Schweriner Volkszeitung, 30. März 2020

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Noch kleine Bäume ausreißen

Rose Marie Kriebel aus der Feldstadt feierte am 29. März ihren 100. Geburtstag – ihr bewegtes Leben ist in einem Buch festgehalten

Wie tickten die Menschen eigentlich früher? Wie lebten sie? Was ist aus ihnen geworden? Und wie konnten sie die sein, die sie einmal waren? Fragen, denen sich Doreen Mechsner sehr verbunden fühlt…

Werkstattbericht, 24. März 2020

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Liebe Freunde des umland verlags,

 

wie schreibt man zu Zeiten von Corona einen Werkstattbericht? Ich sitze an meinem Schreibtisch und zermartere mir den Kopf. Draußen ist herrliches Frühlingswetter. Unser Storch, der vor acht Tagen deutlich früher als in den vergangenen Jahren, sein Nest bezogen hat, steht auf seinem Bein und klappert in die Welt. Genau wie wir wartet er auf seine Frau. Eine Etage unter ihm herrscht reges Treiben. Sperlinge, Bachstelzen und Stare, die sich in den Hohlräumen des Nests eingemietet haben, fliegen ein und aus. Am Ufer unseres Teiches nehmen die ersten Frösche des Jahres ein Sonnenbad. Auch die Seerosenblätter lockt die Sonne, jeden Tag reckt ein neues seine Blattspitze aus dem Wasser. Matti und Willi, unsere jungen Katzen, beäugen all das wachsende Leben neugierig. Es ist ihr erster Frühling und alles ist neu für sie. Miezi, unsere „Altkatze“ liegt im Bett und erholt sich von ihren nächtlichen Botengängen. Manchmal beneide ich sie. Für sie ist das Leben wie immer.

Und für uns? Könnte es wundervoll sein. Wenn nicht Corona über allem schwebte.

Pünktlich zur Leipziger Buchmesse habe ich mein neues Buch „Ich möchte einfach noch Bäume ausreißen! Aber nur kleine. Fast Hundertjährige erzählen“ fertig geschrieben und im Schnellverfahren eine kleine limitierte Auflage für die Buchmesse drucken lassen. Nun gab es keine Buchmesse. Angesichts meiner Erschöpfung – der Druck, das Buch zur Messe fertig zu haben, ging fast ein wenig, nicht nur, über meine Kräfte, sondern auch über die von Clara (Transkriptorin, Lektorin, Korrektorin und Mitdenkerin) und Annett (die als Grafikerin angeheuert hatte, inzwischen aber der dritte Kopf des Verlags geworden ist) – war die Absage auch eine Erleichterung. Zeitgleich natürlich aber auch eine verpasste Chance, mein neues Buch publik zu machen.

Dennoch habe ich nur noch elf Exemplare hier zu liegen. Dank eines tollen Artikels im Uckermark-Kurier gingen bei mir bereits die ersten Bestellungen ein, noch bevor ich das Buch selbst in der Hand hatte. Parallel dazu kamen auch die ersten Leseanfragen, die nun natürlich aufgeschoben sind. Außerdem riefen mich bereits drei über 90-Jährige an, die mir unbedingt ihre Lebensgeschichte erzählen wollen. So ganz genau weiß ich noch nicht, was ich damit machen soll.

Im Moment ist es mir wichtig, den Kontakt zu meinen fast Hundertjährigen zu halten. Einige von ihnen sind familiär gut eingebettet, andere jedoch sind derzeit ziemlich einsam. Rose Marie meine älteste Gesprächspartnerin, die sich so sehr auf ihren 100. Geburtstag am kommenden Sonntag gefreut hat, sitzt alleine und abgeschnitten von der Welt in ihrer Wohnung. Ricarda aus Hamburg lebt in ihrer Seniorenresidenz hinter abgeschlossenen Türen.

Jutta ist vergangene Woche verstorben. Endlich, würde sie selbst ihr Ableben vermutlich kommentieren. Schon als ich sie im vergangenen Jahr interviewte, sagte sie mir, dass sie eigentlich schon vor fünf Jahren hätte sterben wollen. Nun hat sie es geschafft. Zu ihrer Beerdigung waren nur ihre Tochter und zwei Enkelinnen. Sie haben mir ein Video geschickt. Trotz Corona und der Abwesenheit der großen adeligen Familie war es eine ganz schöne Beisetzung mit wunderschönen Blumen und unzähligen Fotos und Bildern der Familie auf dem Sarg.

