, wie Superreiche und Konzerne von Inflation, Kriegen und Pandemie profitieren, während die meisten Menschen unter den Folgen leiden. Wir fordern deshalb eine Besteuerung großer Vermögen, um in den Klimaschutz, den Ausbau von Bildung, Gesundheitsversorgung und sozialer Sicherung zu investieren.“
Ich bin gegen eine Politik, die extreme soziale Ungleichheit (weltweit und in Deutschland) ignoriert. Auch hier finde ich mich durch die deutsche Politik nicht vertreten. (Anmerkung: Diese Feststellung betrifft nach meiner Überzeugung auch Grundsatzfragen der Migrationspolitik. Migration ist dort zu bekämpfen, wo die Ursachen für Migration liegen. Kurz gesagt: Statt Rüstungsexport bin ich für den Export von Entwicklungshilfe).

c) Um die Demokratie ist es in Deutschland schlecht bestellt. Was ist mit denjenigen, wie mich, die sich in der deutschen Politik auch nicht ansatzweise wiederfinden? Wen soll ich wählen, wenn Wahlversprechen schamlos gebrochen werden?
(Beispiel: a) zur Rüstungspolik: Im Wahlprogramm der Grünen steht: Keine Rüstungsexporte in Kriegesgebiete, heute gehören die Grünen zu den größten Befürwortern von Rüstungsexporten an die Ukraine. Mehr dazu unter: Bundestagswahl 2021: Was steht in den Wahlprogrammen der Parteien zu Friedenspolitik, Rüstungsexporten und Atomwaffen? Schau mal unter:  Ohne Rüstung Leben !
Beispiel b) zur Sozialpolitik: SPD und Grüne versprachen die Einführung einer Bürgerversicherung: Die Bürgerversicherung soll als einheitliche Rentenversicherung dafür sorgen, dass alle Menschen in Deutschland in der gesetzlichen Rente versichert werden. Ob Arbeitnehmer*innen, Selbstständige, Beamte, Vorstandsvorsitzende von Aktiengesellschaften und Politiker. Auch dieses Wahlversprechen ist unter den Tisch gefallen.
Alternativen finde ich in unserer Politik nicht. Rechtsextremismus ist keine Alternative. Politikansätze links sind nicht zu finden, da finde ich nur heilloses Zerwürfnis. Etwa 25 Prozent der Wahlberechtigten nahmen an der letzten Bundestagswahl nicht teil – auch das werte ich als Stimmungsbild dafür, dass man sich in der Politik nicht wiederfindet.

Mit diesem Briefwechsel will ich deiner Bitte nachkommen. Es spiegelt meine emotionale Stimmungslage wieder und gibt kein umfassendes Bild meines Politikverständnisses.

Liebe (hoffnungslose?) Grüße,
Jo-Papa.

Lest, was Jo-Papa zuletzt schrieb.

Hannelore, 31. Dezember 2023

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Silvestergruß

Krefeld, 31. Dezember 2023

 

Liebe Nora,

ich hoffe, ihr hattet eine schöne Weihnachtszeit und freut euch auf ein hoffentlich gutes neues Jahr.
Wir haben zur Zeit ein volles Haus. Anke kam bereits über die Weihnachtsfeiertage mit ihrer sechsköpfigen Familie aus England. Allerdings war ihre Anreise sehr beschwerlich, die französischen Bahnmitarbeiter haben gestreikt, zum Glück konnten Anke und Familie auf die Fähre ausweichen.  Bei orkanartigem Sturm und Regen war jedoch auch das nicht ohne. Wir waren froh als sie endlich hier ankamen. Samuel hat es dann erst einmal mit Fieber niedergestreckt, glücklicherweise blieb der Test negativ, so dass unsere Familienfeier wie geplant stattfinden konnte.
Auch den größten Wunsch der Kinder haben wir erfüllen können– endlich einmal einen deutschen Weihnachtsmarkt besuchen. Regen, Sturm und Stau hat ihrer Begeisterung keinen Abbruch getan. Ihre Kinderaugen glänzten. Für mich war es der reinste Irrsinn. Und dann noch diese Preise. Unglaublich. Wo soll das hingehen?
Heute Abend wird es noch einmal hoch hergehen. Die Kinder erwarten eine große Party. Wir werden tanzen und Karaoke singen. Ich bin sehr gespannt.
Wie feiert ihr Silvester?

Ich wünsche euch jedenfalls ein gutes Ankommen im neuen Jahr
und freue mich von dir zu lesen.
Liebe Grüße,
Hannelore.

  • 13.604

Wenn reden unmöglich wird

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Nora, 19. Dezember 2023

Lieber Jo-Papa,

hier kommt wie versprochen, der Text den ich über meine Demo-Erlebnisse geschrieben habe.

______________________________

 

Wenn reden unmöglich wird,
Was können wir dann tun?

 

Durch die Straßen ziehen. Trommeln, singen, klatschen, lachen…

Berlin war ein Fest. Energetisierend. Herzerwärmend. Wir sind sooo viele. Eine Kraft.

Die ausgebremst, die aufgehalten, die mundtot gemacht werden soll.

 

Es ist der 28. August 2021. Die Demokratiebewegung sammelt sich in Berlin. Ich bin noch keine fünfzehn Minuten im Zug –  aus der Friedensstraße kommend, passieren wir die Landsberger Straße – als es losgeht. Rechts und links von uns beginnt ein schwarz vermummtes eiliges Rennen. Wir sind auf der Hut. Überlegen, was könnten sie wollen. Uns in den Friedrichshain treiben, um uns dort einzukesseln?

Pfingsten habe ich das so schon einmal erlebt, an der Siegessäule im Tiergarten. Anders als heute waren wir damals nicht Tausende, sondern maximal fünfzig Menschen. Aber offenbar brandgefährlich. Brutalst wurden damals einer Frau, mit der wir eben noch gesungen hatten, die Arme verdreht. Tief gebeugt mit schmerzverzerrtem Gesicht wurde sie an mir vorbeigeführt. Ich war schockiert, brüllte ehrlich empört: „Das könnt ihr doch nicht machen!“ Meine Freundin zog mich zurück. Zwei Stunden dauerte unsere „Maßnahme“ damals. Mein Tamburin wurde beschlagnahmt. Meine Freundin ist bis heute traumatisiert.

Der Zug teilt sich. In Parkläufer und Straßenläufer. Wo ist die Polizei? Daaa!!! Ein schwarzer Arm zieht plötzlich an der Trommel, die neben mir läuft. Die Frau, die an der Trommel hängt hat keine Chance. Ebenso wenig wie ihre Gefährten. Der Trommler mit der größten Trommel steht wenig später breitbeinig mit erhobenen Armen an der blauen Minna. Ich weiß nicht mehr, ob er durchsucht wird. Ich zücke mein Handy. Mitschnitte (für den UN-Sonderbeauftragten Nils Melzer) sind derzeit unsere einzige Chance, etwaige Polizeigewalt aufzuhalten.

Hilflos stehen wir um die abgeschirmten Musiker. Meine Freundin erkundigt sich bei der Trommlerin, wie wir helfen könnten. Ein Polizist unterbindet jedwedes Gespräch. Ein anderer blafft eine weitere Trommlerin an: „Wenn die Polizei arbeitet, haben Sie Folge zu leisten! Haben Sie das verstanden?“ Unsere Trommlerin versucht es mit einem Gespräch, sie sagt: „Die Leute gehen weiter, ohne dass wir trommeln. Dass heißt, es ist nicht so, dass wir die Leute zum Gehen animieren. Sie gehen trotzdem.“ Der Polizist schweigt.
„Dürfte ich wissen, weshalb Sie uns festhalten?“ Starren. Schweigen. „Darf ich nicht?!“ Ein Stückchen weiter platzt einer dritten Trommlerin der Kragen, sie ruft: „Sie halten mich fest, wie eine Schwerverbrecherin. Eigentlich bin ich sogar Nazi. Was dürfen wir? Immer brav Steuern zahlen, immer brav  ´ne Spritze abholen in Zukunft als Dauerabo …“ Nun endlich reagiert ein Polizist: „So, eine schöne Rede haben Sie hier geschwungen. Ich weise Sie noch mal darauf hin, das ist eine polizeiliche Maßnahme, Sie hören jetzt einfach mal zu“. In mir rebelliert es. „Hört uns denn einer zu?“ NEIN! Verdammt noch mal. NEIN!!! Ignoriert, diffamiert, in die rechte Ecke getrieben. Und weiter geht es: „Sie tanzen hier nicht rum, als wenn Sie eine Party feiern. Sie bleiben hier stehen, bis ich Ihnen sage, wie es weitergeht. Haben Sie das verstanden?“

Ein älterer Mann, wie ich als Zeuge filmend, fragt: „Wie fühlen Sie sich dabei? Was erzählen Sie Ihrer Frau und Ihren Kindern heute Abend? Dass Sie wieder eine Maßnahme durchgeführt haben?

