Werkstattbericht

Werkstattbericht, 4. Oktober 2020

Liebe Freunde des umland verlags,

 

einige von euch waren in Sorge, dachten, ich hätte sie aus dem Verteiler genommen. Nein, das ist nicht der Fall. Ich schweige, weil ich schreibe. Und dafür, wie immer, viel zu wenig Zeit habe. Also muss ich mich fokussieren. Dabei sind die Werkstattberichte hinten runtergefallen.

Heute nun will ich mich melden, um euch einen kurzen Einblick in meine Schreibwerkstatt zu geben.

Meine Vorhaben aus dem April habe ich wirklich in die Tat umgesetzt – ich schreibe sowohl an einem neuen Kinderbuch als auch an einem neuen Erwachsenenbuch. In beiden geht es um das Thema unserer Zeit: Corona. Zum Kinderbuch will ich nur so viel verraten, als dass es eine kleine Ausreißergeschichte wird, die hier und überall und jederzeit passieren kann. Vor allem, wenn solch kleinen Fieslinge wie Viren unterwegs sind, die keiner sieht und die, auf der einen Seite jede Menge Unfrieden stiften, auf der anderen aber auch sehr verbindend wirken können.

In meinem Erwachsenbuch lasse ich wieder, wie schon in den Wegen und bei den Hundertjährigen, viele verschiedene Menschen zu Wort kommen. Sie schildern ihr Erleben und ihren Umgang mit Corona. Die ersten Beiträge stammen aus dem Mai, die letzten aus dem September. Es wird also ein Stimmungsbild der deutschen Mittelschicht in fünf Monaten Corona werden. Eingebunden ist das Ganze in einen Briefwechsel zwischen zwei Frauen, die unterschiedlich auf das Virus und den Umgang damit schauen. Anders als es in Wirklichkeit häufig geschieht, bleiben die beiden sich wohlgesonnen, sind erpicht auf den Austausch und können einander zuhören, ohne die andere überzeugen zu wollen.

Wie schön wäre es, wenn alle Welt das so leben könnte – einander zuhören, sich in andere hineinversetzen, abwägen, auf Augenhöhe diskutieren und andere Meinungen stehen lassen können…

Natürlich habe ich auch einen Plan, bis wann die Bücher fertig sein sollen. Allerdings behalte ich diesen für mich. Ich will nicht unter Druck geraten und gegebenenfalls umdatieren können.

Ganz nebenbei muss ich mich ja auch weiter um „meine“ fast Hundertjährigen kümmern. Nachdem die SuperIllu im Juli einen Bericht über mich und mein Buch veröffentlicht hat, ist der Verkauf richtig gut ins Rollen gekommen. Es ist wirklich erstaunlich, was eine Zeitung bewirken kann. Und auch die Leser. Im Nachgang hat die SuperIllu zwei Leserbriefe abgedruckt, die das Buch noch einmal gepuscht haben. Im Urlaub wurde ich sogar als „DIE“ Autorin erkannt. Das war ungewohnt und irgendwie witzig. Inzwischen haben zwei weitere Zeitungen angekündigt über „Ich möchte einfach noch Bäume ausreißen“ schreiben zu wollen. Ich warte ganz ungeduldig und gespannt. Wer von euch dann vielleicht den Impuls verspürt, auch einen Leserbrief schreiben zu wollen, nur zu! – das hilft wirklich richtig dolle! Ansonsten freue ich mich auch weiterhin über Rückmeldungen oder Sterne (Rezensionen) bei Amazon.

Da ich nicht nur gerne Hilfe empfange, sondern mindestens ebenso gerne helfe, möchte ich euch noch von meinem vorgestrigen Abend erzählen. Ich war das erste Mal seit Corona wieder im Theater. Genauer: im Theater am Rand. Es ist mein Lieblingstheater. Vor zwanzig Jahren haben der Schauspieler Thomas Rühmann (Chefarzt der Sachsenklinik in „In aller Freundschaft“) und der Musiker Tobias Morgenstern in Zollbrücke direkt an der Oder (eine wundervolle Gegend) zunächst im Wohnzimmer von Tobias Morgenstern ihren Traum von einem kleinen eigenen Theater verwirklicht. Inzwischen haben die beiden ein einzigartiges Theatergebäude mit eigener Randwirtschaft erschaffen, das längst kein Geheimtipp mehr ist. Die letzten Veranstaltungen, die ich besucht hatte, waren rappeldickevoll, so um die 200 Menschen (oder sogar noch mehr?). Nun, unter Coronabedingungen dürfen nur noch maximal 80 Zuschauen in die Vorstellungen. Ohne Spenden wäre das Theater längst eingegangen. Vorgestern war ich eine von 26 Zuschauern. Thomas Rühmann und das Stück waren soooo gut und haben mehr verdient. Wer von euch Lust auf Theater hat, fahre mal an die Oder, esse lecker in der Randwirtschaft und genieße Theaterkunst. Mich hat es wieder so gepackt, dass ich für heute und auch nächste Woche bereits Karten reserviert habe. Ich bin voller Vorfreude. Und ganz nebenbei habe ich auch noch das Gefühl, etwas Gutes zu tun. www.theateramrand.de

Wer nicht ganz so weit fahren will, dem empfehle ich das Theater unterm Dach in der Danziger Straße. Dort ton- und lichttechnikt mein Freund Olli. Auch er freut sich, wenn „sein“ Theater besucht wird und er weiterhin arbeiten darf.

Ich selbst sitze im November endlich mal wieder auf der „Bühne“. Im November habe ich nach acht Monaten Pause gleich drei Lesungen. Die Termine findet ihr unter www.umland-verlag.de.

Vielleicht sehen wir uns.

Bis dahin habt eine gute Zeit.

Herzlichst