Werner, der nur zwei Dörfer weiter wohnt, werde ich nachher ein Exemplar des Buches und einen lieben Brief in den Postkasten werfen. Zuletzt war ich sehr in Sorge um ihn. Im Dorfkonsum, erzählte mir die Verkäuferin, war er lange nicht einkaufen gewesen, und immer wenn ich bei ihm vorbeigefahren bin, brannte kein Licht. Gestern erfuhr ich, dass Werner tatsächlich im Krankenhaus war, nun aber wieder zu Hause ist.

Gerhard, mit dem ich gestern telefonierte, ist nach wie vor das sprudelnde Leben. Er hält sich mit seinem täglichen Gang in den Garten fit und freut sich über die ersten Radieschensprossen. Über das, was in der Welt los ist, schüttelt er nur den Kopf und sagt: „So was hat es noch nicht gegeben.“ Allerdings hofft er auch, dass sich die Welt dadurch zum Besseren wandelt. „Die Natur“, freut er sich, „atmet ja bereits auf.“

Bei uns hier draußen in der Uckermark explodiert sie förmlich. Alles blüht und grünt und wächst. Kater Willi kann sich seiner Frühlingsgefühle nur schwer erwehren und oft genug müssen wir seine Schwester Matti vor seinen umtriebigen Nachstellungen beschützen. Meist sucht er dann Zuflucht beim Kaninchenstall. Mit Pucki, so sieht es aus, hat er eine Durch-den-Kaninchendraht-Freundschaft geschlossen. Auch Pucki hat es seit einer Woche nicht leicht mit seinen Frühlingsgefühlen. Wegen der Fibonacci-Reihe (ein Begriff aus der Mathematik – ggf. bitte bei www.ecosia.de (Ecosia pflanzt Bäume für unseren Wissensdurst) nachschlagen) – haben wir unser größtes Kaninchen von den anderen trennen müssen. Beim wöchentlichen Ausmisten entdeckten unsere Kinder vergangene Woche sieben Babykaninchen. Da alle unsere Nachbarn behaupten, uns keinen Bock in den Stall gesetzt zu haben, haben wir unsere Weibchen noch mal genauer angeschaut … Nun bauen wir für Pucki und seine Söhne (wir hoffen, wir erkennen sie als solche) ein neues Gehege. Damit haben wir gleich ein prima Projekt für angewandte Mathematik, Statik, Biologie und auch Deutsch – unsere Lilo schreibt während des verordneten Homeschoolings einen Vortrag über Kaninchen.

Und ich? Vielleicht taucht die Geschichte irgendwann bei den Dubties auf … Die nämlich sollen jetzt wieder zu ihrem Recht kommen und endlich weitergeschrieben werden.

Aber erst mache ich schnell noch ein bisschen Werbung für mein neuestes Buch „Ich möchte einfach noch Bäume ausreißen! Aber nur kleine. Fast Hundertjährige erzählen“. Im Moment ist das nicht ganz einfach – mein Plan, mich auf der Buchmesse durch meinen einzigen prominenten Gesprächspartner, den weltweit ältesten noch aktiven Schauspieler Herbert Köfer ins Gespräch zu bringen, ist gescheitert, Lesungen sind vorerst nicht möglich. Also habe ich einen kleinen Film gedreht (drehen lassen – Annett, Stefan, Olli, Daniel: Habt riesengroßen Dank!!!) und versuche erneut über eine Schwarmfinanzierung auf mein Buch aufmerksam zu machen und Geld für die Finanzierung der zweiten Auflage zu sammeln.

Es wäre großartig, wenn ihr mich dabei unterstützt! Entweder, indem ihr mitmacht und/oder anderen von meinem Buch und meinem Crowdfunding berichtet. Wie schon die letzten Male habe ich meine Aktion bei startnext unter: www.startnext.com/altwieeinbaum platziert. Klickt einfach auf den Link und ihr bekommt alle Informationen.

Außerdem hilft es mir, wenn ihr das Buch auf Amazon bewertet, wenn ihr ein Feedback an mail@umland-verlag.de schickt, wenn ihr Verwandte, Freunde und Bekannte über soziale Netzwerke wie WhatsApp, Twitter, Instagram, Telegram und was es alles gibt, informiert, oder auch einfach am Telefon oder von Balkon zu Balkon davon erzählt. Das wäre klasse. Auch Philipp Sendker (wieder ein Fall für Ecosia) ist vor allem durch Mund-zu-Mund-Propaganda zum Bestsellerautor geworden.

Bevor ihr jetzt alle gleich loslegt und meine „Fast Hundertjährigen“ in die Welt streut, zieht Lilo unter meinen bisherigen Unterstützern noch schnell den Gewinner für das nächste Dankeschöngeschenk. Dieses kann heute natürlich nur mein neues Buch sein. Und es geht an Nicole Schimko.