„Geht ruhig weiter“, rufen uns die Trommler zu.

Fünf Stunden später sehen wir sie wieder. Musizierend mit Tamburins und klitzekleinen Trommeln. Montag, erzählen sie uns, könnten sie ihre großen Trommeln wieder abholen.

In den fünf Stunden dazwischen ziehen wir durch die Berliner Innenstadt. Immer wieder sehen wir Polizeigewalt. Auffallend ist, dass jedes Mal der gleiche Trupp zuschlägt. Meist an Hauseingängen und Tordurchfahrten. Gruselig. Einmal, als ein Mann aufgehalten und geschubst wird – seine Brille fliegt in hohem Bogen auf die Straße – geht es wie Pfingsten mit mir durch: „Das könnt ihr doch nicht machen!“, brülle ich den drei Polizisten zu, die sich – die Schubsattakte absichernd – vor uns Nachfolgenden aufgebaut haben. In meiner Empörung habe ich keine Angst. Meine Freundin Katja schon. Sie nimmt mich bei den Schultern und sagt „Komm Nora“. An den Polizisten vorbei führt sie mich durch deren Schutzriegel wieder in die Reihe der Demonstranten.

Unser Zug wird zu einem einzigartigen Festumzug. Wir lassen den Prenzlauer Berg hinter uns, spazieren durch Mitte, durch Moabit – von den Balkonen werden wir überwiegend gefeiert, uns wird gedankt. Wieder läuft eine Trommlerin neben mir, eine schon ältere Dame. Ich frage sie, ob sie keine  Angst habe. „Nein“, antwortet sie, „ihre Trommel gebe ihr eher ein Gefühl von Sicherheit“. Wir singen, sie trommelt. Wenn die Antifa auftaucht rufen wir „Nazis raus!“, später, als wieder mehr und mehr Polizisten neben uns hergaloppieren, ich sehe wie sie schwitzen in ihrer Montur“, skandieren wir: „Alle zusammen gegen den Faschismus!“

Wie schön wäre das!!! Alle zusammen gegen diejenigen, die gerade dabei sind unsere Grundrechte zu zertreten und parlamentarische Strukturen aufzulösen. Oder noch viel besser: Alle zusammen DAFÜR, dass unsere Grundrechte geschützt und parlamentarische Strukturen erhalten und verbessert werden.

Es ist noch nicht so weit. Mitten auf der Brücke stoppt uns die Staatsgewalt. Zunächst ist es nur eine löchrige Kette. Einige Demonstranten „passieren“ noch. Dann jedoch wird aufgerüstet. Plötzlich stehen sie da, Schulter an Schulter, die Hände zu Fäusten geballt vor der Brust verschränkt. Ich stehe zirka zehn Meter entfernt, am Gitter zum gegenläufigen Fahrstreifen. Gemeinsam mit anderen will ich hinüberklettern, raus aus dem eingeklemmten Pulk. Polizisten hindern uns: „Bleiben Sie, wo Sie sind!“ „Sie dürfen hier nicht rüber!“ Ein Mann fragt, weshalb nicht. Keine Reaktion. Schwarz vermummt, die Maske im Gesicht stehen die jungen Männer vor uns. Sie verziehen keine Miene. Nur Ihre Augen huschen hin- und her. Ab und an feuert einer: „Bleiben Sie, wo Sie sind!“

Ganz vorne in der ersten Reihe, das erfahre ich aber erst später, stehen meine Freundinnen Claudia und Lydia. Ein Meter trennt sie von den Polizisten, die alle behelmt sind, ihre Visiere jedoch noch oben tragen. Claudia und Lydia und die Menschen neben ihnen recken ihre Arme in den Himmel. Ein Demonstrant durchläuft immer und immer wieder den Korridor zwischen Polizei und Zug und mahnt ruhig zu bleiben. Claudia, so berichtet sie später, sucht das Gespräch. Polizisten in Vollschutz sind ihr vertraut. Sie arbeitet im Maßregelvollzug. Normalerweise, erzählt sie, „hole ich die Polizisten als Hilfe“. Nun jedoch steht sie einer schweigenden Menge gegenüber. Fragen, Bitten, Gesprächsangebote werden nicht erwidert.

Wie, frage ich mich, soll Kommunikation funktionieren, wenn sie nur einseitig ist. Wie kann man ein schweigendes Gegenüber erreichen?

„Lasst uns doch einfach durch!“, ruft es von hinten. „Die Mauer muss weg“, ruft es von überall.

Die Masse schiebt.

Meine Freundin Vicky, die mit meinem Handy auf dem Gitter steht, um zu filmen, schreit plötzlich: „Mach die Augen weg. Die haben Tränengas!“ Und dann merke ich es schon im Hals. Nichts wie weg. Jetzt dürfen wir über das Geländer. Flüchten ist erlaubt.

Auf der Flucht treffen wir Claudia und Lydia. Claudia hat Glück gehabt, sie hat nur einen Atemzug voll Tränengas abbekommen. Eine halbe Minute, sagt sie, habe sie nicht mehr atmen können. Es sei wie bei dem Asthmaanfall gewesen, den sie einmal hatte. Lydia jedoch hat es voll erwischt. Und zwar völlig überraschend. Sie hatte den „Stau“ genutzt, um zu essen und zu trinken. Das Tränengas kam genau in dem Moment, als sie ihre Wasserflasche im Rucksack verstaut hatte und sich wieder aufrichten wollte. Eine Stunde brauchte sie, bis sie die Augen wieder schmerzfrei öffnen konnte. Bis in die Nacht brannte ihre Haut.

Mit zusammengekniffen, weil unglaublich brennenden Augen, fragt sie: „Warum reden die nicht mit uns?“

 

„Zu jeder Kommunikation gehört das Wohlwollen des anderen.“
Max Frisch

Endlich wieder aufeinander zugehen,
endlich wieder miteinander reden,
einander (endlich) einmal wirklich zuhören.

 

Schreibe ich auf ein Schild, dass ich mir am Sonntag umhänge, um erneut mit tausenden Menschen durch Berlin zu ziehen. Wieder begleiten uns schwarz vermummte Polizisten. Immer wieder stellen sie sich uns in den Weg – wir teilen uns, verlieren uns und finden uns wieder. Es ist ein Katz und Maus-Spiel. Doch die Energie trägt. Selbst als ich im Prenzlauer Berg in einem Kessel lande, bleibt meine Stimmung gehoben. Wir alle hier wissen, was nun passiert. Wir wissen nur nicht, wie lange es bis zu unserer „Freilassung“ dauern wird. Die Polizei natürlich verrät es uns auch nicht.

Mit einem Mal stehen zwei Jungs vor mir, so alt wie mein Hannes, zehn, elf Jahre schätze ich. Sie zeigen auf mein Umhängeschild und fragen durch FFP2-Masken: „Was wollen Sie mit Ihrem Schild sagen?“ Ich erzähle Ihnen, wie schlimm ich es finde, wenn Verwandte, Freunde, Kollegen nicht mehr miteinander reden, weil sie in Sachen Corona unterschiedlicher Meinung sind. Die beiden fragen, welcher Meinung ich denn sei. Ich sage: „Ich demonstriere hier mit.“ „Wir teilen eher die andere Meinung“, erzählen die zwei, und geimpft seien sie auch. Tun sie mir deshalb leid? Nein. Ich merke, für mich ist es wirklich okay, wenn Menschen sich und ihre Kinder impfen lassen. Nur sollen sie uns ebenfalls zugestehen, uns nicht impfen zu lassen. Die beiden Jungs, scheint mir, können das. Wir reden noch ein bisschen. Und ich denke: So kann es gehen. So sollte es gehen. Die Kinder machen es uns vor.

Wenig später redet auch ein Polizist mit mir. Er muss meine Personalien aufnehmen und mich über den weiteren Werdegang belehren. Ich frage ihn, wie es ihm mit und in solch einer Maßnahme gehe. Er ist aus Thüringen und sehr freundlich, nun jedoch etwas irritiert. Schließlich sagt er: „Ich mache meinen Job.“ Und dann noch: „Die einen haben eben diese Meinung und die anderen eine andere.“

Erst einige Tage später geht mir auf: Das hatten wir schon einmal. Damals hieß es: Ich habe nur Befehle ausgeführt.

„Befehle erhalten, Befehle erteilen, das ist dein Leben, ja?“ Genau das hatte eine der Trommlerin am Samstag den Polizisten gefragt, der sie ohne vorherige Ansprache einfach und nicht gerade sanft aus dem Zug gezogen und dann gefordert hatte: „Sie bleiben hier stehen, bis ich Ihnen sage, wie es weitergeht. Haben Sie das verstanden?“

Die Trommler hatten verstanden. Als sie am Montag ihre (zum Teil sehr wertvollen) Instrumente abholen wollten, wurde ihnen die Herausgabe jedoch verweigert. Die Trommeln, wurde ihnen gesagt, bleiben weiter verhaftet. So lange, bis vermutlich ein Richter beurteilen wird, ob die Trommeln eine Straftat begangen haben und zerstört werden oder nicht.