Ich wünsche euch allen, dass ihr gut durch diese Zeit kommt!

Herzliche Grüße

Doreen Mechsner.

Frank Werner, 23. März 2020

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„Ich möchte einfach noch Bäume ausreißen – aber nur kleine – Fast Hundertjährige erzählen“

Liebe Doreen Mechsner,

ich habe Phasen, in denen ich viel lese und ich habe Phasen, in denen ich wenig lese. Momentan habe ich eine „Wenig-Lese-Phase“ – mit einer Ausnahme: Ihr Buch habe ich nicht aus der Hand legen können, bis ich es zu Ende gelesen habe. Es ist faszinierend, was sie an Lebensgeschichten zu Tage fördern und so lesenswert umsetzen. Sie haben die Gabe zuzuhören und sie haben die Gabe, dass sich ihnen die Menschen öffnen. Das bringt Rose Marie K. mit ihren 99 Jahren auf den Punkt, wenn sie sagt: Zwischen uns ist längst solch eine Nähe entstanden:“… und Ursula L schreibt „Danke, Sie sind ein Geschenk“.

Ich sage: „Ihr Buch ist ein Geschenk“. Danke dafür. Danke auch dafür, dass sie mit diesem Buch den Jungen sagen, dass die Alten aus ihrem langen Leben etwas an Lebenserfahrung zu vermitteln haben und es bereichernd ist, ihnen zuzuhören, wenn sie aus einer Zeit berichten, die der Urenkel von Ursula K. wie folgt kommentiert: „Oma das ist wie ein Märchen

Warum gibt es Krieg?

Posted Veröffentlicht in Nachdenkereien

„Mama, warum gibt es Krieg“, fragt mich meine kleine Loli durch das Telefon und weint.
Sie hat Angst, Angst davor, dass der Krieg zu uns kommen könnte.

Ich bin nicht zu Hause. Loli sollte schon längst schlafen. Aber sie kann nicht schlafen. Der Gedanke an den Krieg hindert sie. Ich kann sie verstehen. Mir ging es als Kind ähnlich. Ganz deutlich noch sehe ich mich auf dem unteren Bett unseres Doppelstockbettes sitzen. Ich muss mich nicht anstrengen, das Bild ist jederzeit abrufbar. Ich sitze auf dem Bett und habe Angst. Angst davor, dass Ronald Reagan jetzt gerade auf den roten Knopf drücken wird und ganz gleich eine Atomrakete über unser Haus hinweg düsen und irgendwo in der Sowjetunion einschlagen könnte. Die Sowjetunion ist weit weg. Aber für den Einschlag einer Atomrakete nicht weit genug. Das Loch in der Erde würde bis zu uns reichen. Ich habe gehört, es gäbe Auffangnetze, ich stelle sie mir wie Volleyballnetze vor oder Fischernetze, die am Himmel gespannt sind. Was passiert, wenn die Atomrakete dort hineinfliegt? Schnipst das Netz die Rakete zurück? Ist die USA weit genug von uns weg?

Ich erzähle Loli natürlich nicht, was sich gerade in meinem Kopf abspielt. Nein, ich will sie beruhigen. Zufällig habe ich gestern die Nachrichten gesehen. Das mache ich selten. Ich will mir die Horrorgeschichten dieser Welt nicht ins Wohnzimmer holen. Jetzt ist es gut, dass ich die Nachrichten angeschaut habe, so kann ich Loli von Angela Merkel erzählen, die sich mit ganz vielen Staatsmännern getroffen hat und die beschlossen haben, keine Waffen und auch keine Soldaten mehr nach Lybien zu schicken.

Loli ist hellwach. Sie fragt: „Schläft der Krieg dann ein?“ Ich hoffe“, sage ich. Loli will noch wissen, mit wie vielen Männern sich Angela Merkel getroffen hat und warum die plötzlich alle keinen Krieg mehr wollen. Es sind schlaue Fragen. Ich merke, ich kann sie auf die Schnelle nicht beantworten. „Vielleicht“, schlägt Loli vor, „sollte ich Angela Merkel mal fragen“. Ich denke noch darüber nach, wie das gehen soll, da hat Loli schon beschlossen: „Ich werde ihr einen Brief schreiben!“ Ich bin begeistert und muss Loli versprechen, unbedingt ihre Rechtschreibung zu kontrollieren.

Zehn Minuten nachdem wir noch etliche Gutnachtküsse durch das Telefon ausgetauscht haben, ruft mein Mann mich an, um mir zu sagen, dass Loli eingeschlafen ist. Vorher allerdings, erzählt er, habe sie ihm noch ins Ohr geflüstert, dass sie Angela Merkel außerdem noch bitten wolle, sich mit noch viel mehr Männern zu treffen, damit ALLE Kriege aufhören würden.

Werkstattbericht, 1. Dezember 2019

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Liebe Freunde des umland verlags,

am Montag bin ich zum ersten Mal seit ewig langer Zeit wieder mit der Deutschen Bahn
gefahren. Nach Bottrop. Dort habe ich „meine“ letzte fast Hundertjährige interviewt. Ich
habe eine ganze Weile suchen müssen, um so weit weg jemanden zu finden. Nun war ich
glücklich, aber auch im Dilemma. Bottrop ist sechs Stunden entfernt – sowohl mit der
Bahn als auch mit dem Auto. Ich war hin- und hergerissen. Mit dem Auto wäre ich
unabhängig, könnte fahren und halten und rasten, wann ich wollte und müsste nicht
schauen, wie ich verkehrsgünstig vom Quartier zum Interview käme. Dagegen sprach
allerdings mein Gewissen – wegen meines ökologischen Fußabdruckes. Außerdem hasst
mein Rücken weite Autostrecken. Schließlich überzeugte mich meine Freundin Silke, die
mir versprach, in der Bahn könne ich richtig viel schreiben. Also buchte ich mir einen
Fensterplatz mit Tisch und machte mich mit Laptop und Diktiergerät auf den Weg. Kaum
im Zug genoss ich schon: einfach so dahinzugleiten, die Landschaft vorbeidüsen zu sehen
und die vielen Birken. Es waren mindestens genauso viele wie damals, als ich noch ein
Kind war. Birken waren damals meine Lieblingsausdemzugguckbäume. Ihre unvollendet
weißen Stämme machten mich neugierig. Ich dachte mir, irgendein Maler würde sie
anmalen. Und weil alle angemalt sein sollten, wenn ich mir die Nase im Vorbeifahren
plattdrückte, musste der Maler unglaublich hetzen. Der Preis war Unvollkommenheit:
lauter Bäume, die nicht ganz weiß geworden waren. Vielleicht, so eine andere
Überlegung von mir, hatte aber auch einfach nur die Farbe nicht gereicht. Mein Opa
erklärte das alles für Kokolores, für ihn war klar, die Bäume waren weiß, damit sich die
Häschen nicht ihr Näschen stupsen. Ich hegte da so meine Zweifel. Aber mit einer
einzigen Frage schaffte es Opa diese zu widerlegen: „Wo, mein kleines Mädchen,“ fragte
er, „läuft das Häschen mit seinem Näschen?“ Richtig, unten. Folglich musste der Maler
auch nur unten malen. Sofort hatte ich das Bild dazu im Kopf. Heute allerdings spukte
statt eines Häschens ein Dubtie, nee, eigentlich eine ganze Dubtiebande darin herum.
Momentan sind sie hinter meiner Stirn omnipräsent. Denn jeden Tag schreibe ich ein
kleines Stückchen weiter am 2. Buch über die winzigen Frechdachse.
Nach meinem Umstieg in Berlin für die lange Strecke mit dem ICE bis in den Ruhrpott,
wollte ich Lilo und die Dubties mit der Lehrerin – ihr wisst, der zweite Teil spielt in der
Schule – mal so richtig Rambazamba tanzen lassen. Allerdings hatte die Deutsche Bahn
etwas dagegen. Sie ließ meinen ICE einfach ausfallen. Das ging ja gut los. Zum Glück fuhr
ein Stunde später der nächste Zug. Schnell sicherte ich mir auch dort noch einen
Fensterplatz, leider ohne Tisch, und vertrieb mir die Zeit zwischen Büchern und
Zeitschriften. Überpünktlich stand ich eine Stunde später erneut auf dem Bahnsteig.
Dann kam die Ansage: Auch dieser Zug entfällt. Sollte ich weinen oder lachen? Oder nach
Hause fahren? Ein Mann mit Schaffnermütze riet mir mit der S-Bahn schnell zum Hbf zu
shutteln, dort, so seine Information, würde der Zug neu eingesetzt. 14 Minuten, so sagte
er mir, hätte ich Zeit. Ich brauchte 15 Minuten. Vorausschauenderweise hatte die Bahn
uns Shuttler einkalkuliert und wartete. Nun saß ich am Fenster mit Ausklapptisch und