Inzwischen befinden wir uns im neuen Jahr. Die Trommeln sind noch immer verhaftet.

Kunst als Waffe. So schrieb es Friedrich Wolf. Lasst uns Kunst machen, lasst uns Musik machen!!! Alle zusammen! Zur Not mit Kochtöpfen und Rührlöffeln.

 

 

 

Nora, 18. Dezember 2023

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Nora antwortet auf Jo-Papas Fragebogen

Pinnow, 18

Lieber Jo-Papa,

nun habe ich dich ewig warten lassen, dabei war ich so begeistert, dass du erneut der Erste warst, der auf meinen Fragebogen geantwortet hat. Seit Tagen steht in meinem Kalender: Papa schreiben. Aber ich kam einfach nicht dazu. Seit Jens irgendwo am Bodensee versucht, seiner Sinnkrise auf den Grund zu kommen, steht mein Leben Kopf. Nicht nur, dass ich nun alles alleine zu bewältigen habe, die Kinder, die Tiere, den Garten (der zum Glück gerade Winterschlaf hält), den Haushalt, plötzlich geben nacheinander auch noch die technischen Geräte ihren Geist auf. Erst der Geschirrspüler, dann das Auto, und nun funktionierte über drei Wochen der Drucker nicht. Gestern endlich hat ihn mein Freund Stefan repariert. Du weißt, ich habe es gerne haptisch, deshalb wollte ich deine lange Antwort ausgedruckt, um mir wichtige Stellen markieren zu können und meine Bemerkungen dazu an den Rand zu schreiben – von wem habe ich das nur?

Ver-rückt

Als erstes habe ich mir unterstrichen, dass ihr bislang als einzige der Familie „coronafrei“ geblieben seid. Diese Aussage ist inzwischen überholt, ihr habt Corona gehabt. Mama hatte es ganz schön erwischt. Aber ich wage zu behaupten, auch nicht schlimmer als die eine oder andere Grippe, die sie in ihrem Leben hatte. Damit will ich nichts beschönigen. Aber mir stößt noch immer auf, was für eine Kampagne für die Impfung gelaufen ist, wie unter Druck gesetzt und manipuliert wurde. Dabei merke ich, wie vieles von alle dem Ver-rückten ich schon wieder vergessen hatte.

Fragen

Momentan läuft auf Radio München der „Briefwechsel“ als Fortsetzungsroman. Was für ein historisches Zeugnis. Mir schlackern die Ohren, wenn ich höre, was die Menschen erlebt und was sie für sich daraus abgeleitet haben. So viele von all den Absurditäten waren schon wieder raus aus meinem Bewusstsein. Was haben die Menschen alles mit sich machen lassen. Ohne zu hinterfragen! Ist das Ausrufezeichen richtig oder wäre ein Fragezeichen besser?
So langsam bricht die Schale auf. Immer wieder höre ich von Leuten, die sehr wohl skeptisch waren, aber sich nicht trauten dagegen zu sein, aus der Reihe zu tanzen und Beziehungen und Sicherheiten aufs Spiel zu setzen.
Du schreibst von deiner Risikoabwägung, die zugunsten dreier Impfungen ausfiel. Wie viel Wissen hattest du dir im Vorfeld angeeignet? Welche Quellen hast du zu Rate gezogen? Ich erinnere mich, dass ich dir vor deiner ersten Impfung energisch abgeraten hatte, dir erzählte, was für Informationen ich dazu hatte. Warst du offen dafür? Wie war es für dich, dass ich so ganz anders getickt habe, plötzlich in die Schublade der Ausgestoßenen gehörte?
Wie ging es dir damit, dass ich auf Demos war? Auf Demos, die du vermutlich verurteilt hast? Habe ich dir jemals erzählt, was ich dort erlebt habe? Ich hatte damals einen Text darüber geschrieben, den ich dann aber nie veröffentlicht habe. Ich schicke ihn dir in einer separaten Mail.

Fünf Fakten

Unlängst fand im Bundestag ein Corona-Symposium statt. Dort sprach unter anderem der Finanzwissenschaftler Dr. Stefan Homburg. Ihm gelang es in weniger als zehn Minuten die wichtigsten klinischen Fakten zu Corona zu benennen  und aufzuzeigen, dass es nie ein besonderes Krankheitsgeschehen gab. Allein die ersten fünf Stichpunkte, die er anführt, sind der Hammer. Ich schreibe sie dir einfach mal auf.

  1. 2020 sank die Klinikbelegung in Deutschland bundesweit auf ein historisches Allzeittief – sagt das Bundesgesundheitsministerium.
  2. 2020 und 2021 gab es nicht mehr schwere Atemwegserkrankungen als sonst. Corona kam, die Influenza verschwand zeitweise – sagen die Sentinel-Daten des RKI.
  3. Im Jahr 2020 starben altersstandardisiert nicht mehr Menschen als sonst auch. Erst seit 2021 nimmt die Sterblichkeit zu – sagen Daten des Statistischen Bundesarchivs.
  4. Menschen, die an oder mit Corona verstarben, waren im Mittel 83 Jahre alt und die übrigen Verstorbenen im Mittel 82 Jahre alt – sagen RKI und Statistisches Bundesamt.
  5. Das Masken- und Lockdown-freie Schweden schnitt insgesamt besser ab als Deutschland – sagt die WHO.

 

An den Maßnahmen lag es also nicht.
Und was passiert heute? „Meine“ Brandburger Gesundheitsministerin Frau Nonnemacher ruft zum Tragen von Masken auf. Dabei gibt es inzwischen (und gab es auch schon sehr frühzeitig) etliche Studien, die belegen, wie schädlich oder zumindest wirkungsfrei diese Masken sind. Wenn die einen so sagen und die anderen so, muss das doch zumindest diskutiert werden. Darum bitte ich! Deshalb bin ich so energisch für Aufarbeitung.

Zeit für Paradigmenwechsel

Wenn du schreibst, Corona sei eine ernstzunehmende Pandemie, auf die die Menschheit nicht vorbereitet war, sage ich, ja – zumindest wir Ottonormalverbraucher waren nicht darauf vorbereitet. Inzwischen gilt es allerdings als sehr wahrscheinlich, dass Corona aus einem Labor kam. Zufällig? Geplant? Wir wissen es nicht. Ich halte mittlerweile ziemlich viel für möglich. Worum geht es bei all den Spielen, die mit uns gespielt werden? Mit Sicherheit nicht um uns und unser Wohlbefinden. Das anzuerkennen ist hart. Da kippen Weltbilder. Und das ist schwer auszuhalten.

Und es geht ja weiter – Russland, die Ukraine, Israel, Palästina, das Klima, das Gendern – wir werden auf Trab gehalten. Oder abgelenkt?
Kein respektvoller Umgang – nirgendwo. Das fängt im Kleinen an. In den Familien, in Kindergärten, in Schulen, am Arbeitsplatz – vielfach werden wir geschult zu spuren und die Ellenbogen auszufahren. Dabei plappere ich nicht nach, was ich irgendwo aufgeschnappt habe, sondern das entspringt meinem Erleben – gerade als Lerntherapeutin (und natürlich auch als Mutter) bin ich sehr damit konfrontiert und kann ganz klar sagen: Da will ich nicht mitmachen!
Diesen Krieg mit Worten.
Daher verstehe ich, dass es dich empört, wenn „Impfgegner“ die Impfpolitik (darf es so etwas geben?) der Regierung als faschistisch bezeichnen. Aber ist es nicht tatsächlich faschistoid, was mit 2G versucht worden ist – die Ausgrenzung erinnert mich wirklich an düsterste Zeiten.

Worte sind Waffen

Wir müssen sehr aufpassen, was wir wie und mit welcher Absicht sagen. Deshalb frage ich dich, ob es dich genauso erregt, wenn Menschen wie ich als Covidioten, als Blinddarm der Gesellschaft, als Corona-Leugner, als Querdenker (plötzlich ein Schimpfwort), als Tyrannen, Egoisten, Gefährder, Todesengel – die Liste ließe sich beliebig fortführen – betitelt werden, und das nicht von Kalle Schmidt von nebenan, sondern von Joachim Gauck; Saskia Esken, Frank Ulrich Montgomery, Peter Maffay, Günther Jauch. Ich wurde, wir wurden von höchster Stelle stigmatisiert und ausgegrenzt.
Vor einiger Zeit hattest du mich gefragt, ob sich jemand bei mir entschuldigt hätte. Das fand ich gut. Tatsächlich gibt es in meinem Umfeld aber nur zwei, drei Personen, die mich wirklich geschnitten haben. Die Beleidigungen, die Schmähungen, die Ausgrenzung erfuhr ich überwiegend von mir unbekannten Menschen beim Einkaufen, in der Bahn und von der Polizei auf den Demos. Wie geht man damit um? Und das ist ja alles nichts gegen die Sanktionen, die andere Menschen, bekanntere Menschen mit Reichweite, bis heute ereilen, die mundtot gemacht und wirtschaftlich kaltgestellt werden – in unserer Demokratie –, bei denen mitten in der Nacht das SEK erscheint mit Maschinenpistolen im Anschlag oder denen ihre Anstellung gekündigt wird und die keine neue finden, denen also de facto ein Berufsverbot auferlegt wird. Da schaut keinen hin, das wird nicht publik gemacht – außer natürlich in den alternativen Medien. Weißt du davon? Weißt du, dass es so etwas gibt? Du schreibst von den konträren Auffassungen in unserer Familie in Bezug auf die Coronamaßnahmen, die objektiv der Ungewissheit geschuldet seien, die solch eine unbekannte Pandemie mit sich bringt. Diese Ungewissheit, wage ich zu behaupten, entsteht durch Unwissenheit. Dieser Unwissenheit aber kann abgeholfen werden. Indem man sich informiert. Und wenn diese Informationen über die offiziellen Medien nicht zu haben sind (Bringschuld), kann, darf, muss man sich diese woanders holen (Holschuld). Es gab sie. Frühzeitig. Das kostet Zeit und Energie und tut mitunter weh – aber wir könnten woanders stehen als vor dem aktuellen Scherbenhaufen.

Kollateral

Zum Glück tut sich gaaaannnzzz langsam etwas. Vergangene Woche beispielsweise berichtete die „Umschau“ des MDR tatsächlich darüber, dass ein Labor in Magdeburg starke Verunreinigungen in fünf verschiedenen Chargen des Biontec-Impfstoffs gefunden habe.
Parallel dazu verbreitet Karl Lauterbach neuerlich Corona-Panik und drängt die Leute zur nächsten Auffrischungsimpfung. Wofür? Die Impfung schützt nicht. Nicht den Geimpften und auch nicht diejenigen, die er nicht anstecken möchte. Aber Big Pharma verdient. Und das auch noch an den Opfern. Die vielfach nicht als Impfgeschädigte anerkannt werden. Ist das eine Verschwörungstheorie? Auf Radio München läuft seit Wochen eine Reihe mit dem Namen: Kollateral. Da kommen sie zu Wort, die Impfopfer. Aber wer hört das? Ich fürchte, wieder nur meine „Blase“.

 

Lieber Jo-Papa, jetzt ist es halber Nacht und hatte mir eigentlich vorgenommen, solch schwere Themen nicht mit ins Bett zu nehmen. Nun gut. Der Brief ist geschrieben. Du bist dran, wenn du magst.

Eins allerdings will ich dir schnell noch sagen: Ich bin wirklich unendlich dankbar, wie wir mit unseren unterschiedlichen Ansichten umgehen, uns zuhören, stehen lassen können, durchdenken, den Austausch immer wieder aufnehmen und uns einfach weiter lieb haben.

 

Jetzt aber Gute Nacht,
liebe Grüße,
Nora.

 

 

PS: Momentan flattern mir von überallher Adventstürchen ins Haus – hinter einer steckte eine Geschichte, die zu all dem passt, was mich und dich derzeit beschäftigt:

Ein kleiner Junge kam zu seinem Vater und wollte mit ihm spielen. Der aber hatte keine Zeit für den Jungen und auch keine Lust zum Spiel. Also überlegte er, womit er den Knaben beschäftigen könnte. Er fand in einer Zeitschrift eine komplizierte und detailreiche Abbildung der Erde. Dieses Bild riss er aus und zerschnipselte es dann in viele kleine Teile. Das gab er dem Jungen und dachte, dass der nun mit diesem schwierigen Puzzle wohl eine ganze Zeit beschäftigt sei. Der Junge zog sich in eine Ecke zurück und begann mit dem Puzzle. Nach wenigen Minuten kam er zum Vater und zeigte ihm das fertig zusammengesetzte Bild. Der Vater konnte es kaum glauben und fragte seinen Sohn, wie er das geschafft habe. Das Kind sagte: „Ach, auf der Rückseite war ein Mensch abgebildet. Den habe ich zusammengesetzt. Und als der Mensch in Ordnung war, war es auch die Welt.“

 

Hannelore, 9. Dezember 2023

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Ein neues Thema – Der Austausch geht weiter – im neuen Jahr

Krefeld, 9. Dezember 2023

Liebe Nora,

Welch schöne Idee. Leider habe ich zur Zeit viel um die Ohren und bin zudem gesundheitlich angeschlagen. Bitte sprich mich im nächsten Jahr noch einmal an.

Ich wünsche dir morgen einen schönen 2.  Advent,
sei lieb gegrüßt von
Hannelore.

Nora, 30. November 2023

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Der Osten eine westdeutsche Erfindung

Pinnow, 30. November 2023

Liebe Hannelore,

gestern Abend war ich mit Papa auf einem Vortrag von Dirk Oschmann. Er ist Literaturprofessor in Leipzig und Verfasser des Buches: Der Osten eine westdeutsche Erfindung. Sicher hast du schon von dem Buch gehört, es vielleicht sogar gelesen. Ich habe es verschlungen und gemerkt, wie sehr mich dieses Thema berührt, wie sehr es auch mein Thema ist – dabei waren mir die Fakten der immensen Ungleichbehandlung gar nicht bewusst, gleichwohl spürte und spüre ich – und das tut weh- , dass das Land meiner Kindheit irgendwie demontiert und vereinseitigt wird.

Seit ich Oschmanns Buch gelesen habe, frage ich vor allem Bekannte deiner Generation, wie sie die Wendezeit erlebt haben und vorher den Osten. Gestern Abend nun während Oschmann  aufzählte, wo heute noch, mehr als 30 Jahre nach der “Wiedervereinigung”, ein großes Ungleichgewicht (teilweise eine Verunglimpfung) besteht, musste ich an dich denken – Professorin im Ruhestand, ostsozialisiert und nach der Wende in den Westen gegangen. Aus deiner Anfangszeit dort hattest du mir erzählt.

Aber wie ist das heute, wie schaust du auf deine Geschichte und die Geschichte der Wiedervetreinigung und die dreißig Jahre, die du jetzt “Wessi” bist? Ich glaube, du hattest mir tatsächlich einmal erzählt, dass du dich inzwischen mehr westdeutsch als ostdeutsch fühlst. Erinnere ich das richtig? Würdest du mir davon erzählen?  Das fände ich großartig.

Ich habe unseren Briefwechsel zur CoronaZeit sehr schätzen gelernt und würde ihn gerne fortführen – mich interessiert ja nicht nur Corona, es gibt so viele Themen, ständig neue. Was hältst du von einem neuen Versuch?

Liebe Grüße aus der verschneiten Uckermark.
(Heute Nacht waren es 14 Grad unter Null. Was für ein Winter mitten in der Klimakrise –das wäre auch noch ein Thema.)

Nora.

Barbara, 29. November 2023

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Barbara, 51 Jahre

Berlin, 29. November 2023

Liebe Nora,

so gerne ich deinen ersten Fragebogen auch beantwortet habe, im Moment bleibt mir so gar keine Zeit, um mir um etwas anderes als meinen Job Gedanken zu machen. Ich leite im Augenblick unser firmenweites Entwicklungsprojekt und wir liegen in den letzten Zügen. Das bedeutet: Hektik, Panik und eine Katastrophe, die die nächste jagt – wie das so ist, wenn etwas unbedingt nach Plan laufen soll und muss.

Bitte sei nicht böse. Die Verlockung ist groß, aber in der nächsten Zeit bekomme ich den Kopf einfach nicht frei genug, um adäquat über deine Fragen nachdenken zu können.
Deshalb nur ein kurzer Gedanke: Ich hätte nie geglaubt, dass sich das Virus des Homeoffice derart verbreiten würde und ich, die das Homeoffice am Anfang so gehasst habe, inzwischen mit den Augen rolle, wenn ich mal wieder ins Büro muss und den fünf Kilometerweg dorthin  unverschämt lang finde. Dass sich das Homeoffice so manifest etabliert und die Menschen (mich eingeschlossen) solchen Gefallen daran finden, habe ich schlicht für unmöglich gehalten. Mein Leben hat sich mit dieser neuen Möglichkeit des Arbeitens gravierend verändert. Homeoffice: zuerst gehasst, dann akzeptiert und mittlerweile freue ich mich darauf.
Nur an meiner Selbstausbeutung muss sich noch etwas ändern, die nämlich ist bei mir im Homeoffice unvergleichlich viel höher als sie es im Büro jemals sein könnte :-).

Dir wünsche ich viel Spaß bei der Aufarbeitung,  und toi, toi, toi,
Gruß, Barbara.