konnte endlich arbeiten.
Rückblickend muss ich sagen: Es war toll, Bahn zu fahren. Ich habe viel geschafft. Auch
relaxt. Mein Rücken fand es klasse. Und rückzu hatte ich lediglich eine halbe Stunde
Verspätung. Wegen dunkel gekleideter Personen im Gleisbett vor Eberswalde konnte
mein Regionalexpress nur 15km/h fahren. Wenn ich es mir genau überlege, war meine
Expedition Deutsche Bahn auch schon wieder seine Geschichten wert. (Ich verrate euch
jetzt nicht, welche Storys ich noch aufgeschnappt habe – die Leute reden ja ungeniert
über Intimstes an ihren Handys. Mal sehen, vielleicht mache ich was draus.)
Aber erst einmal vollende ich mein Buch über die fast Hundertjährigen. Mein Gespräch
mit der 96-Jährigen Anneliese Martens hat mich, wie wirklich alle meine Interviews,
wieder ganz glücklich gemacht. Es ist jedes Mal wie neue Freundschaften knüpfen.
Inzwischen pflege ich mit drei meiner „alten Freunde“ einen regen Brief- und
Telefonkontakt. Im März bin ich dann zu „meinem“ ersten 100. Geburtstag eingeladen.
Nun sitze ich voller Tatendrang am Buch und schneidere die Gespräche zurecht. Das alles
ginge jedoch nicht so flott, wenn meine rechte Hand Clara die Gespräche nicht in einer
unnachahmlichen Akkuratesse und Schnelligkeit abtippen würde. Das war bei den
„Wegen“ mein größtes Hindernis. Ich bin so froh, dass nun Clara diese Hürde für mich
nimmt. So spare ich jede Menge Zeit und habe mich auf einer meiner letzten Lesungen
dazu hinreißen lassen, zu verkünden, dass das Buch zur Messe in Leipzig fertig sein wird.
Ganz ehrlich: ich bin selbst gespannt, ob ich es (gemeinsam mit meinen Helfern natürlich)
schaffen werde.
Mein Mann ist ganz zuversichtlich und will mir die Weihnachtsferien zum Arbeiten
weitestgehend familienfrei geben.
Bis dahin habe ich hoffentlich auch noch ein bisschen mit dem Weihnachtsrun zu tun. Im
Lager stapeln sich neben den Büchern auch endlich wieder neue Hörbücher. Die erste
Auflage der vorgelesenen „Lilo und die Dubties“ war zwischenzeitlich vergriffen, so dass
ich vor Weihnachten eine neue Charge nachbestellt habe. Ich dürft gerne die
Werbetrommel rühren.
Wer das Hörbuch bereits hat, weiß, dass die Dubties ihr Aussehen geändert haben.
Anders als für das Buch habe ich die CoverIllustration selbst angefertigt – die Dubties
sehen nun so aus wie die, die hier bei uns zu Hause Rambazamba gemacht haben (und
wie ich sie im Kopf habe). Für Tante Erika war das kein Problem. Sie ist einfach eine
Häkelkünstlerin. Ich schickte ihr die Zeichnungen und sie häkelte die Dubties einfach
genauso nach, wie ich sie gemalt hatte. Mit Fingern und Zehen und Haaren – jedes
einzelne extra am Kopf montiert; eine unglaubliche Fusselarbeit. Als die ersten beiden
Exemplare kamen, war ich sofort verliebt. Damit ihr euch auch verlieben könnt, hänge ich
ein Foto mit an.
Vielleicht gibt es ja jemanden, den ihr zu Weihnachten mit einem Dubtie überraschen
wollt.
Ich selbst will natürlich auch endlich wieder einen meiner Unterstützer überraschen. Viel
zu lange stand der Lostopf ungenutzt im Lager. Nun durfte die echte Lilo hineingreifen.
Und zog meinen alten Trainer Jan als Gewinner. Als junger Vater bekommt er für sein
IdaBaby natürlich einen frechen Dubtie. So ein bisschen Stimmung zu Hause kann ja nicht
schaden. Vielleicht, lieber Jan, lasst ihr ihn aber erst nach Weihnachten raus. Sonst
könnte es in der besinnlich gedachten Adventszeit ordentlich poltern.
Wer von euch schon Dubties hat, passt also auf, behaltet sie im Auge und genießt die
Zeit!
Vielleicht mit den „Wegen“ und einem Glas Tee oder Wein oder, wer es eben doch ein
wenig temperamentvoller braucht, mit den Dubties und Weihnachtsbaumklimbim und
Rambazamba.
Herzlichst eure

Doreen Mechsner.