 

Nora, 24. November 2023

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Noch ein Versuch

Pinnow, 24. November 2023

Liebe Hannelore,

seit mehreren Tagen sitze ich und versuche mich an einer Antwort für dich. Ich merke, wie schwer es mir fällt zu akzeptieren, dass du kein Interesse an einem weiteren Austausch hast. Du klingst so entschlossen, das Thema scheint für dich wirklich abgeschlossen. Für mich ist es das nicht. Deshalb wage ich zu fragen, was euch über eine erneute Impfung diskutieren lässt – was spricht in euren Augen dafür, was dagegen? Ich will einfach nur verstehen…
Ansonsten hoffe ich, es geht euch beiden wieder gut.
Seid herzlich gegrüßt,
Nora.

Hannelore, 20. November 2023

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Hannelores 3. Antwort

Krefeld, 20. November 2023

Liebe Nora,

nun bin ich endlich dazu gekommen, deinen Rückblick auf die Coronazeit und auch den deines Vater zu lesen. Ich finde dein neues Projekt interessant, möchte mich aber nicht beteiligen. Bei meinen Bekannten, die vor drei Jahren meinen Fragebogen beantwortet haben, besteht ebenfalls kein Interesse. Die Stimmungslage ist einfach so, dass sich niemand mehr mit Corona beschäftigen möchte. Auch Michael und ich nicht. Uns reicht es, dass wir schon wieder darüber diskutieren, ob wir uns erneut impfen lassen oder nicht.  Wir brauchen keine gesellschaftspolitische Aufarbeitung.

Dennoch wünsche ich dir für dein neues Projekt viel Erfolg.
Liebe Grüße,
Hannelore.

Nora, 13. November 2023

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Hannelore,

du hattest mir geantwortet. Aber deine Mail war im Spam gelandet. Ich habe sie gerade entdeckt und bin nun in Sorge, dass du dich von meiner gestrigen Nachricht überrollt fühlst.
Zumal es dir und euch nicht gut geht. Ich wusste gar nicht, dass du Rheuma hast. Ist das neu? Wie lange dauert so ein Schub? Und wie macht der sich bemerkbar? Ich hoffe sehr, es geht schnell vorüber. Michael wünsche ich auch, dass er bald wieder der Alte ist.  Immer wieder höre ich, dass es einfach dauern kann.
Zum Glück gibt es aber auch immer wieder (Alternativ)Mediziner, die ihre eigenen Rückschlüsse ziehen, Ideen haben und unorthodoxe Therapien ausprobieren. Wenn die dann Erfolg haben… Das muss sich rumsprechenm, muss publik gemacht werden!
Ich erzähle gerade allen, vom Sohn meiner ehemaligen Klassenkameradin Katrin, der seit April mit Long-Covid oder Post Vac (wer weiß das schon?) zu tun hatte. Er ist Leichtathlet. Im März hatte es ihn im Trainingslager erwischt, gar nicht doll, zwei Wochen Pause, dann nahm er das Training wieder auf, gewann sogar die ersten Wettkämpfe. Danach kam plötzlich der Knock out – totale Erschöpfung, Lungenprobleme, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten. Die Ärzte konnten nichts feststellen, außer, dass nicht so viel Luft oder Sauerstoff (da müsste ich noch mal nachfragen) von der Lunge aufgenommen wurde, wie normal. Warum, weshalb – wußte niemand zu sagen. Er lief von Pontius zu Pilatius, stand auf der Warteliste der Long-Covid-Patienten der Charité, wahrscheinlich steht er da  immer noch. Ein Freund erzählte Katrin schließlich von einem Osteopathen, der versprach zu helfen, wie er bislang allen Long-Covid-Patienten, die zu ihm gekommen waren, geholfen hatte.
Und tatsächlich, es geht rapide bergauf. Noch trainiert er nicht wieder, aber die Idee vom Training ist wieder in Sichtweite. Weißt du, was das Geheimrezept war? Rotlicht. Natürlich nicht das kleine zu Hause, sondern ein Therapiestrahler in der Praxis. Katrin hatte mir alles genau erklärt. Irgendwie, das habe ich mir gemerkt, war die Muskulatur um die Lunge in großer Spannung. Die Lösung kann manchmal so leicht sein. Solche Erfolge müssen publik gemacht werden. Es muss ein viel intensiverer Austausch zwischen den Medizinern und Heilern stattfinden. Es gibt so viele Geschädigte. Auch deshalb bin ich energisch für Aufarbeitung.

Du aber werde erst mal wieder gesund.
Liebe Grüße, Nora.

Nora – 12. November 2023

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Der erste Fragebogenrückläufer – Noras Vater Jo hält Rückschau

Pinnow, 12. November 2023

Liebe Hannelore,

ich bin beunruhigt, so gar nichts von dir zu hören. Geht es dir gut? Vermutlich hast du wieder nur immens viel zu tun, du Umtriebige. Oder gärt da etwas Tieferes? Das vermeintlich Unsolidaraische? Lass uns darüber reden!
Vielleicht motiviert es dich ja zu hören, das Papa wieder der erste war, der auf den neuen Fragebogen geantwortet hat. Unglaublich, wie er im Alter an Tempo zulegt. Ich schicke dir seine Antworten und hoffe, sie motivieren dich.
Ich freue mich von dir zu lesen,
ganz liebe Grüße,
Nora.

 

Wie ging es dir in der CoronaZeit? Drei lange Jahre?

Wir, meine Frau und ich (72 und 77 Jahre alt) sind in der engeren Familie die einzigen, die bisher „coronafrei“ geblieben sind. Altersbedingt sind wir sehr vorsichtig gewesen, haben uns drei Mal impfen lassen, haben in der Zeit von 2019 bis Anfang 2023 Masken getragen und unnötige Kontakte und insbesondere Kontakte in größeren Gruppen vermieden.  Wir haben in dieser Zeit weitestgehend keine öffentlichen Nahverkehrsmittel genutzt.

Wie hast du die CoronaZeit erlebt? Drei lange Jahre lang? Was hast du gedacht, gefühlt, beobachtet?

Die CoronaZeit war für mich eine Zeit starker persönlicher Verunsicherung.

Zeitnah nach meiner ersten Corona Impfung erkrankte ich an Rheuma. Aufgrund der zeitlichen Nähe zur Coronaimpfung schloss ich das Rheuma als eine Nebenwirkung der Impfung nicht aus. Ich wendete mich an das Robert-Koch-Institut, an das Paul-Ehrlich-Institut, an das Deutsche Rheumaforschungszentrum, an das  Deutsches-Zentrum für Immuntherapie und natürlich auch an meine Rheumaärzte und bat um Informationen darüber, ob ein Zusammenhang zwischen der Impfung und meiner Rheumaerkrankung bestehen könnte. Die Antworten liefen auf Folgendes hinaus: „Ein kausaler Zusammenhang zwischen Impfung und Arthritis ist laut unserer Experten nicht belegt.“  Nicht belegt heißt natürlich nicht, dass ein solcher Zusammenhang ausgeschlossen werden kann. Ich war in einer Phase großer Verunsicherung ohne jemanden dafür verantwortlich zu machen. Für mich war Corona eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung, für die es keine gesicherten Erkenntnisse gab und auch nicht geben konnte. Im Bewusstsein möglicher Risiken und einer persönlichen Risikoabwägung entschied ich mich dann doch für eine zweite und dritte Boosterimpfung. Mit dieser Risikoabwägung schätzte ich für mich die möglichen negativen Folgen einer Nichtimpfung höher ein als die Risiken eines möglichen Impfschadens. Nach den Boosterimpfungen hatte ich keine Nebenwirkungen.

Wie hat sich dein Denken, Fühlen und Beobachten über die drei Jahre verändert?

Mein Fühlen und Beobachten des gesellschaftlichen Umgangs mit der Pandemie hat sich grundlegend über den Zeitraum der Pandemie nicht verändert. Vermutlich kann ich dieses Fühlen jetzt nur genauer Beschreiben. Corona ist eine ernst zu nehmende Pandemie, auf die, die Menschheit nicht vorbereitet war.  In allen Bereichen der Gesellschaft, insbesondere in der Politik, mussten  Entscheidungen getroffen werden, deren Richtigkeit und Wirksamkeit ungewiss waren. Diese Ungewissheit war objektiv gegeben.  Die namentlich durch die Politik zu treffenden Entscheidungen waren objektiv mit dem Risiko verbunden, dass sie falsch sein können. Ich erinnerte mich in diesem Zusammenhang an die Habilitationsschrift eines Freundes zum Thema „Entscheidungstheoretische Aussagen zum Risiko …“ In seiner Arbeitsthese charakterisierte er das Risiko als die aus der Unbestimmtheit resultierende Möglichkeit, dass die Verwirklichung einer ausgewählten Entscheidungsvariante nicht zur Erreichung des angestrebten Ziels führt.“ Die Coronazeit war für mich objektiv eine Zeit der Ungewissheit, der Unbestimmtheit. Es war eine risikobehaftete Zeit. Dafür kann niemand verantwortlich gemacht werden. Diese Unbestimmtheit und Ungewissheit schließt auch kontroverse Meinungen zum Umgang mit der Pandemie ein. Das schließt auch ein, dass ich andere Meinungen zur Krisenbewältigung aushalten und akzeptieren muss.  Nicht bereit war und bin ich allerdings, Corona zu verharmlosen. Rückblickend muss ich Doreen Mechsner danken, dass sie deinen Austausch mit Hannelore, der genau das thematisiert, aufgegriffen und als „Briefwechsel“ veröffentlicht hat. Unbestimmtheiten, Ungewissheiten implizieren unterschiedliche Meinungen und Haltungen. Das ist objektiv so und muss im Diskurs ausgehalten und gegenseitig respektiert werden.  Das setzt einen respektvollen Umgang miteinander voraus. Diesem Anspruch ist unsere Gesellschaft nicht gerecht geworden. Das macht mir hinsichtlich des Zustandes unserer Gesellschaft große Sorgen.

Was hat dich besorgt? Geängstigt? Geärgert?

Besorgt, geärgert und mehr als genervt hat mich der gesellschaftliche Umgang mit der Pandemie. Das ist ein breites Thema. Ich versuche es auf den Punkt zu bringen. Die objektiv gegebene Unbestimmtheit im Umgang mit der Pandemie wurde in oft unverantwortlicher Weise durch parteipolitische Profilierungssucht von Politikern und wohl auch von Wissenschaftlern und Medizinern missbraucht. Vulgärpolitiker (Trump, Bolsonaro, Lukaschenko) verharmlosten die Pandemie. Andere Politiker versuchten sich durch pausenlose Präsenz in den Medien hervorzutun. Landespolitiker nutzten unser förderalistisches System um sich in einem Überbietungswettbewerb ergriffener Maßnahmen  zu profilieren und stürzten Deutschland in einen regionalen Flickenteppich sich widersprechender Maßnahmen.  Die Medienpolitik nervte mich mit ihrer  über jedes erträgliche Maß hinausgehenden inflationären Thematisierung der Corona Krise. Die Medien und Politik trugen durch pauschalisierende Verurteilung derjenigen, die die durch die Politik ergriffenen Maßnahmen kritisch hinterfragten, zu einem angeheizten Lagerdenken bei. Inzwischen hat sich gezeigt, dass lange nicht alle durch die Politik ergriffenen Maßnahmen zielführend waren und dass kritisches Hinterfragen durchaus berechtigt war (z.B. hinsichtlich der bildungspolitischen Folgen für die Schülergeneration). Ich vermisse eine Entschuldigung bei denjenigen, die für berechtigtes kritisches Hinterfragen diskriminiert wurden. (Ich betone hier für berechtigtes (!) kritisches Hinterfragen; meine also nicht diejenigen, die die Gefährlichkeit der Pandemie verharmlosten. Zum berechtigten kritischen Hinterfragen gehört auch die Ablehnung einer Corona-Impflicht. Die durch die Regierungspolitik betriebene Corona-Impflicht kann (und muss wohl auch) scharf gegeißelt  werden. Was aber gar nicht geht ist, dass Impfgegner die Impfpolitik der Regierung als faschistisch bezeichneten. Das ist eine gefährliche Verharmlosung des Faschismus.)

Sorge bereitet mir also unser politisches System, welches sich vorrangig an machtpolitischen und parteipolitischen Interessen orientiert  und damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt der Gesellschaft gefährdet. Ich bin tief besorgt.

Wie bist du den unterschiedlichsten Situationen, wie mit den Maßnahmen umgegangen?

Sorge bereitet mir die Erkenntnis, das Corona noch nicht ausgestanden ist. Da sind zum einen die Long Covid Erkrankungen. In meinem Bekanntenkreis gibt es eine solche Long Covid Erkrankung und nach jetzigem Erkenntnisstand steht die Medizin diesem Phänomen ziemlich hilflos gegenüber. Hier unterstütze ich Initiativen des Gesundheitsministers für mehr Unterstützung Betroffener und in der Bereitstellung von Forschungsmitteln. Zum anderen bin ich nach wie vor hinsichtlich von Boosterimpfungen verunsichert. Impfschäden durch die Corona-Impfung dürfen nicht ausgeblendet werden und diejenigen, die sich mit Blick auf mögliche Impfschäden nicht impfen lassen wollen, dürfen nicht pauschal verunglimpft werden. Impfzwang bei Corona lehne ich ab. (Impfungen, nicht nur Corona-Impfungen, sind ein gesondertes Thema: „Ausgereifte“ Impfungen haben sich in der Medizingeschichte als ein Segen für die Menschheit herausgestellt. Die Coronaimpfung ist aus meiner Sicht (noch) nicht ausgereift. Ich bin für Impfungen, wenn diese „ausgereift“ sind; z. B. Impfungen gegen Masern. Ich bin gegen Impfpflicht bei „nicht ausgereiften“ Impfungen.  )

Wie ist deine Familie/ wie seid ihr als Familie miteinander in dieser Situation und mit dieser außerordentlichen Situation umgegangen?

Natürlich gab und gibt es auch in meiner Familie unterschiedliche, z. T. auch konträre Auffassungen und Meinungen zur Pandemie und den zu ergreifenden Maßnahmen. Wie oben schon gesagt, ist das objektiv der Ungewissheit geschuldet, die eine solche, für die Menschheit unbekannte, Pandemie mit sich bringt. Die so bedingten subjektiv unterschiedlichen Sichtweisen haben meine Familie nicht entzweit.

Was hast du in dieser Zeit über dich gelernt?

Wichtig ist es anderen zuzuhören und sich mit ihren Argumenten auseinanderzusetzen. Dafür gibt es im Diskurs eine gute Strategie. Bevor ich in einer hitzigen Diskussion antworte, sollte ich für mich gedanklich die Argumentation meines Gegenübers wiederholen und erst dann antworten. Das hilft dabei, nicht aneinander vorbeizureden. … und wenn es gar zu arg wird, sollte man eine Nacht drüber schlafen.

Was über dein Land und die Gesellschaft, in der wir leben? Was denkst du heute über diese Zeit? Wie verhältst du dich gegenüber den neuen (alten) Krisen dieser Zeit?

Ich wiederhole mit Nachdruck: Über den Zustand unserer Gesellschaft bin ich zutiefst beunruhigt, Es dominieren kurzfristige parteipolitischen und machtpolitischen Interessen. Gesellschaftliche Visionen fehlen diesem, unserem Land. Das betrifft nicht nur den Zustand unserer Gesellschaft im Umgang mit der Pandemie, sondern insgesamt den Umgang mit den geopolitischen Herausforderungen unserer Zeit (Krieg und Frieden, Rüstungspolitik  Klimapolitik, Migrationspolitik, Bildungspolitik, …) Es ist desaströs  was die Politik da liefert und es ist unverantwortlich, wie „Leitmedien“ (ARD, ZDF – um nur einige zu nennen) ihrer Verantwortung für eine unabhängige Berichterstattung nicht nachkommen. Ich distanziere mich ausdrücklich von denjenigen, die die Medien als Lügenpresse bezeichnen, kann mich aber des Eindrucks nicht erwehren, dass durch eine oft einseitige Berichterstattung und durch mediale Pauschalurteile tendenziös berichtet wird. Diese oft anzutreffende tendenziöse Berichterstattung, die einseitig dem Narrativ der Regierungspolitik folgt, halte ich für mehr als bedenklich.

 

Hannelore – 11. November 2023

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Hannelores 2. Antwort

Krefeld, 11. November 2023

Liebe Nora,

ich bitte dich um noch ein wenig Geduld. Michael geht es nicht gut, er hatte gerade zum zweiten Mal Corona und rappelt sich nur sehr langsam. Ich selbst habe mit meinem Rheuma zu tun, das nasskalte Herbstwetter tut mir nicht gut. Ich melde mich, sobald es uns wieder besser geht.
Bis dahin sei gegrüßt
von Hannelore.

 

 

Noras Fragebogen – 3. November 2023

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Noras Fragebogen

Pinnow, 3. November 2023

Liebe Hannelore,

meine Freundin Emma, die vor drei Jahren so ausführlich auf deinen Fragebogen geantwortet hatte, bat mich, ihr  auch dieses Mal einen Fragebogen zuzuschicken, an dem sie sich entlanghangeln kann. Ich denke, das könnte auch für deine Freunde und Bekannte erleichternd sein, um erneut Rückschau zu halten. Natürlich kann und darf aber auch jeder schreiben, wie es ihm die Feder (oder die Tastatur) diktiert. Ich freue mich über Rückmeldungen aller Ard(t).

Herzlichst
Nora.

 

Wie ging es dir in der CoronaZeit? Drei lange Jahre?

Wie hast du die CoronaZeit erlebt? Drei lange Jahre lang?
Was hast du gedacht, gefühlt, beobachtet?
Wie hat sich dein Denken, Fühlen und Beobachten über die drei Jahre verändert?
Wie hat Corona dein Leben beeinflusst? Beruflich? Familiär? Gesellschaftlich?
Was hat dich besorgt? Geängstigt? Geärgert?
Was hat dich gestärkt?
Wie bist du mit der Situation, den unterschiedlichsten Situationen, wie mit den Maßnahmen umgegangen?
Wie ist deine Familie/ wie seid ihr als Familie miteinander in dieser Situation und mit dieser außerordentlichen Situation umgegangen?
Wie prägte diese Zeit deine Freundschaften, deinen Freundeskreis?
Was hast du in dieser Zeit über dich gelernt? Was über dein Umfeld? Dein Land und die Gesellschaft, in der wir leben?

Was denkst du heute über diese Zeit?
Wie würdest du dich aus heutiger Sicht in dieser Zeit verhalten?
Wie verhältst du dich gegenüber den neuen (alten) Krisen dieser Zeit?

 

 

 

 

Nora – 31. Oktober 2023

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Noras 2. Brief

Pinnow,

Liebe Hannelore,

mein Leben hält mich gerade ganz schön auf Trab, deshalb antworte ich erst heute – am Dienstag, der ein trüber Regentag ist, aber endlich voller Zeit. Sie rennt nach wie vor immer ein Stück vor mir her. Obwohl, ganz so stimmt das nicht, seit den Sommerferien gelingt es mir immer öfter, sie einzufangen und freundlich an die Hand zu nehmen. Ich habe ein wenig ausgemüllt, in meinem Kopf und vor allem auch meinem Kalender und eine neue Struktur gefunden. Initialzündung dafür war das Buch “Zeit als Lebenskunst” von Olaf Georg Klein. Klein räumt darin unter anderem mit der Vorstellung (dem Hauptirrtum) auf, dass wir tatsächlich Zeit meinen würden, wenn wir von Zeit sprechen. Er sagt, wir seien mit Zeitmodellen unterwegs. Wir hier in der “modernen” Welt, schreibt Klein, leben mit der Idee von Zeit als einer geraden in die Zukunft gerichteten Linie. Ich habe sofort die Tartanbahn vor Augen, auf der ich früher etliche Trainingseinheiten verbracht habe, natürlich immer einem imaginären Ziel – meine Zeit zu verbessern, also die vom letzten Training irgendwie einzuholen – hinterherjagend.
Vor meinem Fenster läuft ein ganz anderes Zeitmodell. Die Linde färbt sich langsam braun, die Ahornblätter liegen rot und gelb auf der Wiese, unser riesiger Walnussbaum entledigt sich seiner schweren Früchte – wir haben bestimmt schon zwanzig Kilogram aufgesammelt und es liegen noch mal so viele im nassen Gras. Durch unsere Birken können wir bereits hindurchsschauen. In ein paar Wochen wird unser Garten kahl und trist aussehen, wie tot. Aber dann, im nächsten Frühjahr …Es ist wie mit der Raupe und dem Schmetterling. Eigentlich gefällt mir dieses Zyklusmodell viel besser – vom Werden und Vergehen und Wiederkommen. Weiß der Schmetterling von der Raupe? Glaubst du eigentlich an Wiedergeburt?
Hannelore, was ist das? Kaum schreibe ich dir, gehen meine Gedanken mit mir durch. Da wollte ich doch gar nicht hin.
Sondern dir eigentlich nur meinen kleinen, ich nenne es mal, “Essay” zu der Frage “Warum hast du nicht mitgemacht” schicken.
Wie gesagt, ich finde die Fragestellung nicht ganz glücklich, deshalb habe ich meine abgewandelt und würde von den Menschen gerne wissen,  warum sie sich in der Coronazeit wie verhalten haben und wie sie diese Zeit und ihren Umgang mit dieser Zeit und den daraus resultierenden Gegebenheiten aus heutiger Sicht betrachten. Es wäre toll, wenn du dich und wenn sich deine Freunde wieder beteiligen würden. Vielleicht hat ja auch Michael Lust…
Ich grüße dich ganz herzlich,
Nora.

Warum habe ich nicht mitgemacht?

Wenn ich es versuche mit Humor zu betrachten, erzähle ich gerne, dass die ganze Corona-Zeit nur meinetwegen über uns gekommen ist. Ich bin ein Kind der DDR, 27 Jahre nach Kriegsende geboren und trotzdem war der Krieg in meiner Kindheit noch absolut präsent. Ich war schon in der 1. Klasse, also mit sieben Jahren, aktiv in der AG “Junge Antifaschisten”. Damals war ich traurig, habe bedauert, dass ich nicht in der Zeit des Nationalsozialismus gelebt habe. Meine Zeit erschien mir so langweilig, ohne große Herausforderung. Ich wollte doch Antifaschistin sein, wie meine Vorbilder Käthe Niederkircher, Lilo Herrmann, Fiete Schulze, natürlich Ernst Thälmann und und und… Ich war überzeugt, ich wäre eine von ihnen gewesen, unbeugsam. Erst langsam dämmerte mir, dass das gar nicht so zwangsläufig anzunehmen war, vielleicht hätte ich mich geduckt, hätte geschwiegen, wäre Mitläuferin geworden oder sogar Täterin – wer weiß das schon.

Die Corona-Zeit hat mir gezeigt, dass ich mit meiner kindlichen Überzeugung mit Sicherheit Antifaschistin gewesen zu sein gar nicht so falsch lag. Ich war widerständig.

Warum? Wenn ich es – im Sinne von Daniele Ganser – ganz knapp runterbreche, habe ich wohl einfach eine andere Angst gehabt, als alle diejenigen, die, wie immer auch, mitgemacht haben. Ich hatte Angst, meine Freiheit zu verlieren, meine Autonomie und irgendwie – durch die Spritze – auch meine Gesundheit.
Die Angst meines Mannes war eher eine existentielle – er sieht sich als Versorger der Familie, diesen Status wollte er nicht gefährden, dafür hätte er sich  – er ist im Gesundheitswesen tätig – fast impfen lassen. Zum Glück bekamen wir genau zum richtigen Zeitpunkt Corona und damit war er sechs Monate lang “geschützt”. Danach war das Thema vom Tisch.

Anfänglich hatte ich Angst vor Corona. Fürchtete in drei Wochen tot sein zu können. Oder schlimmer, eins meiner Kinder. Was tun? Mich aus Angst verkriechen? Nein! Ich wollte, wenn, dann aus dem Leben heraus sterben. Bei uns auf dem Land ging das mit dem Leben ganz gut. Im Prinzip waren wir frei.

Dann erreichten mich erste Botschaften von Menschen, die anders auf das Geschehen schauten. Es gab erste Daten und es gab Mediziner wie Wodarg, Schiffmann und Bhakdi. Warum wurden sie nicht gehört? Sogar verunglimpft? Das machte mich skeptisch. Ich begann Corona und das Drumherum zu studieren.

Ich stolperte über Begriffe wie “symptomlos erkrankt”.
Es dauerte lange, bis im Umfeld meines Umfeldes überhaupt jemand erkrankte. Diejenigen die es traf, posteten fleißig in den sozialen Netzwerken – das musste ja eine schlimme Krankheit sein.
Der Vater einer Bekannten starb an Corona – ein Arzt, 83 Jahre noch immer als Arzt tätig, behandelte er ungeschützt – in unserem hochgerühmten Gesundheitssystem fehlte es einfach an Schutzkleidung.
Ich lernte einen Intensivpfleger kennen, er war Springer, in mehr als einem Dutzend Berliner Krankenhäusern unterwegs. Er zeichnete ein anderes Bild als das, das uns in den Medien verkauft wurde.

Ich fragte mich, warum uns die Regierung keine gesunden Lebensmittel und Vitamin D und C verordnete? Warum sie uns stattdessen einsperrte und uns damit vorbeugende Maßnahmen wie frische Luft und Bewegung nahm? Wie konnte man Sport verbieten? Wie Kultur, wie Beieinandersein? also soziale Medizin? Wie konnte man uns zwingen, uns selbst die Luft zum Atmen zu nehmen – mittels eines Wischs vor dem Mund? Da rebellierte mein gesunder Menschenverstand? Für mich war die Maske von Anfang an ein Maulkorb.

Ich hörte Ken Jebsen.
Ich ging raus, veranstaltete mit Freunden Demos, fand Gleichgesinnte, durchweg schlaue Menschen mit Fachkenntnissen. Wir sind bis heute befreundet – ein positiver Coronaeffekt. Der neue Freundeskreis wächst immer weiter. Dieser Kreis war mein Rückhalt, ist es bis heute.

Mir gefällt die Bezeichnung “moralischer Kompass”. Dem bin ich gefolgt. Ich habe mich belesen, geforscht, recherchiert, ausgetauscht, ich war bereit auch an meiner Sicht zu zweifeln, habe anfänglich sogar gehofft, falsch zu liegen, aber alles was ich mir an (Halb)wissen aneignete, ließ mich immer wieder zu dem Schluss kommen, dass hier etwas gehörig schief läuft. Dass es nicht um unsere Gesundheit geht.

Die Impfung verstand ich viel mehr als Angriff. Und als Einnahmequelle für die Pharmallobby. Normalerweise brauchen Impfungen an die zehn Jahre für ihre Entwicklung. Für das Corona-Therapeutikum wurden alle Sicherheitsstufen über den Haufen geworfen. Es wurde vom ersten Coronatag an als einzige Lösung gehypt.
Plötzlich gab es richtige und falsche Wissenschaftler. Wissenschaftler, die mit – erschütternden Mitteln – mundtot gemacht wurden.

Das Mittel der Wahl für alles – ANGST.
Meine war einfach eine andere, als die vieler anderer Menschen.

Nora Mittelstädt

Hannelore – 25. Oktober 2023

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Hannelores 1. Antwort

Krefeld, 25. Oktober 2023

Liebe Nora,

ich bin hin- und hergerissen, einerseits freue ich mich, dass du mir geschrieben hast und anregst, unseren Austausch wieder aufzunehmen, anderseits merke ich, dass mir unser letztes Telefonat (auch wenn es schon so lange her ist) noch immer schwer im Magen liegt. Ich verstehe einfach nicht, wie du dich so unsolidarisch verhalten konntest.
Aber das will ich jetzt nicht weiter ausführen. Wir sind gerade erst aus England von unseren Enkelkindern zurück und brauchen erfahrungsgemäß ein paar Tage um richtig anzukommen.
Nichts desto trotz spüre ich schon wieder Neugierde in mir aufsteigen. Was hast du diesem Journalisten geantwortet? Kann ich das irgendwo lesen?

Ich grüße dich,
Hannelore.

Nora – 15. Oktober 2023

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Noras erster Brief

Pinnow, 15. Oktober 2023

Liebe Hannelore,

wie lange haben wir nichts voneinander gehört? Wann haben wir uns zum letzten Mal geschrieben? Ich glaube, im Dezember wird es drei Jahre her sein. Es hat sich viel getan in dieser Zeit. Die Welt steht weiterhin Kopf. Ist eine andere geworden. Oder sehe ich sie nur anders? deutlicher?
Liebe Hanne, ich schreibe dir, weil ich unseren Briefwechsel gerne wieder aufnehmen, mich erneut austauschen und hören bzw. lesen möchte, wie es dir und euch geht, wie du, wie ihr in die Welt schaut. Ab und an sehe ich deinen WhatsApp-Status – ihr scheint viel auf Reisen zu sein. Ich bin neugierig. Wollte schon lange schreiben, habe mich aber nicht getraut. Unser letztes Telefonat stand dazwischen. Erinnerst du dich?
Weihnachten 2020 – die Impfung entzweite uns. Du warst fassungslos, wie ich so unsolidarisch sein konnte, die Impfung, wenn ich denn an der Reihe wäre, ablehnen zu wollen. Unser Gespräch war kurz. Du hattest mich gerade noch so erwischt, ich war damals auf dem Sprung, meine Schwester wartete. An sich hatten wir, das jedenfalls versicherten wir uns, unser Gespräch später fortsetzen wollen, tatsächlich jedoch hatte ich keine Lust dazu. Ich war so entsetzt, wie vermutlich auch du entsetzt warst. Sprachlos, wie so viele.

Inzwischen hat so etwas wie ein Tauwetter eingesetzt. Oder doch eher ein Vergessen(-wollen)? Jedenfalls sprechen die Menschen wieder miteinander. Häufig allerdings unter Ausklammerung des Themas der vergangenen drei Jahre. Die meisten wollen von Corona und dem, was in dieser Zeit geschehen ist, nichts mehr wissen. Das finde ich schwierig.
Deshalb war ich ganz begeistert, als ich vor zwei, drei Wochen bei Instagram den Post eines Journalisten   entdeckte, in dem er fragte: Warum hast du nicht mitgemacht?, und um Zusendungen bat.
Mir ging es sofort wie vor drei Jahren dir, als dein Max dich fragte, ob die Coronazeit so wichtig sei, dass man irgendwann in den Geschichtsbüchern darüber lesen werde. Ich möchte, dass man darüber lesen wird, warum wir uns wie verhalten haben. Wohl auch deshalb ratterte es in meinem Kopf sofort los. Ich habe mir sogleich Notizen gemacht, sie tags darauf in Form gebracht und tatsächlich an den Journalisten  geschickt.

Inzwischen allerdings finde ich seine Fragestellung zu eng, zu wertend. Ich will doch alle Meinungen hören, will ins Gespräch gehen, gerade mit denen, die anders denken als ich. Ich möchte gerne versuchen, ihre Perspektive einzunehmen und durch ihre Augen in die Welt zu schauen.
Liebe Hanne, ich verspüre den dringenden Wunsch, unseren Briefwechsel wieder aufzunehmen. Damit einhergehend kam mir auch gleich noch die Idee, all unsere Freunde und Bekannten, die vor drei Jahren deinen Fragebogen beantwortet haben, zu bitten, uns zu schreiben oder zu erzählen, warum sie sich in der Coronazeit wie verhalten haben, und wie sie diese Zeit und ihren Umgang mit dieser Zeit und den daraus resultierenden Gegebenheiten aus heutiger Sicht betrachten. Du weißt, als Schreibende und ehemalige Geschichtsstudentin verstehe ich mich immer auch als Chronistin unserer Zeit und möchte festhalten, was die Menschen bewegt bzw. bewegt hat, so zu handeln, wie sie gehandelt haben.
Ich würde mich riesig freuen, wenn auch du erneut Lust auf diesen Austausch hättest.

Ich grüße dich und natürlich auch Michael ganz herzlich,
deine Nora.

Der Briefwechsel im Blog

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Briefwechsel – Stimmungsbild einer gesellschaftlichen Krise

 

3. Mai 2020
Liebe Freunde,

ich hoffe, ihr seid alle wohlauf in dieser so ungewöhnlichen Zeit. Mir und meiner Familie geht es zum Glück gut.
Alles, was derzeit um uns herum und mit uns passiert, bewegt mich sehr und ich merke, dass ich mich mit möglichst vielen Menschen darüber austauschen möchte. Gerne auch mit euch. Vielleicht habt ihr Zeit und Interesse, euch an meinem Corona-Projekt zu beteiligen. Ich habe einen kleinen Fragebogen entwickelt, in dem ich Menschen aus meinem Familien- und Bekanntenkreis einladen möchte, ihre Gedanken und Meinungen zur Corona-Zeit festzuhalten. Auf die Idee hat mich mein zehnjähriger Enkelsohn gebracht, als er mich unlängst fragte, ob ich denke, dass Corona so wichtig sei, dass die Kinder später in den Geschichtsbüchern etwas darüber lesen werden?

4. Mai 2020
Liebe Hannelore,

jetzt über Corona schreiben, hältst du das für eine gute Idee? Wofür? Was willst du damit? Ich bin ein bisschen vorsichtig geworden. Es ist nicht mehr ganz einfach, offen seine Meinung zu sagen. Denkst du nicht, dass wir momentan noch viel zu dicht dran sind? Viel zu tief drin? Eben habe ich mit meiner Schwester telefoniert. Sie erzählte mir, dass sie sich jeden Morgen mit dem Wachwerden erst einmal wieder ins Bewusstsein rufen muss, dass das, was gerade passiert, wirklich wahr ist. Es ist so surreal.

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Mehr als drei Jahre sind vergangen seit das Corona-Virus die Welt auf den Kopf gestellt hat.
Über eineinhalb Monate hinweg hatten sich die 74-jährige Hannelore und die 47-jährige
Autorin Nora damals intensiv über all die Ereignisse, die das Auftauchen des neuartigen Virus
mit sich gebracht hatte,  über all die ungewöhnlichen Maßnahmen, die zum Schutz vor diesem
Virus ergangen waren,  über ihren jeweiligen Umgang damit sowie ihre Gedanken
dazu ausgetauscht.
Inzwischen ist viel passiert und Corona nur noch ein Randthema, das vom Ukraine-Krieg,
vom Klima-Wandel, vom neuen Rechtsruck sowie der Genderdebatte abgelöst worden ist.
Vor diesem Hintergrund entwirft Nora einen neuen Fragebogen – sie will den Austausch und eine Aufarbeitung.
Doch andere Themen rücken in den Vordergrund. Corona war nur der Anfang.
Inzwischen geht es Nora vor allem darum, Zeitgeschehen festzuhalten.

Was ist wahr, was ist unwahr?
Wie viel will man später von dem gewusst haben, was heute geschieht?

 

Wir laden Sie herzlich ein, sich am Austausch mit Nora zu beteiligen!